black roses (john fasano, usa 1988)

Veröffentlicht: Dezember 28, 2010 in Film
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Als die Hardrock-Combo „Black Roses“ mehrere Konzerte in einer amerikanischen Kleinstadt ankündigt, geraten die Bürger dort in Aufruhr: Die Eltern sind schockiert über die antisozialen, antiautoritären Texte von Damian (Sal Viviano), dem charismatischen Frontmann der Band, und fürchten Verrohung der Sitten und Indoktrinierung ihrer braven Kinder, diese wiederum sind erbost über die elterliche Bevormundung und Intoleranz. Die „Black Roses“ können schließlich alle Befürchtungen der Erwachsenen zerstreuen, doch ist dies nur ein Trick, sie in Sicherheit zu wiegen: Denn mit ihrer Musik verwandeln sie die armen Kids in blutgierige Amokläufer …

Nach dem unfassbaren ROCK ‚N‘ ROLL NIGHTMARE widmet sich Regisseur John Fasano hier zum zweiten Mal auf seine unnachahmliche Art der Hardrock- und Metal-Musik. Im ersten Drittel mutet der Film mit seiner Gegenüberstellung der erwachsenen und jugendlichen Perspektive, den Dialogen, in denen alle argumentativen Klischees des Diskurses aufgefahren werden – den Vorwürfen der Elterngeneration, Rockmusik propagiere Teufelswerk und Gewalt, wird etwa mit dem Hinweis begegnet, dass deren Eltern dies auch von Elvis und den Beatles behauptet hätten –, fast ein bisschen wie ein Educational oder eine Dokumentation an, die die Parteien versöhnen soll, bevor der Film dann in seinem Horrorteil lustigerweise alle bestehenden Vorurteile gegenüber Rockmusik zu bestätigen scheint. Unter Beschallung des biederen, aber eingängigen Hardrocks der „Black Roses“ mutieren die lieben Kinder zu willenlosen Mordmaschinen, denen selbst der liberale, väterliche Englischlehrer mit seinen Appellen an Toleranz, Selbstständigkeit und Aufgeklärtheit nichts mehr entgegenzusetzen hat. Das beschauliche Städtchen wird vom rasenden Rockmob überrannt, nervende Eltern erschossen oder über den Haufen gefahren. Und am Ende kündigt sich mit der Nachricht, die Black Roses spielten mehrfach vor ausverkaftem Madison Square Garden, gar das Ende der Zivilistaion an.

Das alles ist marginal aufwändiger und vor allem besser gespielt als in genanntem ROCK ‚N‘ ROLL NIGHTMARE, aber kaum weniger trashig. Schon der Auftakt, bei dem die „Black Roses“ sich bei einem Gig als Dämonenwesen entpuppen, ist dank der putzigen Gummimasken zum Schreien komisch und verwischt alle Hoffnungen auf einen halbwegs effektiven Horrorfilm (die ich aber eh nicht hatte). So geht das dann weiter: Eine Szene, in der ein Vater (Vincent Pastore, der „Pussy“ aus THE SOPRANOS) von einem unbeweglichen Skorpionmonster aus einer Lautsprecherbox attackiert wird, ist geradezu absurd lahmarschig und statisch inszeniert, wirft die Frage auf, warum der dicke Papa nicht einfach weggeht (er müsste noch nicht einmal rennen, um das fußkranke Monster abzuhängen), anstatt schreiend darauf zu warten, gefressen zu werden. Und der oben von mir als „charismatisch“ apostrophierte Damian wäre vielleicht als schmieriger Kellner glaubwürdig besetzt, aber bestimmt nicht als Sänger einer Metalband. Er muss eine groteske Langhaarperücke tragen und sieht in seinem Ledergeschirr aus, wie ein Anorektiker, der sich in einem Hosenträger verheddert hat. Super ist auch die Szene, in der sich des Lehrers Lieblingsschülerin in einen glatzköpfigen Dämon mit Giraffenhals verwandelt, der aber wie weiland die Tiffy aus der Sesamstraße nie hinter einem Pult hervorkommt, das seinen Unterleib bzw. wohl eher die Puppenspieler verdeckt. Eigentlich ist jede Szene erwähnenswert, die unglaublich infantil gereimten Lyrics der „Black Roses“ immens zitierwürdig (herrlich etwa der patriotische Schnulzensong, mit dem Damian im weißen Pludermantel die ängstlichen Eltern besänftigt) und wie beim Vorgänger gelingt es Fasano auch hier, die Sympathien des Zuschauers auf seine Seite zu ziehen. Im Gegensatz zu anderen Trashschoten ist dieser hier auf absolute liebenswürdige Art und Weise schlecht und man muss den Mut der Macher, ihr Ding trotz des zu geringen Budgets durchgezogen zu haben, irgendwie bewundern. Ebesnso wie die Tatsache, dass es ihnen gelungen ist Carmine Appice, seines Zeichens Drummer solcher Rockacts wie Vanilla Fudge, Cactus, Ozzy Osbourne, Jimmy Page und etlichen anderen, zum Mitmachen zu bewegen.

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