brewster mccloud (robert altman, usa 1970)

Veröffentlicht: April 11, 2011 in Film
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Brewster McCloud (Bud Cort) lebt in einem Bunker unter dem Houston Astrodome und baut dort an mechanischen Flügeln, mit denen er hofft, sich nach Fertigstellung wie ein Vogel in die Lüfte erheben zu können. Menschen, die ihm in die Quere kommen, enden nach der Begegnung mit einer rätselhaften Frau (Sally Kellerman) meistens tot und sind darüber hinaus auch noch mit Vogelscheiße verunziert. Um die Mordfälle aufzuklären, wird der Supercop Frank Shaft (Michael Murphy) nach Houston gerufen, doch erweist auch der sich als nur wenig erfolgreich …

In meinem Eintrag zu M*A*S*H hatte ich bereits geschrieben, dass Altmans Karriere in den Siebzigern dem oft beschworenen Wechselbad der Gefühle glich: Die Geschichte erzählt, dass Altman dem genannten Erfolgsfilm mit BREWSTER MCCLOUD eine Kuriosität folgen ließ, die seine ahnungslosen Zuschauer ebenso verprellt haben dürfte wie seine Geldgeber, die sich eine weitere Hitkomödie erhofft hatten und stattdessen eine voller Zitate steckende, an die Dekonstruktionen des absurden Theaters erinnernde ätzende Parabel erhielten, die heute gemeinhin als einer der schwächsten Altmans gilt und demzufolge gern verschwiegen wird. Ich hatte nach der Sichtung eine längere Diskussion mit eminer Gattin darüber, ob dieser Film nun tatsächlich so merkwürdig ist, wie es zunächst den Anschein hat, oder ob es nicht lediglich nur Nuancen sind, die ihn vom Vorgänger unterscheiden, aber eine unproportional gewaltige Auswirkung auf die Rezeption haben. Ich tendiere zwar zu letzterem, aber so richtig glücklich bin ich damit immer noch nicht.

Zunächst mal: M*A*S*H machte es dem Zuschauer trotz aller stilistischen Verzerrungen insofern leicht, als er sich ganz eindeutig dem Genre „Kriegsfilm“ zuordnen ließ. Zwar unterschied er sich von einem 1970 noch gängigen Vertreter dieses Genres gewaltig, doch teilte er mit diesem dennoch eine Bilderwelt, bestimmte Handlungselemente und Klischees, die eine Orientierung auch in seinen ungewöhnlicheren Passagen ermöglichte. In BREWSTER MCCLOUD gibt es diese Hilfestellung nicht: Klar, man erkennt Elemente aus dem Coming-of-Age-Film sowie dem Polizei- und Serienmörderfilm, doch die Art, wie diese unterschiedlichen Einflüsse zusammengeführt werden, gibt keinen Aufschluss darüber, was Altman in BREWSTER MCCLOUD eigentlich in erster Linie erzählen will. Im Zentrum steht, so sollte man annehmen, die Geschichte des Heranwachsenden Brewster, doch der bleibt den ganzen Film über ein Phantom, über dessen Innenleben man nur sehr wenig erfährt. Und das Gleiche gilt für alle anderen Figuren auch: Sie sind allesamt nicht mehr als Typen, die eine ganz bestimmte Funktion innerhalb des Films zu erfüllen haben und sich in dieser erschöpfen.

Einen Großteil des Films nimmt die Kriminalgeschichte ein, die von Altman jedoch niemals mit der Intention, Spannung zu erzeugen, inszeniert wird. Mit ihrem an Steve McQueens Bullitt angelehnten Frank Shaft, dessen Name – sowas wie ein running gag des Films – inflationär oft und stets mit lang gezogenem „ä“ gesprochen wird, bietet sie dem Regisseur Gelegenheit für seinen bissigen Humor, der sich wie schon in M*A*S*H gegen Bürokratie, Idiotie in Führungspositionen und den Zustand staatlicher Institutionen überhaupt richtet. Die Aufklärung der auch für den Zuschauer rätselhaften Morde kommt kein Stück voran, vielmehr ergehen sich alle Beteiligten in infantilem Kompetenzgerangel und idiotischen Ideen.

Eine Vogelmetaphorik zieht sich quer durch den Film, angefangen beim schrulligen Lecturer (Rene Auberjonois), der mit kurzen Szenen oder auch nur als Voice-over durch den Film führt, indem er Fakten aus der Welt der Ornithologie zum Besten gibt und sich im Verlauf des Films mehr und mehr selbst in einen Vogel verwandelt. Protagonisten fahren Autos mit Nummernschildern, die sich als Abkürzungen von Vogelnamen lesen lassen, Brewster, der fliegen will, erinnert mit seiner riesigen Brille an eine Eule und seine Beschützerin trägt Narben auf den Schulterblättern, die nahelegen, dass sie einst Flügel trug. Dass der heranwachsende Brewster dieser Welt – einer Welt, die um den gigantischen Astrodome herumkonstruiert scheint und sich so als Ansammlung von Augé’schen Nicht-Orten präsentiert – entfliehen will, dabei aber immer wieder von Rassisten, Kapitalisten und anderem Geschmeiß behindert wird, legt eine ziemlich eindeutige Auslegung dieser Vogelmetaphorik nahe, die jedoch die wortreiche Ernsthaftigkeit, mit der diese aufgebaut wird, kaum zu rechtfertigen vermag. Der Mensch ist ein Vogel, dem von den powers that be die Flügel gestutzt werden. Ist das alles? Vermutlich eher nicht, denn auch dieses Bild ist ja nur eines der zahlreichen Gestaltungsmerkmale, deren Anhäufung das Prinzip dieses Films zu sein scheint, mehr als eine klare Linie, eine Bedeutung, ein Konzept, eine Botschaft, ein Sinn.

Man merkt: Ich bin nicht wirklich schlau geworden aus BREWSTER MCCLOUD und hätte eigentich nicht wenig das Bedürfnis, ihn gleich nochmal zu schauen, um zu prüfen, ob sich das Durcheinander dann zu einem schlüssigeren Ganzen fügt. Bis dain bleibt der Eindruck eines Filmes, dessen Macher sich vielleicht etwas zu wenig darum geschert hat, was Menschen sehen wollen. Heute würde dieser Film nie im Leben in dieser Form ein Studio verlassen. Und vielleicht ist das die Erkenntnis, die man am ehesten mitnehmen kann. Altman hat BREWSTER MCCLOUD gedreht, weil er es konnte. Und keiner hat ihm die Flügel gestutzt.

Kommentare
  1. armin sagt:

    altman hat alles gegeben,brillantes debüt von shelley duvall ,gegen die starken frauenfiguren hat bud cort eh keine schnitte.wunderbar die variationen der rollen von altmans repertoir.kompanie,begeisternd margaret hamilton aus wizard of oz, ,ein nicht zu erkennender stacy keach,,jennifer salts vegane autoerotik ,nicht zuletzt sally kellermans mäandernde und würdevolle durchgeknalltheit,emfehlenswertes double feature mit the last movie !

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