nati con la camicia (enzo barboni, italien/usa 1983)

Veröffentlicht: März 14, 2011 in Film
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Der rollschuhfahrende drifter Rosco (Terence Hill) verwickelt den soeben aus der Haft entlassenen Doug O’Riordan (Bud Spencer) erst in eine Keilerei und stiftet ihn dann auch noch zum Raub eines LKWs an. Auf der anschließenden Flucht vor der Polizei besteigen beide unter falschem Namen ein Flugzeug, nur um plötzlich für Geheimagenten gehalten zu werden. Als Steinberg und Mason sollen die beiden es mit dem Superschurken K1 aufnehmen, der die Welt durch den Abschuss einer Rakete ins Chaos stürzen will …

Eigentlich wollte ich diesen Film nicht nochmal schauen, da ich ihn als sehr mäßig im Gedächtnis behalten hatte, doch mit dem traurigen MIAMI SUPERCOPS konnte ich die Reihe beim besten Willen nicht enden lassen. So hatte jener Totalausfall wenigstens ein Gutes, nämlich dass ich mich davon überzeugen konnte, dass NATI CON LA CAMICIA gar nicht so schlecht ist. Die Verwechslungsposse zapft bereits das komische Potenzial an, das der darauffolgende NON C’É DUE SENZA QUATTRO so erfolgreich für sich nutzen sollte: Als texanische Ölbarone getarnt, dürfen sich die Proleten Spencer & Hill komplett gehen lassen, sich in die geschmacksverwirrte Garderobe schmeißen, die nur Neureiche so zielsicher aus dem Kleiderschrank zu ziehen wissen, und das vornehme Gehabe im Luxushotel genussvoll bloßstellen. Die Agentenposse, die sich inhaltlich etwas an das damals aktuelle Connery-Bond-Revival namens NEVER SAY NEVER anlehnt (inklusive dem Barbara-Carrera-Ersatz Faith Minton), lockt zwar wirklich keinen Hund hinterm Ofen hervor, ist aber immerhin mit einigem Tempo inszeniert und kann mit etlichen kleinen Gags, die nicht ausschließlich auf das Konto von Hill & Spencer gehen, punkten. Besonders gut gefallen haben mir die beiden V-Männer der feindlichen Geheimdienste, die als Eis- bzw. Würstchenverkäufer getarnt sind und ihre Funksprüche in eine Eistüte bzw. Senftube sprechen – letzterer ist zudem auch noch den Decknamen „Würstchen“ gestraft. In einer anderen tollen Szene steigt ein Mann in sein Auto, nur um zu bemerken, dass man das Lenrad entfernt hat. Vollkommen verwirrt schaut er sich im Innenraum des Wagens danach um, unter anderem hinter den Sichtblenden und im Handschuhfach. In einer ähnlichen Szene finden sich Spencer und Hill auf einer kleinen Toilette ein, in die sie vorher etliche Bösewichter haben verschwinden sehen, die nun jedoch wie vom Erdboden verschluckt sind. Auf der Suche nach einer Geheimtür widmet sich Hill dem Handtuchspender und zieht voller Erwartung – und jederzeit mit dem schlimmsten rechnend – mehrere der Papierhandtücher heraus. Solche kleinen visuellen Gags hat man in CHI TROVA UN AMICO, TROVA UN TRESORO vergeblich gesucht, sodass man NATI CON LA CAMICIA entgegen meiner im Eintrag zu jenem Film voreilig vorgenommenen Abwatschung des Spätwerks durchaus als „gelungen“ bezeichnen kann. Insgesamt muss man zwar konstatieren, dass auch Barbonis Film sich lediglich mit dem unkreativen Abspulen des Erfolgsrezepts begnügt, in einigen Sequenzen unbeholfen und billig erscheint und zum Auswalzen der Spielzeit eine lange, spannungsarme Parasailing-Sequenz einbindet, die heute, wo man diesem Hobby an jedem Baggersee nachgehen kann, verblüffend unspektakulär anmutet. Aber schon der Volksmund weiß: Besser gut geklaut als schlecht neu erfunden. Reicht.

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Kommentare
  1. Ein wahrer Klassiker! Bei Interesse: habe weiterführende Infos zu diesem Film gefunden auf http://www.spencer-hill.de/filme/zwei-baerenstarke-typen/

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