fade to black (vernon zimmerman, usa 1980)

Veröffentlicht: Februar 10, 2011 in Film
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Eric Binford (Dennis Christopher), ein junger Mann und fanatischer Filmfan, lebt zwischen Postern und Filmrollen bei seiner querschnittsgelähmten Tante Stella (Eve Brent), die für den jungen Mann kein gutes Wort übrig hat, weil sie ihn für ihre Behinderung verantworlich macht. Und auch an der Arbeit bekommt Eric nur Verachtung zu spüren. Als er ein Date mit dem Marilyn-Monroe-Lookalike Marilyn O’Connor (Linda Kerridge) hat, aber versetzt wird, fliegt bei ihm eine Sicherung raus und er rächt sich an allen, die ihm übel zugesetzt haben. Für seine Morde schlüpft er in die Rollen geliebter Kinofiguren …

Endlich auch mal gesehen! FADE TO BLACK rechtfertigt all die lobenden Worte, die ich über die Jahre über ihn vernommen habe, vereint seine tragische Loser-Geschichte geschickt mit einem nie aufgesetzten Metahumor und fesselt darüber hinaus mit dieser herrlich tristen Atmosphäre, die Genrefilme aus jener Zeit so auszeichnet. Ganz entscheidend für den Erfolg ist natürlich die Leistung des Hauptdarstellers und die Wahl der richtigen Referenzobjekte und bei beiden beweist Vernon Zimmerman – der danach leider nur noch wenig inszenierte – ein glückliches Händchen. Dennis Christopher ist spitze als in seiner Traumwelt zwar gefangener, aber niemals zu seltsamer, in seinem Enthusiasmus eher sogar liebenswerter Verlierer Eric, und die Entscheidung, dem Golden Age of Hollywood zwischen 1930 und 1960 die Referenz zu erweisen, ist ebenfalls goldrichtig. Mit Vorliebe imitiert Eric den quäkigen Brooklyn-Akzent von James Cagney, andere Objekte der Begierde sind THE MALTESE FALCON und CASABLANCA, über die er in einen Disput mit seinem Arbeitskollegen (Mickey Rourke in einer frühen Rolle) verwickelt ist, THE CREATURE FROM THE BLACK LAGOON, KISS OF DEATH und natürlich Marilyn Monroe. In den Mordszenen schlüpft er u. a. in die Rolle des Lugosi-Draculas, der Mumie und Hopalong Cassidys, und in einer längeren Sequenz kann man zahlreiche Kino-Marquees bewundern. Das Hollywood-Lokalkolorit trägt viel zum Gelingen des Films bei, der nebenbei auch noch die Frage aufwirft, ob Gewalt im Film Gewalt in der Realität auslöst. Der Psychologe Dr. Moriarty (noch eine Anspielung!) (Tim Thomerson) scheint diese Ansicht zu vertreten, aber der Zuschauer ist natürlich klüger: Er weiß, dass es die fantasielose und totgenormte Umwelt ist, die Eric zum Mörder macht – und dass die filmischen Vorbilder seinen Gräueltaten wenigstens einen Hauch von Glamour verleihen.

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