get him to the greek (nicholas stoller, usa 2010)

Veröffentlicht: Januar 23, 2011 in Film
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Aldous Snow (Russell Brand), ein selbstzerstörerischer Rockstar wie er im Buche steht, ist nach seinem selbstgefälligen, prätentiösen Album „African Child“ am Tiefpunkt einer Karriere angelangt, an dem ihn auch noch seine Partnerin und Mutter seines Sohnes Jackie Q (Rose Byrne) verlässt. Aaron Green (Jonah Hill) ist Snows immer noch größter Fan und außerdem Mitarbeiter von dessen Label Pinnacle Records. Als deren CEO Sergio (Sean „P. Diddy“ Combs) nach einem großen Coup sucht, der nach diversen Flops wieder Geld in die Kassen spült, schlägt Aaron spontan ein Jubiläumskonzert von Aldous Snow im Greek vor. Dort hatte der Star vor genau zehn Jahren seinen großen Durchbruch gefeiert. Sergio willigt ein und beauftragt den gutmütigen Aaron persönlich, den eigenwilligen Star innerhalb von drei Tagen von London nach L.A. zu bringen. Das erweist sich nicht zuletzt aufgrund der Drogensucht Snows als schwieriger als erwartet …

GET HIM TO THE GREEK bestätigt mich in meiner Ansicht, Judd Apatow sollte die Finger vom Regieführen lassen und sich auf die Rolle des Produzenten beschränken. Nicholas Stoller, der zuvor den sehr netten, von mir möglicherweise unterschätzten FORGETTING SARAH MARSHALL gedreht hat (in dem der Aldous-Snow-Charakter bereits eine wichtige Rolle spielte), legt eine rasante, urkomische, wilde, sich aber niemals in der von seinem Mentor bekannten Dauerschleife vulgärer Zoten und Pipikackadialoge ergehende Komödie vor, die selbst ihrer als Rockstarkarikatur angelegten Hauptfigur Glaubwürdigkeit und vor allem Würde zugesteht. Auch Jonah Hill, bei Apatow als ununterbrochen sabbelnder Herrenwitz komplett unterfordert und unte Wert verkauft, zeigt, dass er als liebenswerter Regular John unbezahlbar ist. Es wäre sichelich ein leichtes gewesen, GET HIM TO THE GREEK als Aneinanderreihung von einer unaufhaltsamen Eskalationslogik folgenden Episoden anzulegen, doch Stoller widersteht der Versuchung, zügelt das Tempo mit zunehmender Spielzeit, anstatt es zu forcieren und führt seine beiden Hauptfiguren einer Selbsterkenntnis zu, die den vorangegangenen Film nicht bloß als hohlen Witz dastehen lassen, sondern seinen dramatischen Kern herausarbeiten. GET HIM TO THE GREEK erzählt auch von einer Unterhaltungsindustrie, die ihre Stars solange füttert, bis sie sich in die Monster verwandeln, die die Masse haben will – ohne Rücksicht auf Kollateralschäden oder Interesse für den Menschen hinter der Marke. Man mag das für spießig, schmalzig oder sogar verlogen halten: Schließlich gehört Stollers Film als Hollywoodprodukt selbst der Sphäre an, die er kritisiert. Aber erstens macht ihn das – frei nach Adorno und Horkheimer – nur relevanter, und zweitens ist es mir lieber, wenn Charaktere eine tatsächliche Entwicklung durchmachen und nicht nur die Gründe finden, aus denen es sich lohnt, so blöd zu bleiben, wie sie sind (= wie sie in den Apatow-Filmen gezeichnet werden).

GET HIM TO THE GREEK ist ein unerwartetes Komödienhighlight mit ebenso unerwartetem Tiefgang und einem unerwartet großartigen P. Diddy sowie etlichen Gastauftritten bekannter Fernseh- und Musikstars, von denen Metallica-Drummer Lars Ulrich den besten Spruch des Films provoziert: „Go and sue Napster, you danish twat!“

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