il soldato di ventura (pasquale festa campanile, italien/frankreich 1976)

Veröffentlicht: März 14, 2011 in Film
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hector_der_ritter_ohne_furcht_und_tadelMit seinen treuen Mitstreitern zieht der Söldner Hector (Bud Spencer) durch die mittelalterlichen Lande. Als er der Belagerung einer spanischen Festung durch die Franzosen beiwohnt, schlägt er sich sofort auf die Seite der Spanier, die für die Hilfe dankbar sind. Die Franzosen hingegen überziehen die Neuankömmlinge mit dem ätzenden Spott der Privilegierten, was Hector dazu veranlasst, die Franzosen zum Kampf herauszufordern. Diese willigen zu einer Schlacht 13 gegen 13 ein. Nun steht Hector vor dem Problem noch neun lebensmüde Italiener zusammentrommeln zu müssen …

Als HECTOR, RITTER OHNE FURCHT UND TADEL in meiner Kindheit über den Bildschirm flimmerte, konnte ich dem Treiben trotz meiner Begeisterung für Bud Spencer nicht viel abgewinnen: Ein Ritterfilm hatte für mich so auszusehen wie Richard Thorpes IVANHOE, farbenprächtig, pathetisch und voller schöner Burgfrolleins, edler Ritter, gütiger Könige und verstohlener Schurken, ein Spencer-Film gefälligst lustig und voller Sprüche zur fehlerfreien Wiedergabe auf dem Pausenhof zu sein. Nun kommt Campaniles Film zwar durchaus breit daher, was nicht zuletzt an der schier endlosen ausgeblichenen Erde Apuliens liegt, wo der Film gedreht wurde, aber doch keineswegs monumental. Schon die von den De-Angelis-Brüdern komponierte Ballade „O Ettore“, ein traditionell instrumentiertes Schunkelliedchen, das von einem amateurhaft, aber enthusiastisch singenden Männerchor zum Besten gegeben wird, gibt die Richtung vor. Die Verklärung, die vor allem das amerikanische  Historien- und Monumentalkino sonst so antreibt, ist Campaniles Sache nicht. Wer seinen AUTOSTOP ROSSO SANGUE kennt, einen der perfidesten, härtesten und anspruchsvollsten Thriller nicht nur des italienischen Kinos, der weiß, dass der Linksintellektuelle für schnöde Affirmation nicht zu haben sein würde. Auch in IL SOLDATO DI VENTURA geht es um nichts weniger als den Klassenkampf zwischen den Reichen, denen alles in die Hände zu fallen scheint, und den Armen, die auch im Augenblick ihres größten Erfolges noch die Gelackmeierten sind. Hectors Taten sind allein deshalb schon zweitrangig, weil er ein Unterprivilegierter ist: eine Tatsache, an der sich nicht rütteln lässt. Auch der Sieg, den der bunt zusammengwürfelte Haufen unverzagter, vom System gebeutelter Italiener am Ende erringt, wird die Welt nicht verändern, aber zumindest im Gedächtnis der Beteiligten seine Spuren hinterlassen. Campanile inszeniert dieses Sozialmärchen aber mit ruhiger Hand und ohne große Gefühlswallungen. Er vergisst nie, dass das nicht der Stoff für den großen filmischen Klassenkampf ist, eher das Balsam für jene, die sich in diesem Kampf aufzureiben pflegen. Der verbissene Zynismus, der auch etwa den genannten AUTOSTOP ROOSO SANGUE zu einem so herausfordernden Film macht, weicht hier zugunsten einer fast sportlichen Haltung. In einem wirklich schönen Film findet er in einer Sequenz ein treffendes Bild für die politische Macht des Künstlers, aber auch für die Grenzen dieser Macht. Hector schließt sich mit seinen Männern einer Gruppe spanischer Schauspieler an, mit denen er den französischen Soldaten eine besondere Show bietet. Die vorgeführten Zaubertricks dienen dazu, die Waffen der nichts Böses ahnenden Gegner zu zerstören oder sie in einem naheglegenen Fluss zu entsorgen. Natürlich fliegt das Treiben auf und so kommt es dann doch zu einer kurzen handfesten Auseinandersetzung. So ist das auch mit dem politisch motivierten Film: Fakten schaffen müssen andere.

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