making the grade (dorian walker, usa 1984)

Veröffentlicht: Januar 5, 2011 in Film
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Palmer Woodrow (Dana Olsen), nichtsnutziger Sohn neureicher Eltern, hat deren Geduld endgültig überstrapaziert: Damit er nach etlichen fehlgeschlagenen Versuchen endlich einen Abschluss vorweisen kann, hat ihn der Vater auf der Hoover Academy eingeschrieben, die zwar keinen besonders guten Ruf genießt, Palmer aber immerhin angenommen hat. Der will den Sommer jedoch viel lieber in Europa verbummeln und so kommt es ihm sehr gelegen, als das Schicksal ihn mit Eddie Keaton (Debütant Judd Nelson) zusammenführt, einem kleinkriminellen Taugenichts, der so viele Schulden bei seinem Buchmacher Dice (Andrew Dice Clay) angehäuft hat, dass dieser ihm an den Kragen will. Für ein stattliches Sümmchen erklärt sich Eddie bereit, statt Palmer die Hoover-Academy zu besuchen und dort für ihn den Abschluss zu machen. Doch natürlich geht das nicht ohne diverse Probleme vonstatten …

Mit MAKING THE GRADE versuchte sich die Cannon auch im damals immens populären Teenie- respektive Collegefilm und orientierte sich dazu am CITIZEN KANE des Genres, John Landis‘ NATIONAL LAMPOON’S ANIMAL HOUSE. Das Ergebnis ist – wie so viele Cannon-Filme außerhalb des fleißig und erfolgreich beackterten Actiongenres – nur mittelmäßig befriedigend, weil Regisseur Walker über das Malen nach Zahlen nicht so rechthinauskommt und sein Film demzufolge die Lebendigkeit und Seele vermissen lässt, die das Vorbild auszeichnet. Auch wenn die einzelnen Zutaten stimmen – es gibt mit Eddie und Palmer zwei nonkonforme Identifkationsfiguren, einen hilflosen Rektor, einen schleimig-intriganten Streber, einen trotteligen Fettklops, ein attraktives Love Interest und einen versoffenen, sprücheklopfenden Sportlehrer sowie etliche der schon obligatorischen Szenen, etwa die Ballnacht, die Wohnheimsparty, die Sportstunde oder die festliche Gala im Haus des Akademiebesitzers –, so fehlen der Sinn fürs Detail, das die Geschichte und ihre Figuren erst so richtig interessant und glaubwürdig machen würde, der Wortwitz und das Gespür für die wirklich zündenden Pointen sowie ein insgesamt besser strukturiertes Drehbuch, dem es besser gelängen, die vielen Plotideen zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen: Vieles wird nur kurz angerissen und dann schon wieder abgehakt, mit anderem hält sich Walker hingegen auf Kosten interessanterer Subplots länger auf, als es nötig wäre. Meine Leena sagte während der Sichtung, der Film sei merkbar bemüht und das wirkt sich kontraproduktiv aus, denn je mehr MAKING THE GRADE auf die Tube drückt, umso mehr treten seine Defizite hervor.

Nach der vielen Kritik – ich hatte aufgrund einer Empfehlung recht hohe Erwartungen, die vielleicht auch Schuld daran sind, dass der Film nicht so recht zünden wollte – möchte ich aber versöhnlich enden, denn ich habe mich mit MAKING THE GRADE durchaus amüsiert: Der Auftakt mit dem chaotischen Palmer trifft voll ins Schwarze, Andrew Dice Clay (der zufälligerweise auch im zuletzt gesehenen PRETTY IN PINK eine kleine Rolle hat) ist ebenso perfekt besetzt wie Walter Olkewicz als versoffener, notgeiler Sportlehrer (man kennt ihn am ehesten aus TWIN PEAKS), dem der Film die witzigsten Szenen zu verdanken hat, und natürlich atmet MAKING THE GRADE jede Menge Achtzigerjahre-Zeitgeist. Die richtig guten Momente lassen dann auch das Potenzial erkennen, das ein etwas ambitionierter Regisseur ohne Zweifel abgerufen hätte. Und mit einem solchen wäre es dann vielleicht auch zum Sequel TOURISTAS gekommen, das in den Abschlusscredits angekündigt wird, aus dem aber nie etwas wurde.

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