banana joe (steno, italien/deutschland 1982)

Veröffentlicht: März 15, 2011 in Film
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Papa Joe, genannt „Banana Joe“ (Bud Spencer), lebt mit seinen zahlreichen Kindern das beschauliche Leben eines einfachen Bananenbauers im kolumbianischen Urwald. Der Frieden hat ein Ende, als man auf dem Markt, auf dem Joe regelmäßig seine Bananen zum Verkauf anbietet, einen Gewerbeschein von ihm verlangt: Der fernab jeder Zivilisation aufgewachsene Mann begibt sich auf eine Odyssee in die Großstadt, um dort in Sisyphos-Manier die notwendigen Behördengänge zu erledigen. Währenddessen begibt sich eine Gruppe fieser Grundstücksspekulanten daran, eine Bananenfabrik in Joes Heimat zu errichten …

In einer für Bud Spencer enorm produktiven Schaffensperiode vom PIEDONE-Regisseur Steno inszeniert, ist BANANA JOE ein liebenswerter kleiner Märchenfilm mit Fish-out-of-water-Plot und leisen kafkaesken Anklängen, dessen marginalen Abweichungen von Spencers Persona ihn für den Kenner interessant machen. Der gutmütige, einfach gestrickte und aufgrund seiner Herkunft im besten Sinne „weltfremde“ Bananenbauer Joe, der sich mit Kindern versteht und den einfachen Freuden des Lebens zugeneigt ist, scheint zunächst eine sehr typische Spencer-Figur. Was ihn aber von den Spencer-Charakteren vor allem der Spencer&Hill-Kollaborationen abhebt, ist ihre Indifferenz gegenüber weltlichem Wohlstand. Vergessen Spencers Filmfiguren auf der Jagd nach dem Mammon sonst schon einmal die Moral, an die sie dann von Hills Charakteren schmerzlich erinnert werden, sind sie in derRegel durch die Unzufriedenheit mit ihrem gesellschaftlichen Status und den Wunsch, aus diesen Zwängen auszubrechen, gekennzeichnet, so ist Banana Joe der glücklichste Mensch auf Erden. Geld bedeutet ihm nichts, es ist allerhöchstens Mittel zum Zweck, etwa eine Schule zu bauen, und Klassendünkel ist ihm fremd, weil er gar keine Vorstellung von solchen sozialen Hierarchien besitzt. Leider sieht das System auch im tiefsten Urwald nicht vor, dass sich einer seinem Spiel entzieht: Und so handelt die Geschichte von BANANA JOE letztlich davon, die Unschuld seiner Hauptfigur zu brechen, ihn durch die Mühlen der Bürokratie zu drehen, bis er entweder auf Linie gebracht ist oder aber gebrochen. Es ist klar, dass dieser Versuch schon an der Physis des Protagonisten scheitern muss; aber auch daran, dass Joe die Mechanismen der Unterwerfung, die auf ihn angewendet werden, völlig fremd sind, ihre Wirkung mithin verfehlen, mehr noch, von ihm zurückgeworfen werden. Wäre da nicht die klamaukige Synchro, bei der man etwas den Eindruck hat, sie wolle den Zuschauer für die etwas leisere Gangart des Films entschädigen, der Verweis auf Frank Capra, Jacques Tati oder ähnliche filmische Moralisten, die die kalten, technokratischen Systeme der Moderne von ihren herzensguten Naivlingen aushebeln lassen, fiele noch deutlich leichter. Dennoch: BANANA JOE reiht sich ein in die immer länger werdende Liste wunderbarer Spencer-Filme und sei hiermit zur Revision (oder Erstsichtung) empfohlen. Wer es lieber etwas grober mag, darf sich immer noch an der Synchro erfreuen, an dem herrlichen Auftritt von Gunther Philipp als schwulem Herrenausstatter oder dem Soundtrack, der neben dem wunderbar melancholischen Titelsong einige ältere Oliver-Onions-Stücke featuret.

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