black christmas (bob clark, kanada 1974)

Veröffentlicht: Februar 3, 2011 in Film
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Die Studentinnen des Pi-Kappa-Sig-Wohnheims in Bedford werden von einem obszönen Anrufer belästigt. Als eines der Mädchen spurlos verschwindet, die Leiche eines Kindes gefunden wird und die Häufigkeit der Anrufe zunimmt, schaltet Jess (Olivia Hussey) die Polizei ein. Der Verdacht fällt auf Jess‘ Freund Peter (Keir Dullea) …

Die Effektivität und Qualität manches Horrorfilms erkennt man erst, wenn das Licht ausgeschaltet ist und man sich dabei ertappt, wie man ängstlich ins Dunkel lauscht. So erging es mir gestern beim vielen als Protoslasher geltenden BLACK CHRISTMAS, der während der Laufzeit seine Wirkung bei mir nicht so recht entfalten wollte. In Erzähltempo und Atmosphäre in der Tradition alter Murder Mysteries stehend, lebt Clarks kleiner Klassiker vor allem von seinem langsamen, ja geradezu kriechenden Aufbau der Spannung, die sich erst ganz zum Schluss entladen darf. Und auch wenn einige Zutaten die Verbindung zum dem Slasherfilm durchaus nahelegen – ein gnadenloser Killer, attraktive weibliche Opfer, wechselnde Mordwaffen und ein Final Girl, das zum Duell gegen den Mörder antreten muss – so sucht man die gesalzenen Schocks und heftigen Goreschübe dieses Subgenres, das erst vier Jahre später mit HALLOWEEN zu voller Blüte reifen sollte, vergebens. Weil BLACK CHRISTMAS für mich, als einen im Horrorgenre doch recht erfahrenen Zuschauer, nicht mehr allzu viele inhaltliche Überraschungen bereithielt – was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass ich Fred Waltons WHEN A STRANGER CALLS, der Clarks spektakuläre Schlussenthüllung ziemlich dreist geklaut hat, vor diesem Film gesehen habe (und außerdem das vor ein paar Jahren entstandene Remake, das ich im Gegensatz zu vielen anderen sehr blöd fand) – sind mir die 95 Minuten doch ein bisschen lang geworden. Das möchte ich aber nicht unbedingt dem Film anlasten: Der ist toll fotografiert, hat einen fies dissonanten Pianoscore, der einem die Nackenhaare ordentlich gegen den Kamm bürstet, vermeidet die Blödheiten, die später zum guten Ton des Slasherfilms gehören würden, und zieht – wie schon erwähnt – zum Ende gnadenlos an. Vielleicht ist es sogar ein ausgesprochen cleverer Schachzug, dass Clark seinen Film in seinem eher einlullenden Tempo erzählt, weil man, wenn es dann ganz plötzlich ganz schön gemein wird, auf dem total falschen Fuß erwischt wird. Das Finale – eigentlich sind es sogar nur zwei Einstellungen: eine sehr unheimliche Kamerafahrt und ein langsames Aufziehen des Bildes – hat sich mir jedenfalls fest eingebrannt und entließ mich mit sehr ungutem Gefühl in meine dunkle Wohnung. Dass meine Frau, sonst eher zurückhaltend mit allzu überschwänglichem Lob, ihrer Begeisterung ausnahmsweise mal ungebremsten Lauf ließ, macht mir für eine zweite Sichtung Mut. Falls es also nicht ganz deutlich wurde, sei es nochmal in aller Deutlichkeit gesagt: Ein feiner Film!

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