vorschau auf kommendes

Veröffentlicht: März 16, 2011 in Über mich, Film, Zum Lesen
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Da meine kleine Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Retro morgen beendet sein wird, dachte ich mir, dass die Gelegenheit günstig ist, meine Pläne für die nächsten Wochen vor euch auszubreiten. Mir steht mal wieder der Sinn nach Großem, nach hartem Filmstudium und ebenso aufopferndem wie ausuferndem Komplettismus: Deshalb werden die nächsten Wochen (Monate?) im Zeichen dreier mehr oder minder großer Filmemacher stehen, die ich in mehr oder minder umfangreichen Werkschauen würdigen möchte.

Den Anfang macht mit Martin Ritt ein Regisseur, der nicht zu den großen Namen des Faches gehört, obwohl er mit seinen charakterzentrierten, engagierten Sozialdramen doch fast drei Jahrzehnte US-amerikanischer Filmgeschichte schrieb. Vom großen Elia Kazan protégiert landete der politisch links einzuordnende Ritt als Theaterregisseur und Schauspiellehrer am Broadway, schließlich auf den europäischen Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs und dann auf der Schwarzen Liste McCarthys, bevor er in der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre als Filmregisseur debütieren konnte. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen die Kollaborationen mit seinem Lieblingsschauspieler und -schüler Paul Newman – THE LONG HOT SUMMER, PARIS BLUES, HUD, die RASHOMON-Adaption THE OUTRAGE und HOMBRE – sowie der finstere Agentenfilm THE SPY WHO CAME IN FROM THE COLD. Am meisten freue ich mich aber auf das Wiedersehen mit THE FRONT, in dem Ritt seine Erfahrungen mit dem HCUA verarbeitete und der einen der eher seltenen Filme des Schauspielers Woody Allen darstellt, den dieser nicht selbst inszenierte. Das Spätwerk Ritts, das sich durch Starke-Frauen-Filme mit Sally Field und potenziellem Oscar-Bait wie STANLEY & IRIS für mich zumindest vordergründig als eher abschreckend darstellt, werde ich lieber auslassen. Ebenso wie sein Bergarbeiter-Drama THE MOLLY MAGUIRES, über das ich vor nicht allzu langer Zeit bereits etwas geschrieben habe.

Einem bekannteren Mann und einem der wohl brillantesten Köpfe des New Hollywood widme ich mich anschließend: Robert Altman. Sein Werk ist mir nur sehr lückenhaft bekannt und das möchte ich endlich mal ändern, zumal es auch eine willkommene Gelegenheit bietet, mit M*A*S*H auch einen der Lieblingsfilme meiner Gattin endlich einmal mit ihr zusammen zu sehen. Sein umfangreiches Werk komplett abzuarbeiten, ist wohl selbst dann nicht möglich, wenn man seine Fernseharbeiten komplett außer Acht lässt, trotzdem ist es mir, glaube ich, gelungen, eine bunte und dann doch recht repräsentative Anzahl seiner Filme zusammen zu bekommen. Startschuss wird genannter M*A*S*H sein, den Schlussstrich ziehe ich nach SHORT CUTS: Alles, was danach kommt, interessiert mich nur noch sehr marginal. Wer sich einstimmen möchte, kann meinen Text zu THE LONG GOODBYE lesen, den ich diesmal wahrscheinlich auslassen werde.

Eine richtige Mammutaufgabe habe ich mir danach vorgenommen: Richard Fleischer gilt als Paradebeispiel für den Hollywood-Routinier alter Schule, den Produzenten gern für alle möglichen Stoffe verpflichteten, weil sie sicher sein konnten, von ihm ein sauberes Endprodukt geliefert zu bekommen. Fleischers Karriere umspannt satte 40 Jahre und so unterschiedliche Genres wie den Film Noir, Western, Musical, Monumental-, Science-Fiction-, Fantasy-, Horror-, Gangster- und Serienmörderfilm – die Liste ließe sich wahrscheinlich noch erweitern. Der Ruf der hired hand wird seinem Schaffen m. E. jedoch überhaupt nicht gerecht: Schon ein Blick auf seine bewegte Biografie zeigt, dass sich hinter dem zupackenden Namen ein intelligenter, vielseitig begabter wie interessierter Mann verbirgt, dem von seinem Vater, einem Stummfilmpionier und Zeichentrickfilm-Regisseur, nicht nur ein generelles Filminteresse, sondern auch eines für filmtechnische Neuerungen mit auf den Weg gegeben worden war. So konnte sich Fleischer mit Filmen wie THE NARROW MARGIN, FANTASTIC VOYAGE oder THE BOSTON STRANGLER in ganz unterschiedlichen Epochen als technisch visionärer Filmemacher beweisen. Dass er keineswegs ein willenloser Handwerker war, sondern ein Mann mit Prinziopien und Idealen, belegen die zahlreichen Geschichten über seine Konflikte mit Produzenten, die sich wieder und wieder in seine Arbeit einmischten, denen er sich jedoch oft widersetzen konnte. Ich freue mich aus verschiedenen Gründen auf die Fleischer-Retro: weil ich etliche seiner Filme noch nicht kenne, weil die erwähnte Vielseitigkeit eine bunte, niemals langweilige Reise quer durch die Genres garantiert, weil ich gespannt darauf bin, so etwas wie einen Gesamteindruck von seinem Werk zu erhalten und vielleicht eine klare Linie aus dem herausschälen zu können, was wie ein Irrlauf durch Hollywood aussieht, und natürlich, weil die Retro willkommenen Anlass für ein Wiedersehen mit einem meiner absoluten Lieblingsfilme, MR. MAJESTYK, bietet. Viele, viele bunte Gründe also für meine Leser, sich mit mir zu freuen. Und zur Einstimmung gibt’s Links zu meinen Texten zu THE VIKINGS, SEE NO EVIL und CONAN THE DESTROYER.

Ich hoffe, meine „Projekte“ stoßen auf Gegenliebe und ich kann bei der Ausführung meiner ehrgeizigen Pläne  auf seelische Unterstützung hoffen. Und wer weder mit Ritt, noch mit Altman oder Fleischer etwas anfangen kann, den kann ich damit besänftigen, dass der ein oder andere aus der Rolle fallende Film zur Abwechslung sicherlich auch seinen Platz finden wird.

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Kommentare
  1. Whoknows sagt:

    @Robert Altman: „Gosford Park“ (2001), der nur vordergründige Whodunit, könnte vielleicht noch von Interesse sein, weil sich an ihm zeigen lässt, was der Regisseur mit seiner Vorliebe für „Improvisationen“ aus einem theatermässig geschulten britischen Ensemble herausholte. – However, ich freue mich auf deine Beschäftigung mit ihm. 🙂

  2. Oliver sagt:

    Lustig, dass du das schreibst. Habe gestern den Altman-Essay auf „Senses of Cinema“ angelesen, der sich ausführlich mit GOSFORD PARK beschäftigt und bin über meinen nach SHORT CUTS gesetzten Short Cut ins GRübeln geraten. Andererseits: Wenn ich GOSFORD PARK mit reinnehme, gibt es eigentlich keinen Grund, nicht auch PRET-A-PORTER, COOKIE’S FORTUNE, KANSAS CITY, GINGERBREAD MAN und DR. T AND THE WOMEN und was sonst noch in diese Schaffensperiode fällt mit reinzunehmen. Und davon fühle ich mich dann doch überfordert. 🙂

    • Whoknows sagt:

      „Prêt-à-Porter“ dürfte sich schon wegen des Strips lohnen, den die alternde Loren hinlegt (am Schluss habe ich dich da, wo ich dich haben will 😉 ).

  3. Oliver sagt:

    Darauf habe ich mir schon im Fernsehen einen … äh … Das habe ich schon im Fernsehen gesehen. 😉

  4. mono.micha sagt:

    Man will ja dich ja zu nichts drängen – der Hut ist eh gezogen vor so einem Programm -, doch will ich den Whoknows gern unterstützen. Nicht nur GOSFORD PARK und der Modefilm hat’s mir angetan, sondern auch besonders DR. T AND THE WOMEN. Allein schon die Anfangsszene im Wartezimmer der Praxis ist doch absolut megafulminant! 😉

    • Whoknows sagt:

      Und erst noch mit Shawne Fielding, der ehemaligen Gattin des nicht minder ehemaligen glamourösen Schweizer Botschafters in Berlin, Thomas Borer, in einer klitzekleinen Rolle. 🙂

  5. Oliver sagt:

    Jajaja ihr beiden, habe schon verstanden. Mal gucken, vielleicht mache ich ja ein Sequel zu meiner Altman-Schau. 🙂

  6. Marmeladenbrot sagt:

    Hey Oliver,

    vielen Dank für den Ausblick, ich freue mich schon :). Allgemein wollte ich mal ein Lob für deinen Blog hinterlassen, macht immer Freude hier zu lesen und zu entdecken.

    Viele Grüße

  7. fuckit sagt:

    …wie machst du das eigentlich, dieses gigantische Filmpensum, und mit Kind und so? Steht dir nach wie vor so viel „freie Zeit“ zur Verfügung?

  8. Oliver sagt:

    Naja, ist ja nicht so, dass ich dieses Pensum in zwei Wochen runterreiße, das wird schon eine Weile länger dauern. Ich schaue im Schnitt einen Film pro Tag, abends, wenn das Kind in der Heia ist. Da meine Frau selbst filmbegeistert ist, ist das unsere gemeinsame Feierabendgestaltung.

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