the long, hot summer (martin ritt, usa 1958)

Veröffentlicht: März 21, 2011 in Film
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Ben Quick (Paul Newman) wird aus seinem Heimatort irgendwo in Mississippi, USA verjagt, weil man ihn bezichtigt, eine Scheune angezündet zu haben. Auf seinem Weg landet er in Frenchman’s Bend, einem kleinen Ort, der sich fest in der Hand des brummigen Patriarchen Will Varner (Orson Welles) befindet. Varner sorgt sich indes um seine eigenen Sprösslinge: Sein Sohn Jody (Anthony Franciosa) ist ein Taugenichts, der sich auf dem Reichtum des Vaters und auf seiner blutjungen Gattin Eula (Lee Remick) ausruht, Tochter Carla (Joanne Woodward) ist seit Jahren mit dem unentschlossenen Mamasohn Alan (Richard Anderson) liiert, ohne dass die Beziehung den logischen nächsten Schritt machen würde. Ben Quick imponiert Varner hingegen sofort, weil der Unternehmer in dessen Mut und Entschlossenheit sofort eine jüngere Version seiner selbst erkennt. Er bietet Ben erst einen Job an, dann Unterkunft in seiner prächtigen Villa. Doch damit sorgt er für ernstes Konfliktpotenzial … 

Im selben Jahr wie Richard Brooks‘ berühmter THE CAT ON A HOT TIN ROOF entstanden, ist Ritts dritter Spielfilm ebenfalls ein Familiendrama vor majestätischer Südstaatenkulisse, das allerdings nicht auf einem Werk Tennessee Williams‘ basiert, sondern auf einer Romantrilogie vom anderen großen amerikanischen Südstaaten-Romancier, William Faulkner. Das ist aber noch nicht der größte Unterschied: Während Brooks die Eskalation der schwelenden Konflikte innerhalb einer dysfunktionalen Südstaatenfamilie zum psychoanalytisch geprägten American Gothic hochschraubt, bleibt Ritts THE LONG, HOT SUMMER deutlich leichter und beschwingter. Die Beziehung zwischen Varner und seinen beiden Kindern mag zwar nicht optimal sein, das verursachte und erlittene Leid hält sich aber immer in vertretbaren Grenzen, ja mutet sogar eher komisch an. Auch in seiner Struktur ist Ritts Film loser als Brooks‘ Klassiker, der schon mit seiner langen Auftaktszene den angespannten Ton seines Films vorgibt und dessen auf das Wohnhaus der Protagonistenfamilie reduzierter Handlungsverlauf ein zähes Ringen der Generationen spiegelt. Die Eskalation in THE LONG, HOT SUMMER kommt spät und entpuppt sich dann im wahrsten Sinne des Wortes als Strohfeuer: Nichts wird so heiß gegessen wie es auf den Tisch kommt. Ritts Film hat mich etwas indifferent zurückgelassen, was nur zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass es doch einige Verständnisprobleme gab – der Südstaatenslang ist meterdick und die britische DVD leider ohne Untertitel. Ich hatte eben doch etwas anderes, schwereres, nachhaltigeres erwartet. So bleiben erst einmal nur die schöne Cinemascope-Fotografie und die eindrucksvolle Besetzung im Gedächtnis, aus der Paul Newman in einer ihm auf den Leib geschriebenen Paraderolle als undurchsichtiger, aber charismatischer player noch heraussticht. Vielleicht ein Kandidat für eine Zweitsichtung, bei der dann wahrgenommene Details das noch etwas unkonturierte Bild vervollständigen.

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