american ninja (sam firstenberg, usa 1985)

Veröffentlicht: Januar 23, 2011 in Film
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Joe Armstrong (Michael Dudikoff) ist ein Einzelgänger mit Stahl im Blick und rätselhafter Vergangenheit, das ist schon klar, als man ihn zum ersten Mal teilnahmslos an einem Army-Transporter lehnen sieht, während seine Kollegen sich benehmen wie auf dem Schulhof. Dieses Auftreten macht ihn sogleich verdächtig und bringt ihm den Neid der anderen ein. Als er eine Ninjaattacke auf einen Militärkonvoi allein zerschlägt, anstatt sich ruhig zu verhalten, und so den Tod einiger Soldaten mitzuverantworten hat, wird er nicht als Held gefeiert, sondern als Kollegenschwein tituliert. Was in der Realität eine durchaus angemessene Reaktion wäre, ist in Firstenbergs AMERICAN NINJA – dem erfolgreichsten Film des Ninjabooms und Auftakt zu einer insgesamt fünfteiligen Reihe – Ausdruck von Missgunst und Mittelmaß: Joe ist nämlich ein amerikanischer Ninja und er weiß genau, dass man mit Stillhalten gegen Ninjas nicht weit kommt. Für ihn wendet sich jedoch alles zum Guten, als er den Anführer der Front gegen ihn, den toughen Jackson (Steve James) im Zweikampf besiegt. Hatte der ihn kurz zuvor noch als Schlappschwanz, Verräter, Feigling und mithin Oberarsch ausgemacht, den es zu bestrafen gilt, ist er nach seiner Niederlage plötzlich ganz anderer Meinung: Wer ihm die Fresse poliert, der muss ja ein dufter Typ sein – andernfalls hätte man sich ja auch einen gefährlichen Feind gemacht. Was man als Indiz für den unfreiwilligen Humor eines Trashfilms abtun könnte, ist tatsächlich ziemlich gut beobachtet. Ja, so geht es ab in Männerbünden.

Die Ninjas sind die Privatarmee des verbrecherischen Millionärs Ortega, der mit Armstrongs Vorgesetzten einen Waffenhandel vereinbart hat. Angeführt vom „Black Star Ninja“ (Tadashi Yamashita), dem ranghöchsten Ninja Japans, sollen die Profikiller erst einen Überfall vortäuschen (eben jenen, den Joe zu Beginn verhindert hat), dann schließlich für die Erledigung des Störenfrieds sorgen. Das misslingt, weil Joe selbst ein Ninja ist, was in sich schon ein Sakrileg darstellt: Der Black Star Ninja weiß nämlich, dass nur Japaner die Kunst des Ninjitsu erlernen dürfen. So kommt es am Schluss zum unausweichlichen Kampf der guten Army-Soldaten gegen ihre schurkischen Vorgesetzten, Ortega und dessen Ninjaarmee sowie von Joe gegen den Black Star Ninja. Am Ende steht Joe auf dem Dach von Ortegas Riesenvilla, sein stahlblauer Blick in die ferne Zukunft gerichtet, wo weitere Aufgaben auf ihn warten.

Ich habe AMERICAN NINJA schon als Jugendlicher unzählige Male als Videoaufzeichnung von RTLplus gesehen, war begeistert von den Ninjas und ihren coolen Waffen und Dudikoff, der ein bisschen wie eine glattpolierte Actionfigur von James Dean wirkt. Vor ein paar Jahren, als ich den Film nach längerer Abstinenz mal wieder eingeworfen hatte, war viel vom Zauber verflogen, sah das alles doch recht preisgünstig und trashig aus. Diesen Eindruck muss ich jetzt erneut revidieren: Ich habe AMERICAN NINJA nämlich fast so genossen wie damals mit schätzungsweise 13 Jahren und kann ihm zubilligen, einer der schönsten Actionfilme der Achtzigerjahre zu sein. Zwar ohne große Durchschlagskraft oder Nachhaltigkeit, dafür aber mit viel Tempo gelingt es Sam Firstenberg – der auch schon die letzten beiden Teile von Cannons vorangegangener Ninja-Trilogie inszeniert hatte – hier, den Ninja als Figur für den amerikanischen Actionfilm nutzbar zu machen. Die in AMERICAN NINJA verwendete Blaupause wird in jedem der vier kommenden Sequels zum Einsatz kommen: ein amerikanischer Held mit Ninjatalenten auf der einen, eine im Dienste eines Schurken stehende Ninjaarmee mit einem hervorgehobenen Anführer auf der anderen. So umging Firstenberg das bis dahin bestehende Protagonistenproblem, machte dafür aber ein neues Fass auf: Dadurch, dass durch die Figurenkonstellation unzählige Ninjas ins Gras beißen musste, unterminierte er deren Ruf als Meister des Tötens. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde.

Kommentare
  1. Ah, da hast du eine sehr ähnliche Vergangenheit wie ich. Mit dem zweiten Teil zusammen immer noch einer meiner liebsten Ninjafilme, wenn nicht sogar ganz vorn, weil mein Bild des Ninja hierüber überhaupt geprägt wurde. Für mich laufen die Fäden des amerikanischen Ninjafilms ganz klar bei Firstenberg zusammen, da mir auch seine beiden Filme aus der ursprünglichen Ninjatrilogie deutlich besser gefallen als Golans Erstling mit Franco Nero. Nero ist zwar ein von mir durchaus favorisierter Schauspieler, jedoch kommt erst bei den beiden Fortsetzungen dort das echte 80er Cannon-Feeling bei mir auf. Es wird wohl mal wieder Zeit bei mir für ein Ninja-Retro-Feature. 😀

    • Oliver sagt:

      Das geht mir in der Tat fast ganz genauso, wenngleich ich NINJA III: THE DOMINATION ziemlich grützig finde. Wenn du eine Ninjaretro planst, solltest du dir unbedingt noch den schwedischen THE NINJA MISSION zulegen: Der fällt zwar inhaltlich ein bisschen aus dem Rahmen, macht aber ebenfalls Laune. Und ich möchte dich in eigener Sache auf meinen Text zum Ninjafilm der Achtzigerjahre hinweisen, der hoffentlich in der nächsten Splatting Image am Start sein wird. Ich gebe aber noch einmal Laut, wenn es definitiv ist.

  2. Kann man ernsthafte und nicht ernsthafte Guilty Pleasures unterscheiden? Ninja III:The Domination ist selbstverständlich die „nicht ernsthafte“ Variante, aber eben so charmant beknackt, daß ich den einfach lieb habe. Die Schweden Ninjas liegen hier übrigens bereits – auch ein Grund, warum ich mal wieder zu dem Thema schweifen könnte. Aber trotzdem vielen Dank für die Info. 😉

  3. Oliver sagt:

    Ja, insofern, als ich die beiden ersten Teile gar nicht zu „Guilty Pleasures“ kleinreden möchte – wie mit dem von mir so geliebten Actionfilm generell: Ich finde die beide einfach gut und kann über ihre kleinen produktionsbedingten Verfehlungen hinwegsehen, anstatt mich genau an jenen hochzuziehen (das stört mir bei allzu vielen Texten über den Actionfilm: Dass die Autoren diesen von vornherein auf ihren angeblichen Trashappeal reduzieren und gar nicht mehr den Versuch unternehmen, ihn ernstzunehmen – das war ja auch einer der Gründe für das „Sauft Benzin, ihr Himmelhunde!“-Projekt). Einen gewissen Charme würde ich NINJA III durchaus nicht absprechen wollen, aber der tritt mir deutlich zu wenig Arsch. Innerhalb des Ninja-Subgenres kommt ihm aber natürlich dennoch eine gewisse Bedeutung zu.

  4. Ja, eben diese ganz bestimmt Bürstung zwischen Action und Horror macht Ninja III eben wieder irgendwie besonders.

    Ich kann dir bei deiner Ansicht zur Ernsthaftigkeit grundsätzlich beipflichten, denn wenn ein Film Ansätze erkennen läßt, dann darf man gern darauf eingehen. So z.B. die filmtheoretische Ebene, auf der Godfrey Ho mit seinen Filmen gern die Beliebigkeit eines Aufhängers im Actionfilm unterstreicht, indem er inhaltlich leere Phrasen über unterschiedliche Produktionen hinweg montiert, sich gleichwohl z.B. in Ninja Masters of Death auf die emotionale Wirksamkeit der kindlichen Figur stützt und mit derartigen Techniken den Film auf eine stereotype Schemenhaftigkeit reduziert. Spannend fand ich z.B. aber die experimentelle Kameraarbeit in Bloodfist (Winkless), die zusammen mit der unwirklichen, comichaften Geschichte nahezu surreale Züge entwickelt. Ich muß mich aber vorsehen, da ich u.A. für meine Kritik an Black Belt (Moore/Jacobson), insbesondere den doch arg schlechten Schuß/Gegenschuß-Montagen, von der B-Action-Gemeinde schwer gescholten wurde, so daß ich fortan das Schandmal des „Nicht-B-Action-Fan“ zu tragen haben. Aber es kann halt nicht jeder das Augenzwinkern dahinter lesen, wenn man sich tatsächlich mal vollkommen staubtrocken und seriös einem solchen Film widmet, der sonst auf dieser Ebene vollkommen ignoriert würde. 😀

    Das Himmelhunde-Projekt ist aber nun voll gestorben?

    • Oliver sagt:

      Die von dir genannte Filme kenne ich leider nicht, insofern muss ich das jetzt unkommentiert stehenlassen. Godfrey Ho finde ich aber ebenfalls sehr spannend. Seine Technik, bestehendes Material mit neuem aufzufüllen, erinnert ja nicht wenig an die Bemühungen der Popliteratur und das, was etwa Burroughs mit seinen Cut-up-Texten versucht hat. Außerdem zeigen seine Filme ziemlich eindrucksvoll, wie Realität im Film konstruiert werden kann, denn im Grunde genommen funktionieren seine Copy&Paste-Filme ja. Dass in ihnen zusammengebracht wurde, was ursprünglich nicht zusammen gehört, merkt man ja nicht etwa, weil sie inhaltlich keinen Sinn ergäben, sondern eher daran, dass sie bestimmte erzählerische Konventionen verletzen und formal disparat sind. Und meines Erachtens sind gerade seine Ninjafilme absolut prägend für das Genre: Ich finde es im Hinblick auf die Charakterisierung der Ninjafigur nur konsequent, sie eben nicht in eine stringente Geschichte einzubinden, sondern sie filmisch zu isolieren. Der Ninja wird so fast zu einem Strukturelement, mehr als zu einem des Inhalts.

      Und ja, das Himmelhunde-Projekt ist gestorben. Ich hoffe aber immer noch darauf, dass ich die dort begonnene Arbeit auf anderem Wege fortsetzen kann. Mal sehen. 🙂

  5. […] gewohnt amüsant und angemessen trashig gegeben wird. Über den Auftritt von Steve James (u. a. die AMERICAN NINJA-Reihe) habe ich mich auch gefreut, aber eigentlich muss man eher traurig sein, wer hier […]

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