lo chiamavano bulldozer (michele lupo, italien/deutschland 1978)

Veröffentlicht: Februar 20, 2011 in Film
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Der Fischer Mücke (Bud Spencer) läuft mit seinem Schiff in einem kleinen Hafen ein, nachdem es von einem U-Boot beschädigt wurde. Vor Ort liefern sich die dort stationierten US-Soldaten, angeführt vom großmäuligen Sergeant Kempfer (Raimund Harmstorf), und eine Gruppe kleinkrimineller italienischer Jugendlicher erbitterte Schlägereien. In einem Football-Match sollen die Fronten endgültig geklärt werden. Und Mücke, selbst ein ehemaliger Football-Profi, mit dem Kempfer noch eine offene Rechnung hat, nimmt sich des hoffnungslosen italienischen Haufens an …

Wer die letzte Ausgabe der Splatting Image und den dortigen Artikel „10 Lieblingsfilme“ gelesen hat, weiß bereits, welche innige Bindung ich zu SIE NANNTEN IHN MÜCKE, wie er hierzulande so wunderschön hieß, habe. Er dürfte zu den von mir mit Abstand am häufigsten gesehenen Filmen zählen und die Wiedersehen, die ich alle paar Jahre zelebriere, arten immer zu nostalgischen Exzessen zwischen ungebremster Ferkelsfreude und bleischwerer Melancholie aus. Es ist zwar ein schnöder Allgemeinplatz, aber das ändert nix daran, dass Filme wie SIE NANNTEN IHN MÜCKE heute einfach nicht mehr gemacht werden und dass das einfach nur schade ist. Das populäre italienische Kino ist schon lange tot und die Kinos, die vor 30 Jahren noch gute Erträge mit Bud-Spencer&Terence-Hill-Filmen feierten, gibt es auch nicht mehr. Fort sind sie, die Zeiten, in denen die De-Angelis-Brüder als „Oliver Onions“ mit ihren schmissigen Popsongs die Hitparaden stürmten und Filme gleichzeitig vollgestopft waren mit Schlägereien und Kraftausdrücken und dabei trotzdem so naiv und unschuldig. Im direkten Vergleich mit dem zuletzt gesehenen PIEDONE D’EGITTO, der allein wegen der Synchro von Rainer Brandt sehenswert war, ist LO CHIAMAVANO BULLDOZER tatsächlich ein schöner Film, der nicht erst durch die Berliner Schnodderschnauze gerettet werden muss. Bud Spencer hat eine seiner schönsten Rollen als in sich gekehrter Aussteiger, der dann doch über seinen Schatten springt. Mit Schlaghose, Strickpulli und Kapitänsmütze sieht er toll aus und die etwas ernstere und weniger geschwätzige Anlage seiner Rolle kommt ihm sehr entgegen. Überhaupt Spencer: Er mag schauspielerisch limitiert gewesen sein, aber ich behaupte, dass kein anderer diese Rolle besser hätte spielen können (kein Kunststück allerdings, sie wurde ihm ja auch auf den voluminösen Leib geschrieben). Das gilt auch für Raimund Harmstorf, der den stets kurz vor der Explosion stehenden Sergeant mit ebenso viel Herzblut spielt und auch gleich die Synchro besorgt hat: Sein kurzatmiger bellender Tonfall, der wohl auch einen Heriatsantrag noch wie einen Befehl klingen ließe, ist alles. Brandt hält sich demgegenüber eher zurück, stellt sich weitgehend in den Dienst des Films, ohne allerdings ganz auf seine unnachahmlichen Kreationen zu verzichten: Über eine Pistole sagt Mücke etwa: „Mit so einer Sargbegonie schießt man nicht nur Löcher in den Käse.“ Und Kempfer bezeichnet seinen weißen Schlagstock als „bleichen Migränestift“. Wirklich zu Herzen geht aber die fast kindliche Logik des Films, der seine klischierten Plotelemente in Rekordzeit abspult, dabei aber nicht herzlos ökonomisch, sondern regelrecht märchenhaft wirkt. Das ist wohl auch der Schlüssel zum Verständnis dieser Filme: Es sind Märchenfilme. Sie zeigen eine nicht rosarote, aber doch sehr einfache Welt, in der ein Fausthieb nicht einen Rattenschwanz an Problemen nach sich zieht, sondern alles auflösende Klarheit bringt. Das tut auch heute noch gut. Und vielleicht ist es besser, den Zeiten von Bud Spencer und Konsorten via DVD-Sichtung hinterherzutrauern, als sich vorzustellen dass jemand heute anträte, die klaffende Lücke zu füllen. Bis zum nächsten Mal, Mücke!

Kommentare
  1. Thies sagt:

    Danke für diesen wunderschönen Text. Und dafür das ich nun die ganze Nacht die Titelmelodie nicht mehr aus dem Kopf kriegen werde. 😉

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