im dschungel ist der teufel los (harald reinl, deutschland 1982)

Veröffentlicht: Februar 20, 2011 in Film
Schlagwörter:, , , , , , , ,

Der böse Comora (Charles Comyn) engagiert den Sauf-und-Raufbold Butch Donovan (Jim Mitchum), um ein Flugzeug voller deutscher Touristen ans tropische Reiseziel zu bringen. Eigentlich jedoch will er seine Versicherung betrügen und hat zu diesem Zweck die Ölleitung der Propellermaschine sabotiert. Butch kann die Maschine jedoch auf einer einsamen Insel landen, die von zahlreichen hilfsbereiten Tieren bevölkert wird. Als Comora einen Funkspruch der Überlebenden auffängt, schickt er seine Schergen, damit sie endgültig aufräumen …

Ebenfalls aus der Kategorie „Filme, die ich als Kind rauf und runter, jetzt aber schon ewig nicht mehr gesehen habe“: Die vom deutschen Allround-Regiehandwerker Harald Reinl inszenierte und mit zahlreichen deutschen Fernsehstars gespickte Komödie IM DSCHUNGEL IST DER TEUFEL LOS. Der Film ist deutlich als Event aufgezogen mit seinen zahlreichen Anleihen bei Besserem und Größerem, zeigt aber schon die Auflösungserscheinungen, die die deutsche Komödie alter Prägung, ein in den vorangegangenen Jahrzehnten noch sehr veritables Genre, in den Achtzigerjahren trotz solcher Erfolge wie DIE SUPERNASEN oder OTTO – DER FILM an ihren vorläufigen Endpunkt führte. In Reinls Film soll der reichlich abgehalfterte Sohn des Hollywood-Superstars Robert Mitchum wohl für etwas internationales Format sorgen, hat aber nur eine schmierige Plauze und einen Dreitagebart sowie das vom Papa geerbte Antlitz vorzuweisen. Ich vermute, seine Bezahlung bestand in den Schnapspullen, an denen er den ganzen Film über nuckelt. Er gibt den Helden alter Prägung, wie er aus dem Kino vollkommen verschwunden ist, ein ehrliches, verschwitztes, meist betrunkenes Raubein, das nicht viel im Kopf hat, dafür aber umso mehr in den Fäusten, darüber hinaus ein großes Herz und alles kann, was ein Mann so können muss: Flugzeuge fliegen, mit dem Schießgerwehr rumballern, Jeep fahren und Funkgeräte bedienen. Ihm zur Seite steht der kleine Baldwyn Dakile, der in den beiden letzten PLATTFUSS-Filmen den Bodo gegeben hatte, Udo Jürgens Tochter Jenny, die kurz zuvor Schlagerherzen mit dem zusammen mit dem Papa eingeheulten Duett „Liebe ohne Leiden“ hatte höher schlagen lassen, darf das Gspusi von Teeniestar Tommy Ohrner spielen und mal kurz im dekorativen Bikini durchs Fototapeten-Strandsetting laufen, Alexander Grill, bekannt aus zahllosen LEDERHOSEN-Filmen und Softerotik-Lustspielen der Siebzigerjahre, ist das unverzichtbare Comic Relief, das beständig in Wasserlöcher fällt oder nassgespritzt wird, Klaus Havenstein ist für den Running Gag des Films zuständig – er spielt einen Schweizer, der immer wieder behauptet: „Mit der SwissAir wäre das nicht passiert“ –, und Werner Pochath gibt den skrupellosen Bösewicht, auf den er halt abonniert war.

Die echten Stars des Films sind aber eine ganzes Rudel Löwen, der obligatorische lustige Schimpanse, ohne den der deutsche Film wohl schon zehn Jahre zuvor in den Bankrott gegangen wäre, ein in einem Wasserloch wohnender Seelöwe (!), Panther, Tiger, Elefanten, Nashörner und anderes Getier, das den Film wohl in die Nähe des zur selben Zeit mit viel Tamtam an den Kinokassen versumpften Hollywood-Gimmickfilm ROAR rücken soll. Ein super frisiertes und immer wie frisch aus dem Beauty-Salon gekommen aussehendes Eingeborenenmädel ist auch noch mit dabei und fertig ist die versalzene Suppe, die man heute nur noch mit Kopfschütteln bestaunen kann, dann aber unangerührt zurückgehen lassen sollte. IM DSCHUNGEL IST DER TEUFEL LOS ist wirklich nur im Vollrausch zu ertragen oder dann, wenn eh alles schon egal ist. Als Absacker nach einem bierschweren Tag war er dann auch ideal. Ein schönes Wiedersehen zwar, aber eines, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Einzelfall bleiben wird.

Kommentare
  1. Thies sagt:

    Ach ja, an den Film kann ich mich auch noch erinnern. Ich hatte den sogar damals im Kino gesehen und danach noch wenigstens zweimal im TV. Der lief meistens nachmittags – denn damals wurden am Nachmittag ab und zu mal Spielfilme gezeigt und nicht wie heute ausschliesslich Telenovelas und Koch-Shows – und ich muß ihn zumindest halbwegs witzig gefunden haben. Der Running Gag mit der Swissair fiel mir sofort als erstes ein, als ich den Titel las. Und dass immer wenn diese Insel-Schönheit zu sehen war, sofort so ein schmalziger Pop-Song gespielt wurde: „There is love in the jungle“…

    Zum Glück muß ich mir den Film jetzt nicht mehr auf DVD holen um die Erinnerung aufzufrischen, denn Dank Deines Textes weiß ich nun, dass dies eine wahrscheinlich sehr ernüchternde Erfahrung wäre. So als würde man das Mädchen, in das man als kleiner Bub so verschossen war, auf der Straße treffen und feststellen, dass sie inzwischen eine blöde Ziege geworden ist. Nee der Film bleibt lieber im Giftschrank mit der Aufschrift „Very guilty pleasures“ wo auch „Buck Rogers“ und „Die unglaublichen Abenteuer des Guru Jakob“ sehr gut aufgehoben sind.

    • Oliver sagt:

      Ich habe in den vergangenen Jahren häufiger mal an den Film denken müssen und bin zuletzt im deutschen Fernsehen darauf gestoßen, weil Jenny Jürgens als Gast im MDR-Riverboat auf ihr Spielfilmdebüt angesprochen wurde. Einen kurzen Ausschnitt von ihr und Tommy Ohrner gab es auch. Und natürlich dieses peinlich-amüsierte Kichern aller Beteiligten, die bei solchen Filmen ja immer so tun, als seien das absolute Grenzfälle und seinerseits nicht totale Mainstreamproduktionen gewesen. Schon komisch, wie sich die Öffentlichkeit da die Realität schönfärbt.

      • Thies sagt:

        Ich weiss ja nicht, wie erfolgreich der Film damals wirklich im Kino war, aber ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich damals als der originale „Tron“ im Kino anlief, der einzige in meiner Klasse war der den unbedingt sehen wollte. Alle anderen gingen an dem Wochenende in „Ein dicker Hund“ – eine ebenfalls mit Tommy Ohrner und diversen TV-Stars besetzte Komödie. Das Kino war mit Sicherheit an dem Nachmittag ausverkauft, während der heute als Kult verehrte „Tron“ ziemlich mager besucht war.

  2. Lala sagt:

    also ich find den Film toll..einer meiner Lieblingsfilme als Kind

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s