king kong (john guillermin, usa 1976)

Veröffentlicht: Februar 20, 2011 in Film
Schlagwörter:, , , , , , ,

king kongDie Änderungen zum Original: Der Schurke ist Fred Wilson (Charles Grodin), der auf der Hemaitinsel des Riesenaffen Erdöl vermutet, die Heldenrolle fällt Jack Prescott (Jeff Bridges) zu, der Böses ahnt und den Landgang als blinder Passagier verhindern will, Jessica Lange ist Dwan, eine schiffbrüchige Schauspielerin, in die sich der arme Affe verliebt, das Empire State Building wird gespielt vom World Trade Center und Kong ist keine Stop-Motion-Animation mehr, sondern ein schnöder Mann im Affenkostüm.

Für mich mit ähnlich viel Erinnerungen aufgeladen wie LO CHIAMAVANO BULLDOZER ist KING KONG im kollektiven Gedächtnis vor allem als megalomanischer Trash und einer von vielen De-Laurentiis-Flops verankert. Bislang – die letzte Sichtung ist lange her – konnte ich die Häme, die über ihm ausgeschüttet wird, nicht so ganz nachvollziehen: Für mich war KING KONG immer ein großer, aufwändiger Hollywood-Film, der zudem mit einem wirklich herzzerreißenden Affentod aufwarten konnte. Nun, diese Wahrnehmung würde ich heute weitestgehend kindlicher Verblendung zuschreiben, denn Guillermins Event-Remake ist tatsächlich wenig mehr als teurer Schund. Klar, das ist alles mit großer Geste inszeniert und John Barrys schwelgerischer Score tut seinen Teil, KING KONG zu dem Großereignis aufzublasen, das er sein soll, aber das verstärkt nur den Eindruck, es mit mit viel Geld auf Hochglanz poliertem Käse zu tun zu haben. Die Fettnäpfchen im Einzelnen: Debütantin Jessica Lange sieht zwar super aus, kann ihrer als oberflächlich-hohlbirnigem Starlet gezeichneten Dwan aber überhaupt keine menschlichen Fassetten abringen. Ein Riesenaffe scheint tatsächlich ihr idealer Partner, dennoch bleibt die Liebesbeziehung zwischen beiden reine Behauptung, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass das Drehbuch den zentralen Handlungsstrang – Jack muss Dwan aus Kongs Händen befreien – auf wenige Minuten runterkürzt. Die Entscheidung, Kong am Ende nicht aufs Empire State Building, sondern auf das WTC klettern zu lassen, ist ja nur folgerichtig, der Effekt verpufft aber wirkungslos, weil sich kein einziger Mensch in Manhattan aufzuhalten scheint. Panik? Fehlanzeige. Den finalen Sargnagel bedeuten aber die Special Effects, für die tatsächlich ein Oscar vergeben wurde, damit sämtlichen japanischen Godzilla-Kostüm-Herstellern ins Gesicht spuckend, und die die schöneren Einfälle des Film ein ums andere Mal sabotieren. Zwar ist das Affengesicht schön animiert worden, aber das ändert nix daran, dass ein Schauspieler, der im Jahre 1976 im Affenkostüm vor einem Bluescreen oder aber in Minaturkulissen rumlatscht, die Effektkunst nicht zu neuen Ufern treibt, sondern diese um ein bis zwei Jahrzehnte zurückwirft. Der interessanteste inhaltliche Aspekt scheint mir die Unentschlossenheit des Aktivisten Jack, der sich einerseits für den Erhalt der Umwelt und fremder Kulturen einsetzt, aber dennoch nicht unbeteiligt bleiben will, wenn Geschichte geschrieben und die entsprechenden Tantiemen vergeben werden. So wie das im fertigen Film abgehandelt wird, scheint es aber eher ein Unfall als Absicht zu sein.

Ich will  trotzdem nicht allzu viel meckern: KING KONG ist recht bunte Sonntagnachmittag-Unterhaltung, die mit entsprechend nostalgischem Background für 120 kurzweilige und mit unfreiwilligem Humor gespickte Minuten sorgt und als Musterbeispiel menschlicher Hybris eh unumgänglich ist. Er zeigt zudem sehr anschaulich, wogegen sich die Protagonisten des 1976 schon wieder auf dem absteigenden Ast befindlichen New-Hollywood-Kinos eigentlich positioniert hatten: gegen dummdreiste und unkreative, aber mit viel Finanzpower hochgetunte Popanze wie diesen hier. Ein Riesenaffe von einem Film, ideed.

Kommentare
  1. HomiSite sagt:

    Einige Kritikpunkte gelten ja auch für Peter Jacksons 2005er Remake…

  2. Whoknows sagt:

    Da ich mit dem 1933er „King Kong“ und Fay Wray gross wurde, konnte ich die Neuverfilmung nicht einmal als kurzweilig empfinden. Es gibt Filme, die einfach in eine bestimmte Zeit gehören, in ihr gross und campy wirken – und 1976 oder 2005 schlicht peinlich und öde.

    • Oliver sagt:

      Also campy ist der Siebziger-KING KONG definitiv und zumindest nach meiner Definition auch mehr als das Original. Und Jacksons Film – das erwähne ich gern nochmal – ist toll. Wenn Hollywoods Eventfilme immer so aussähen, hätte ich kein Problem damit. Vielleicht einfach nur zu alt dafür? 😉

  3. HomiSite sagt:

    Jacksons Kong annähernd perfekt? Kannste das ausführen? 2006 meinte ich:

    „[…] King Kong ist eine anspruchs- und teils zusammenhangslose Spezialeffektorgie, deren leblose Bilder das Herzblut des Regisseurs nicht transportieren können. Auch als „moderner Trashfilm“ funktioniert King Kong nicht – vielleicht sollte man sich lieber das entsprechende Videospiel kaufen, da funktioniert dann auch die Levelstruktur…“ [und vergab damals 3/5 Punkte; hm, zweimal „funktionieren“ benutzt]]

    • Oliver sagt:

      Kann ich nicht im Geringsten nachvollziehen, habe ich komplett gegenteilig empfunden:

      Zur Kinosichtung

      Zum Extended Cut

      EDIT: Bemerke beim Lesen, dass ich durchaus den einen oder anderen Kritikpunkt hatte …
      EDIT 2: … die ich bei der Zweitsichtung dann aber verworfen habe. 😀

      • HomiSite sagt:

        Mich konnten halt die Spezialeffekte nicht so wie dich in den Bann ziehen und vielleicht war ich damals als großer HdR-Fan noch zu sehr auf gigantomanisch-epische Fantasy-Meisterwerke geeicht. Für urzeitliche Schrecken in Dschungeln bin ich sonst absolut zu haben :).

  4. kiwi sagt:

    hallo oliver, ich schätze dich sehr und fresse deine kritiken mit hochgenuss. aber das king kong einer der vielen laurentiis flops sein soll, ist einfach falsch! der streifen war zwar für die damalige zeit unfassbar teuer (24 millionen dollar), hat aber weit über 90 mille weltweit wieder eingespielt. in der brd bekam der film die goldene leinwand (für drei millionen zuschauer). ich will mich hier nicht wichtig machen, aber mich ärgert es schon irgendwie fast, dass gerade du die fabel des superdesasters in deiner kritik weiter verbreitest. eine quelle meiner behauptung : http://www.imdb.com/title/tt0074751/business?ref_=tt_dt_bus
    ansonsten ne typisch tolle besprechung von dir über den film. ich liebe ihn und empfinde ihn nicht als trash (liegt evtl. auch daran, dass ich ihn mit zehn jahren im kino genossen habe!), aber das ist ja geschmackssache ……

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.