driven to kill (jeff f. king, usa/kanada 2009)

Veröffentlicht: März 22, 2011 in Film
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Der russische Ex-Mobster Ruslan (Steven Seagal), mittlerweile ein erfolgreicher Autor autobiografischer Gangsterromane, erhält von seiner Ex-Frau Catherine (Inna Korobkina) die Nachricht von der bevorstehenden Hochzeit seiner Tochter Lanie (Laura Mennell). Kurz vor dem Fest brechen jedoch Gangster in das Haus der Familie ein, töten Catherine und verletzen Lanie schwer. Ruslan, außer sich vor Zorn, greift sich Lanies zukünftigen Gatten Stephan (Dmitry Chepovetsky), selbst Sohn eines russischen Mobsters, und begibt sich mit ihm in die Unterwelt, um Rache an den Verbrechern zu üben …

Ein Brett!!!

Ich bin ja angesichts der Klasse von URBAN JUSTICE, PISTOL WHIPPED und eben DRIVEN TO KILL wirklich geneigt, von einem Comeback Seagals vielleicht nicht zu alter, aber doch zu neuer Form zu sprechen und verkneife mir das vorläufig nur deshalb, weil ich mit KILL SWITCH  den Vorläufer dieses Werks noch nicht gesehen (ein Text folgt aber in Bälde) und vom Vampiractioner AGAINST THE DARK nur gehört habe, er neige zu ähnlich inszenatorisch-erzählerischen Unzulänglichkeiten à la ATTACK FORCE. Solche sind in DRIVEN TO KILL, einem ruppigen, ohne Umschweife auf die Zwölf krachenden Rachefilm gänzlich abwesend, stattdessen gelingt es Jeff F. King ähnlich wie Roel Reiné in PISTOL WHIPPED ausgezeichnet, die Physis und das Alter Seagals zu seinem Vorteil einzusetzen, anstatt sie in einem verwirrenden Schnittgewitter zu kaschieren. Mit schmierigen Gangstertattoos auf den Unterarmen und einem moderaten russischen Akzent gibt Seagal zwar einen seiner typischen geheimnisumwitterten Krieger, doch ist dessen Reue hier nicht mehr länger nur eine schmückende und letztlich doch nur dessen Heldentum bestätigende Eigenschaft. Wenn Ruslan den unschuldigen Stephan dazu nötigt, ihm bei seiner Mordtour zu helfen, weil ein echter Mann den Mord an seinen Geliebten gefälligst zu rächen habe, er einen harmlosen Pfandleiher, der ihm eine Information mit der Begründung verweigert, er sei kein Auskunftsbüro, brutal zusammenschlägt, einem der typischen Nebendarsteller-Proleten mitleidlos ein Glas ins Gesicht rammt und mit seinen Feinden in einer Weise abrechnet, die falscher Sentimentalität völlig unverdächtig ist, fühlt man sich als Zuschauer eher abgestoßen als angezogen. Soll das etwa die Identifikationsfigur sein? Seagals Filme haben ja noch nie einen Zweifel an der Entschlossen- und Überlegenheit ihres Protagonisten gelassen, doch so explosiv und finster wie hier hat man ihn wohl noch nie gesehen.

Es gibt eine tolle Körperstudie, eine längere Einstellung, die Ruslan einfach nur dabei zeigt, wie er auf die Kamera zugeht, und die künstlich verlängert wird, indem der Schnitt immer wieder ein kleines Stück „zurückspult“. Als letztes sieht man nur noch ein Stück seines Kopfes, das sich links aus dem Bild schiebt. In dieser kurzen Szene kommt die ganze Entschlossenheit und Unaufhaltsamkeit dieses Mannes zum Ausdruck, der einmal angestoßen wohl nur durch eine Kugel in die Stirn aufzuhalten ist. Und Seagals von Falten zerfurchtes Gesicht wird hier auch endlich nicht mehr als Bürde empfunden, sondern immer wieder in Szene gesetzt: Ein tolles Close-Up seiner Augenpartie würde ich am liebsten als Banner für mein Blog verwenden. Meine Lieblingsszene gibt es aber gleich zu Beginn: Ruslan wird von einem Groupie auf eine Stelle in einem seiner Bücher angesprochen, in der er von einem Spiel erzählt, bei dem drei Becher und ein Nagel eine wichtige Rolle spielen. (Wie das Spiel nicht funktioniert, kann man hier sehen.) Ruslan wird von ihr aufgefordert, ihr das vorzumachen, was er dann auch tut, völlig ungerührt. Auf die Frage, wo der Trick liege, sagt er nur: „The trick is to not give a fuck.“ Badassery vom Allerfeinsten.

Natürlich erschöpft sich der Reiz von DRIVEN TO KILL nicht in der Inszenierung seines Hauptdarstellers: King serviert dem Zuschauer einen sackbrutalen Actionfilm, der leise Zwischentöne mit der Sensibilität einer Abrissbirne pulverisiert. Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit gibt es wieder etliche dieser Seagal-Momente, für die man dessen Filme in den frühen Neunzigern verehrt hat und anlässlich derer man die Hände überm Kopf zusammenschlägt und sich fragt, ob man das gerade richtig gesehen hat. Mitleidlos wird von ihm alles plattgemacht, was sich ihm in den Weg stellt. Dabei bleibt DRIVEN TO KILL staubtrocken, verkommt nie zum überzogenen Splatter-Buhei, für die ADS-Generation. Aller moderner visueller Effekte zum Trotz ist Kings Film eher den harten Actionthrillern der Siebzigerjahre verpflichtet. Hätte man auch nicht gedacht, dass man Seagal mal in eine Traditionslinie mit Charles Bronson, Lee Marvin oder Steve McQueen stellen könnte …

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