… continuavano a chiamarlo trinità (enzo barboni, italien 1971)

Veröffentlicht: März 6, 2011 in Film
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Auf Wunsch des im Sterben liegenden Vaters (Harry Carey, jr.) nimmt der Viehdieb Bambi (Bud Spencer) seinen jüngeren Bruder Joe (Terence Hill) unter seine Fittiche, um ihm etwas „Ordentliches“ beizubringen. Tatsächlich aber hat Joe die Zügel fest im Griff und anstatt also krumme Dinger zu drehen, kämpft das unschlagbare Duo als Regierungsagenten getarnt für die gute Sache: In einem nahegelegenen Kloster werden regelmäßig um Absolution bittende Mexikaner verprügelt. Und es stellt sich heraus, dass der fiese Großgrundbesitzer Parker (Emilio Delle Piane) dahinter steckt …

Ich hatte das Glück, diesen Film bei seiner Wiederaufführung 1982 im Kino zu sehen: ein Erlebnis, dass einem Sechsjährigen diesen Film ans Herz schweißen MUSS. Vor allem in der ersten Hälfte funktioniert VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA aus heutiger Sicht wie ein Spencer&Hill-Best-of, weil er zahlreiche Szenen aufbietet, die später nur noch variiert wurden. Der Film beginnt mit einer wunderbaren Szene, in der eine Gruppe Ganoven erst von Bambi und dann von Joe gedemütigt und dann um ihre Bohnen gebracht wird: Für mich einer der ganz großen Filmanfänge und eine späte Sternstunde des Italowesterns. Das Treffen mit den Eltern der Protagonisten bietet willkommenen Anlass für eine typische Fress-Szene, in der sich die beiden ungleichen Brüder misstrauisch beäugen und rülpsen, dass die Schwarte kracht. Ein Zusammenprall mit dem „Falschzockerprofi“ Wild Cat Hendrix zieht eine lustige Revolver-und-Backpfeifen-Nummer Hills nach sich, bevor beide sich in einem Feinschmeckerrestaurant daneben benehmen. Hier fällt dann auch auf, dass Barboni seinen Film deutlicher als den Vorgänger mit den typisch italienischen Klassenkonflikten anreicherte. Hill & Spencer sind Unterprivilegierte, die den reichen Pinkels und geschwollen quatschenden Großbürgern mal zeigen, wo’s langgeht. Dafür sind beide ideal geeignet und diese Konstellation unterstreicht noch einmal das zersetzerische, systemfeindliche, asoziale Potenzial, das beide zusammen entfalten.

Andererseits zeugt die rasche Folge spektakulärer Szenen in der ersten Stunde auch von einem strukturellen Problem, dass Barboni im Gegensatz zum brillanten LO CHIAMAVANO TRINITÀ hat: Ihm fehlt die klare Linie, ein konsequent herausgearbeiteter Plot, der den Film antriebe, er präsentiert sich als Ansammlung einzelner starker Momente, die aber das Gesamte etwas in den Hintergrund drängen. Im letzten Drittel verliert der Film deshalb auch seinen Zug, wenn es daran geht, die Handlung „abzuwickeln“. Der Wandel vom Italowestern mit parodistischen Untertönen hin zur Komödie im Westernmilieu zeichnet sich auch in Rainer Brandts Synchro ab, die einen One-Liner an den nächsten reiht. Im Vorgänger ergab sich der Witz in erster Linie aus dem Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller, hier werden selbst unspektakuläre Szenen noch zum Anlass für wilde Sprücheklopperei genommen. Legendär solche Einfälle wie jener, Spencer auf die Nennung des Erzengels Luzifer mit „Klingt wie’n besoffener Profi aus Schweden!“ antworten oder ihn sich an einer Theke mit „Macht Platz, hier kommt der Landvogt“ Platz verschaffenzu lassen. Das führt auch zum nächsten Punkt: Spencer, der hier nicht von Wolfgang Hess, sondern vom superbrummigen Arnold Marquis synchronisiert wird,  kommt nach meinem Empfinden trotteliger und insgesamt harmloser rüber als im Vorgänger. Das nimmt der Figur aber die innere Spannung, die der perfekt zwischen entgleitender Kontrolle und eben noch zurückgehaltener Explosion intonierende Hess so hervorragend herauszukitzeln wusste. Und demgegenüber bekommt Hill, im Vorgänger von Synchronsprecher Hartmut Reck immerhin mit einer verschlafenen Bedrohlichkeit und Unberechenbarkeit ausgestattet, in der Synchro von Thomas Danneberg ein untrüblich Vertrauen in die eigenen, schier übermenschlichen Fähigkeiten und ein gehöriges Maß an Unverschämtheit. Bildeten Hill & Spencer in LO CHIAMAVANO TRINITÀ eine trügerische Balance, kippt das Kräfteverhältnis hier eindeutig zugunsten Hills. Mir hat der Vorgänger diesmal also deutlich besser gefallen, aber was heißt das schon? VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA ist so oder so ein Klassiker und mindestens der drittbeste Film von Spencer und Hill. (Wahrscheinlich gefällt mir PIÙ FORTE, RAGAZZI! heute noch etwas besser.)

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Kommentare
  1. Frank Stegemann sagt:

    Die erste Synchronfassung von anno 72 ist noch mit Reck und Hess besetzt und stammt aus München, nicht aus Berlin. Brandt hat seine Version, die du da gesehen hast, irgendwann in den frühen Achtzigern im Zuge der Komplett-Neuaufbereitung des Prügel-Frühwerks erstellt.
    Die zuletzt aufgelegte, ohnehin verpflichtende, weil restaurierte und vollständige Fassung von 3L hat die originale deutsche Vertonung mit an Bord: http://www.amazon.de/Vier-F%C3%A4uste-Halleluja-Definition-Remastered/dp/B002GODTRE/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1299518805&sr=8-1 (Die Kundenrezensionen kannst du wie fast immer getrost überlesen, die sind teilweise blanker Blödsinn).

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