Archiv für Februar, 2011

Seit Sheriff Hall (Bud Spencer) den kleinen Außerirdischen H7-25 (Cary Guffey) bei sich aufgenommen hat, befindet er sich auf der Flucht vor dem Militär, das den Kleinen für Experimente haben will. Auf ihrer Reise durch die USA gelangen die beiden ungleichen Flüchtlinge schließlich in das Städtchen Monroe, das dringend einen neuen Sheriff braucht, um dem grassierenden Verbrechen Einhalt zu gebieten. Hall ist genau der Richtige für den Job, doch die Probleme werden größer, als feindliche Außerirdische landen …

Das Sequel zu DER GROSSE MIT SEINEM AUSSERIRDISCHEN KLEINEN stellt zwar inhaltlich eine logische Fortführung der begonnenen Geschichte dar, kann qualitativ aber nicht an den Vorgänger anschließen. Die Geschichte schleppt sich müde und nur wenig zielstrebig voran und der Niedlichkeitsbonus, den man Lupos erstem Teil noch zugestehen musste, ist verbraucht, ohne dass der Verlust adäquat ausgeglichen würde. Ein paar Details sind dennoch nett und seien hier erwähnt, um meinen Text auf eine einem Spencer-Fan angemessene Länge zu bringen (ich könnte wohl selbst zu SUPERFANTAGENIO seitenweise schwafeln).

Besonders beeindruckt hat mich ein weiteres Beispiel für die infantile Logik, der so viele Filme um Bud Spencer und/oder Terence Hill folgen. Als der kleine H7-25 mit seiner Basketball-Schulmannschaft gegen die Konkurrenz antritt, wird aus dem Nachbarschaftsduell via Tonspur – der Radiomoderator des Monroer Radiosenders kommentiert das Spiel aus dem Off – just in dem Moment das entscheidende Spiel um die Meisterschaft, als der Außeriridsche – obwohl eben erst in der Stadt angekommen bereits Kapitän seines Teams – den Siegpunkt erzielt. Ungereimtheiten wie diese lassen für mich den geradezu selbstvergessenen Enthusiasmus erkennen, mit dem diese Filme gemacht wurden: Was gefällt, wird ins Drehbuch aufgenommen, egal, ob es dem bis zu diesem Zeitpunkt bereits Geschriebenen widerspricht. Man sieht die Autoren beim Brainstormen förmlich vor sich: „Ja, und dann gibt es da ein Basketballspiel …“ „Ja, genau und H7-25 verhindert mit seinen Kräften einen Korb der Gegner!“ „Sehr gut, sehr gut, das gefällt mir. Und dann nimmt er den Ball …“ „Er sollte außerdem Kapitän der Mannschaft sein!“ „Jajaja, exakt, aber warte … Er nimmt also den Ball und dribbelt … Es sind nur noch ein paar Sekunden zu spielen … Und er macht den Siegpunkt!“ „Volltreffer! Aber weißt du was: Damit wird die Mannschaft Meister!“ „Du bist ein Genie! Wo nimmst du nur diese Ideen her? Hast du alles aufgeschrieben?“ „Na klar!“ „OK, weiter im Text!“ Genau so spielen Kinder. 

Hübsch ist auch das Ende, natürlich eine Keilerei: Hall gerät scheinbar in den Bann der Außerirdischen, wird von diesen ferngesteuert und in ihr Raumschiff geführt, wo sich aber herausstellt, dass er sie nur getäuscht hat. Seine Hiebe auf die armen außeriridischen Leiber – die interessanterweise mit Elektronik vollgestopft und also eigentlich genau genommen Cyborgs oder Roboter sind – lösen bei diesen pittoreske Fehlfunktionen und Störungen aus, sodass die Szenerie am Schluss von tanzenden, stotternden und sogar auf den Händen laufenden Schurken bestimmt wird. Die letzte Einstellung, die zeigt, wie Hall und H7-25 in einem kleinen Raumschiff durchs unbewegliche Weltall schweben, ist einfach nur herrlich in ihrer Fadenscheinigkeit und macht es mir schwer zu sagen, dass man diesen Film eigentlich nur als Komplettist sehen muss. Aber auch aus der Perspektive des Liebenden: eher schwach.

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Team Bravo, eine US-amerikanische Bombenentschäfungseinheit in Bagdad, wartet auf das kurz bevorstehende Ende des Einsatzes, als der Einsatzleiter Staff Sergeant Matt Thompson (Guy Pearce) bei einer Explosion ums Leben kommt. Er wird ersetzt von Sergeant William James (Jeremy Renner), der seine Kameraden, Sergeant Sanborn (Anthony Mackie) und Eldridge (Brian Geraghty) mit seinen draufgängerischen Aktionen mehr als einmal in Gefahr bringt …

„Krieg ist eine Droge.“ behauptet THE HURT LOCKER zu Beginn per Schrifteinblendung und setzt in den folgenden 125 Minuten alles daran, den gezogenen Vergleich plausibel zu machen. Sein Protagonist Sergeant William James ist der Abhängige, der die Grenzerfahrung des Bombenentschärfens braucht, weil sie von vollkommener Klarheit ist: Leben oder Tod, mehr gibt es nicht. Am Ende, wenn man ihn nach seiner Heimkehr in einem Supermarkt beim Einkaufen mit seiner Familie sieht, er vor der riesigen Auswahl verschiedener Sorten Frühstücksflocken kapituliert, ahnt man, was er an seinem Job so schätzt – und man weiß, dass er seiner Aufgabe solange nachgehen wird, bis er einmal die falsche Entscheidung trifft, ihn die Bombe, die er entschärfen soll, zerreißt. Es ist ein Sterben auf Raten, das er vollzieht: In einer Schachtel (dem titelgebenden „hurt locker“) sammelt er Teile von Sprengsätzen, die er entschärft hat und die ihn daran erinnern, dass er hätte sterben können. Der Adrenalinschub, den er bei der Ausübung seiner Tätigkeit erfährt – und den Kathryn Bigelow in ihrer messerscharfen Inszenierung für den Zuschauer erfahrbar macht -, hält nicht lang vor, rettet ihn nur bis zum nächsten Einsatz, der eine weitere, noch tollkühnere Gratwanderung für ihn bedeutet. THE HURT LOCKER ist kein handelsüblicher Kriegsfilm und noch nicht einmal zwingend als Antikriegsfilm zu bezeichnen. Politik interessiert Bigelow in diesem Film gottseidank nur wenig. Es gibt keine der seit einigen Jahren so angesagten Selbstkasteiungen der USA, keinen plumpen Antiamerkanismus, keinen naiven Pazifismus, keine weinenden Witwen, keine langgezogenen Sterbeszenen, keine sinnlosen Heldentode, die mit den filmischen Mitteln der Emotionalisierung ausgewalzt würden. Gestorben wird in THE HURT LOCKER kurz und heftig, dann geht man wieder zur Tagesordnung über, weil man sonst selbst riskiert, draufzugehen. Krieg ist ein dreckiges Geschäft, das Menschen körperlich und seelisch zerstört, aber es ist ein seit Menschengedenken etabliertes Mittel der Kommunikation. Die Frage, die Bigelow viel mehr interessiert als letztlich müßige Erörterungen von Moral und Recht: Was treibt die Beteiligten an, sich an diesem Geschäft zu beteiligen? Und da findet sie Antworten, die wahrscheinlich viel erschütternder sind als alles Auswalzen von Leid oder das Breittreten von Grausamkeiten, die ja immer auch verkennen, dass es den „sauberen“ Krieg nun einmal nicht gibt. Krieg kann eine ziemlich überwältigende Erfahrung sein, eine, die alles in den Schatten stellt, und ironischerweise das normale Leben mit seinen banalen Handlungen und nichtigen Entscheidungen dagegen wie die Hölle erscheinen lässt. Diese Erkenntnis muss ich erst einmal verdauen.

Sheriff Hall (Bud Spencer) plagt sich in seiner kleinen Gemeinde Newnan in Georgia mit einer regelrechten UFO-Hysterie herum, bei der sogar die Army unter der Leitung des verbissenen Captain Briggs (Raimund Harmstorf) mitmischt. Als sich Hall ein kleiner Junge (Cary Guffey) als H7-25 von einem fremden Planeten vorstellt, hält der das in seiner geduldigen Art für einen Scherz. Die Beweise, die der Junge ihm liefert, sind jedoch eindeutig und rufen schließlich auch Briggs auf den Plan, der jedoch nichts Gutes im Schilde führt …

Wieder einmal so ein Stück filmgewordene Kindheit DER GROSSE MIT SEINEM AUSSERIRDISCHEN KLEINEN habe ich bestimmt seit rund 25 Jahren nicht mehr gesehen, damals aber heiß und innig geliebt. Ohne Zweifel von Spielbergs Erfolg mit ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND beeinflusst, was sich schon in der Besetzung Guffeys zeigt, hat Lupo aber auch einen nahezu perfekten Film für präpubertierende Jungs gedreht, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als Bud Spencer zum Kumpel und Beschützer zu haben. Spencers Filme zielten ja nicht selten auf diese Zielgruppe ab und wussten dem gutmütigen Brummbären immer wieder einen kleinen naseweisen Jungen zur Seite zu stellen, der ihn aus der Defensive lockte: Man denke an PIEDONE A HONGKONG, PIEDONE L’AFRICANO, PIEDONE D’EGITTO, BANANA JOE oder Spätfilme wie SUPERFANTAGENIO. In UNO SCERIFFO EXTRATERRESTRE gelingt die Verbindung vielleicht am besten, was letztlich bedeutet, dass man es mit einem lupenreinen Kinderfilm zu tun hat, der vom einen Spielberg-Film klaut, dafür aber den nächsten – E.T., THE EXTRA-TERRESTRIAL – andeutend vorwegnimmt. Mit erwachsenen Augen betrachtet, erschließt sich Lupos Film dann auch nicht mehr ganz so unmittelbar: Ich vermisste etwas den grellen Humor anderer Spencer/Hill-Filme und die Handlung ist dann doch recht vorhersehbar, der Spannungspegel auf nur mittlerem Erregungsniveau. Aber das heißt nicht, der Film habe mir nicht gefallen, im Gegenteil. Die geradezu rührend naiven Spezialeefekte, etwa das Vor- und Zurückspulen des Films, das mehrfach zum Einsatz kommt, öffnen einem schier das Herz und Lupo gelingen auch einige tatsächlich magische Momente: so etwa, wenn Hall H7-25 zum ersten Mal in einem nächtlichen Vergnügungspark begegnet, und letzterer mit seinem Photonenstrahl die leuchtenden Karusselle zum Laufen bringt, oder im letzten Drittel, wenn Hall erst in einer langen Zeitlupensequenz von Briggs mit einem Pfeil gelähmt wird und mit schwindenden Kräften versucht, die Schurken abzuwehren, sein Schützling dann aber schließlich doch entführt und in einem dunklen Schießstand verhört wird. Da geht einem das harmlose Filmchen plötzlich richtig nahe. Die Keilereien verkommen bei so viel Gefühl unverkennbar zur Nebensache, daran ändert auch Backpfeifengesicht Joe Bugner nichts, der hier einen reuigen Ganoven spielt, der dem Sheriff im Kampf gegen Briggs zur Seite steht. Ansonsten: Toller Song wieder mal von Maurizio und Guido De Angelis und viel, viel Nostalgie, für den, der’s braucht. Einfach schön.

Mein Review zum dieser Tage auf DVD erscheinenden Prequel der vor drei Jahren gestarteten IP MAN-Reihe, IP MAN ZERO, steht jetzt online.

Bei einer Rallye, deren Gewinner einen knallroten Strandbuggy mit gelbem Verdeck erhält, treten Ben (Bud Spencer) und Kid (Terence Hill) gegeneinander an – und gewinnen beide. Beim anschließenden Versuch, den rechtmäßigen Besitzer in einem Esswettbewerb zu ermitteln, kommen den beiden die Schläger des unterambitionierten Mafiabosses (John Sharp) in die Quere und der geliebte Buggy geht im sich anschließenden Chaos in Flammen auf. Die beiden Helden fordern bei dem Verbrecher einen neuen Buggy ein, doch unter dem Einfluss seines manischen Therapeuten (Donald Pleasence) nimmt der lieber den Kampf mit ihnen auf, anstatt ihren Wunsch zu erfüllen …

In meiner im Beitrag zu PORGI L’ALTRA GUANCIA vorgeschlagenen Bud-Spencer-&-Terence-Hill-Zeitrechnung kommt … ALTRIMENTI CI ARRABIAMO! die Startnummer 4 zu. Und nach dem entgegen seines luftigen Themas doch noch dem Boden der Realität verhafteten PIÚ FORTE, RAGAZZI! stellt Fondatos Film einen beherzten Ausbruch in absurde Gefilde dar, der auch von den späteren Filmen des Duos, die allesamt in einem eigenen Universum angesiedelt sind, kaum in den Schatten gestellt wird. Die Story ist haarsträubend infantil, der Buggy, in dem man sich laut Titelsong „like a king“ fühlt, die perfekte Konkretion dieser Infantilität. Die ganze Welt, in der … ALTRIMENTI CI ARRABIAMO! angesiedelt ist, scheint der Fantasie seiner Helden entsprungen: Schon das Hauptsetting – eine riesige Brachlandschaft inmitten einer nicht näher bezeichneten Stadt, auf der sich neben der ruinösen Werkstatt Bens ausgerechnet eine Kirmes befindet – sieht so aus, als habe man die Realität sprichwörtlich beiseite geräumt, um den Protagonisten eine Arena zu bauen, in der sie ihre Wunschträume ausagieren können. In diesen Wunschträumen ist ein roter Buggy mit gelbem Verdeck das Shangri-La, erpresst ein im Blümchenpyjama gekleideter Mafiosi Schutzgeld von Schaustellern, bevor er von seinem karottenfressenden Doktor den Floh ins Ohr gesetzt bekommt, ein Hochhaus zu bauen, landet ein bleichgesichtiger Killer mit einem Gewehr im Geigenkasten am Flughafen, nachdem die Motorradrocker-Bande mit den SS-Insignien an der Lederkluft in die Flucht geschlagen wurde, und findet die große Schlusskeilerei inmitten eines Meers aus bunten Luftballons statt. Der amerikanische Verleihtitel WATCH OUT, WE’RE MAD bringt es auf den Punkt: Spencer und Hill sind zwei entschieden asoziale Kräfte, die sich die Welt nach ihrem Gusto zimmern. Jedes Szenario, in dem sie auftreten, wird von ihnen torpediert und dekonstruiert oder schlicht zu Klump geschlagen. In seiner ungeschliffenen, teilweise fast alogisch holprigen Inszenierung – vor allem der Schnitt wirft einen teilweise fast vom Stuhl – ist … ALTRIMENTI CI ARRABIAMO! vielleicht sogar der Film, der die Energie des Duos am besten bündelt. Oder präziser: Es gibt Filme der beiden, die witziger, unterhaltsamer und aufwändiger sind, aber keinen, der ihnen komplett die Kontrolle überlässt. … ALTRIMENTI CI ARRABIAMO! – ein Hochgeschwindigkeitsbuggy ohne Bremsen und Sicherheitsgurt. Aber dafür mit gelbem Häubchen.

zwei missionareVater Pedro (Bud Spencer) und Vater G. (Terence Hill) arbeiten als Missionare in Südamerika und ernten mit der eigenwilligen Interpretation ihrer Aufgabe das Misstrauen ihrer Vorgesetzten: Die beiden lassen den Einheimischen ihren Glauben, legen sich mit den reichen Kolonialherren an, die die Bevölkerung ausbeuten und pflegen zudem eine sehr handfeste Form der Auseinandersetzung. Doch die beiden lassen sich nicht so einfach absetzen …

Zählt man LO CHIAMAVANO TRINITÁ als ersten echten Bud-Spencer-&-Terence-Hill-Film – vorher waren beide bereits gemeinsam in eher klassischen Italo-Western aufgetreten -, dann markiert PORGI L’ALTRA GUANCIA die Startnummer 5 des gemeinsamen Schaffens und ist somit an der imaginären Schwelle zwischen Frühphase und mittlerer Periode anzusiedeln. Und genau so inszeniert Franco Rossi, eine Eintagsfliege im  Bud-Spencer-&-Terence-Hill-Geschäft, den Film dann auch. Die Filmpersonae der beiden Helden sind ebenso weitestgehend etabliert – Spencer gibt den brummigen Haudrauf, der sich zwar als Anführer des Duos versteht, dessen Autorität aber von den Einzelgängen des schelmenhaften Hill ständig untergraben wird und der letztlich immer nur reagieren darf – wie das passende Handlungsmuster, das beide in den Status als Helfer der Unterprivilegierten setzt und sie gegen reiche wie skrupellose Geschäftemacher antreten lässt, und der aufmüpfige Tonfall des Films, der dann immer wieder in handfesten Keilereien kulminiert. Doch trotz dieser Charakteristika, die das gemeinsame Werk der beiden Superstars bis Mitte der Achtziger unverändert prägen sollten, erkennt man in PORGI L’ALTRA GUANCIA noch eine gewisse Flexibilität, Andeutungen, dass sich Rossi von der Zusammenarbeit mit Spencer und Hill mehr versprochen hatte, als nur Vollstreckungsgehilfe zu sein. Bei allem Humor, der in der deutschen Fassung aber vor allem ins Ressort der Synchro fällt, ist ein wenn auch nur um Nuancen ernsterer Grundton unverkennbar. Die beiden Helden stehen hier nicht im Dienste eines singulären Interesses, vielmehr werden sie in politische und geschichtliche Bezüge eingebunden. Gerade in Italien dürfte der Film, der sich offen kirchenkritisch gibt und die heilige Institution als feigen Geschäftspartner in einem Handel zeichnet, der auf Kosten der Bedürftigen getrieben wird, als reichlich ketzerisch empfunden worden sein. De Laurentiis‘ geldspendende Hand ist m. E. unverkennbar: PORGI L’ALTRA GUANCIA darf mit seiner schönen Ausstattung und den exotischen Originalschauplätzen durchaus als period piece oder gar als Kostümfilm bezeichnet werden und verglichen mit filmisch doch eher harmlosen Werken wie Barbonis I DUE SUPERPIEDI QUASI PLATTI, der auf diesen folgen sollte, sieht Rossis Film noch nach richtig großem Kino aus. Und so ist PORGI L’ALTRA GUANCIA zwar ein Bud-Spencer-&-Terence-Hill-Film, aber einer, der sich dessen noch nicht in dem Maße bewusst ist wie die Nachfolger nach ihm: Er ist auch ohne sie denkbar, lässt sich seine Struktur noch nicht ganz von ihnen diktieren. Deutlichstes Zeichen dafür ist der auffällig sparsame Einsatz dessen, was ihre Filme sonst so unverkennbar macht: die ausufernden, liebevoll choreografierten Schlägereien. Hier gibt es eine im ersten Drittel des Films und eine im überraschend kurzen Showdown. PORGI L’ALTRA GUANCIA ist so gesehen ein sehenswerter, weil ungewöhnlicher Film des europäischen Erfolgsduos, aber nichts, was wirklich umhaut.

Als der Waffenhersteller Globotech sein Geschäft auf die Produktion von Spielwaren erweitert, landen hochmoderne Chips zur Steuerung von Raketen in einer Reihe von Actionfiguren: der „Commando Elite“ und ihren freundlichen außerirdischen Gegnern, den Gorgonites. Dass die Figuren ein Eigenleben entwickeln, wäre nicht so schlimm, würden in ihren Konflikt nicht auch Menschen hineingezogen. Der Junge Alan (Gregory Smith), der die Figuren von einem Lieferanten entgegen genommen hat, muss so nicht nur die friedlichen Gorgonites verteidigen, sondern auch seine Eltern, das Nachbarehepaar sowie deren Tochter, die von ihm angebetete Christy (Kirsten Dunst) … 

Nach einer fünfjährigen Pause, in der Joe Dante ausschließlich fürs Fernsehen arbeitete, bedeutete SMALL SOLDIERS seine Rückkehr zu den fantasie- und humorvollen Genrefilmen, mit denen er in den Achtzigerjahren bekannt geworden war. An deren Erfolg konnte er zwar leider nicht mehr anknüpfen, dennoch wird sich der Dante-Freund in SMALL SOLDIERS sofort heimisch fühlen. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum das große Comeback mit diesem Film nicht gelingen wollte: Trotz der modernen Effekte mutet SMALL SOLDIERS fast anachronistisch an. Die Kleinstadt, in die die Spielzeugsoldaten einfallen, erinnert an Kingston Falls, das idyllische Neverland aus GREMLINS, die albernen Nachbarschaftsstreitereien zwischen Alans Eltern und den Fimples sind eine Fortsetzung der Konflikte aus THE ‚BURBS, die Laborszenen lassen an INNERSPACE denken und die Zitate und Verweise beziehen sich auf Dantes Werk (die obligatorischen Auftritte von Dick Miller und Robert Picardo) sowie auf Filme, die für die angepeilte jugendliche Filmseherschar fast als steinzeitlich bezeichnet werden müssen. Und der Mittelteil, in dem zeitgenössische Filme von einem Zwischenhoch zum nächsten hetzen, fällt hier aufreizend ruhig aus.

Mehr jedoch als diese Oberflächlichkeiten ist es wieder einmal der nostalgische Ton, mit dem Dante seinen Film inszeniert, und das klare Wertesystem, mit dem er ihn ausstattet, die in den ausgehenden Neunzigerjahren einen Bruch zwischen ihm und seinem vermeintlichen Publikum markieren mussten. Und von diesem Bruch handelt letztlich der ganze Film. Der Spielwarenladen von Alans Vater mit dem bezeichnenden Namen „The Inner Child“ (womit man auch Dantes Werk treffend beschrieben könnte) setzt nämlich gerade nicht auf die martialische Plastik-Actionpuppen und die seelenlosen Erzeugnisse von Franchisenehmern, von denen der Film handelt, sondern auf altmodisches Holzspielzeug und beraubt sich damit selbst seiner Kundschaft. Kein Kind will dort etwas kaufen, weil alles „uncool“ ist, und Christys kleiner Bruder empfindet es geradezu als Strafe, ausgerechnet in dieses Geschäft geführt zu werden, um sich ein Geburtstagsgeschenk auszusuchen. Dante wählt sehr folgerichtig nicht die schlagkräftige Soldateneinheit als seine Helden, sondern die Gorgonites, die von ihrem Erfinder eigentlich als freundliches Lernspielzeug erdacht worden waren – was der Globotech-Chef (Denis Leary) entsetzt als wirtschaftliche Fehlkonzeption erkennt und sie entsprechend umfunktioniert. Mit der Entscheidung für das Künstliche, Kurzfristige, Überwältigende und der Vorherrschaft des Paradigmas „finanzieller Gewinn“, das hinter dieser Entwicklung steht, droht die Welt aber auch ihre Schönheit zu verlieren. Nicht einmal die einst so heile Kleinstadt-Welt, in der Dante seinen Film ansiedelt, ist vor diesem Wandel noch gefeit: Fimple sägt den Baum des Nachbarn ab, um einen besseren Satellitenempfang zu haben, und klagt immer noch über das unscharfe Bild seiner pompösen Heimkino-Anlage. Und weil jede Gesellschaft das Spielzeug bekommt, das sie verdient, machen die Oneliner-bellenden Commando Elites (synchronisiert von den Darstellern aus Aldrichs THE DIRTY DOZEN – Ernest Borgnine, Jim Brown, George Kennedy – sowie Tommy Lee Jones und Bruce Dern) Jagd auf die sich nach ihrem Naturplaneten Gorgon sehnenden Aliens.

Diese Themen kennt man bereits aus GREMLINS 2: THE NEW BATCH, doch war der in sich angefressen, weil er selbst ein Auswuchs jenes Technikwahns war, den er auf der Handlungsebene kritisierte. In SMALL SOLDIERS ist das etwas anders: Dante sägt auf seine humorvoll-geistreiche Weise an dem Ast, auf dem es sich Hollywood bequem gemacht hat. Man kann fast spüren, wie schwer sich Dante damit tut, ihn von seinen Charakteren weg- und auf den effektgeladenen Showdown hinzuführen. Ich würde SMALL SOLDIERS so gesehen zwar als schwächsten Dante-Film bis zu diesem Zeitpunkt bezeichnen, aber das heißt letztlich nicht mehr, dass er nicht „sehr gut“, sondern nur „gut“ ist. Und aus diskursanalytischer Sicht ist er wie fast alles von Dante eh unbezahlbar.