piranha (alexandre aja, usa 2010)

Veröffentlicht: April 19, 2011 in Film
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Spring Break steht vor der Tür und Tausende vergnügungssüchtiger Teens werden am Lake Victoria in Arizona zu den jährlichen Feierlichkieten erwartet. Kurz vorher öffnet ein Erdbeben eine Höhle, in der ein Schwarm von seit Jahrtausenden für ausgestorben gehaltener Urzeit-Piranhas die Zeiten überdauert hat, und verschafft ihnen so Zugang zum Badesee. Sheriff Julie Forester (Elisabeth Shue) hat alle Hände voll zu tun, das Ausmaß der Katastrophe zu begrenzen und ihre Kinder zu retten, die auf dem gekenterten Boot des Pornoproduzenten Derrick Jones (Jerry O’Connell) festsitzen …

Viel gibt es zu Ajas Remake von Dantes JAWS-Epigone PIRANHA eigentlich nicht zu sagen, außer, dass man hier ausnahmsweise einmal nicht in den kulturpessimistischen Sermon von der Ideenlosigkeit Hollywoods und der Verflachung des Horrorkinos anstimmen muss. Aja entschlackt John Sayles Originaldrehbuch etwas, spart sich das Militärcamp und den Fluss, den die Fische erst einmal hinter sich lassen müssen, um ans Buffet zu gelangen, konzentriert sich stattdessen auf das, was gemeinhin die Kernkompetenzen der Exploitation sind: Sex & Violence. Das steht dem Film ausgesprochen gut zu Gesicht: Der aus unzähligen vergleichbaren Filmen hinreichend bekannte Plot wird dem Zuschauer nicht unter Zuhilfenahme blödsinniger und ablenkender Beigaben als Ei des Kolumbus verkauft, vielmehr seine Kenntnis der greifenden Mechanismen vorausgesetzt und somit umso entspannter mit den einzelnen Elementen umgegangen. Die Spring-Break-Kulisse bietet reichlich Gelegenheit, wogende Brüste, nasse T-Shirts und glänzende Körper mehr als üblich ins Licht zu rücken, die Splatterattacken kommen heftig und detailliert, wecken hinsichtlich ihrer Quantität und ihres Erfindungsreichtums wehmütige Erinnerungen an den unübertroffenen Splatter-Endpunkt BRAINDEAD und heben sich von den scheußlichen CGI-Orgien, an die man sich zuletzt mehr und mehr gewöhnen musste, wohltuend ab. Zwar kommen etliche Effekte aus dem Computer zum Einsatz, vor allem bei Unterwasser-Szenen mit den Piranhaschwärmen, doch erinnern diese eher an Cartoos: Ihre Künstlichkeit habe ich jedenfalls nicht als Makel empfunden, sondern eher als Selbstironie. Wobei das mit dem Humor so eine Sache ist: In die Niederungen des Pennälerhumors, der so viele Splatterkomödien so überaus unerträglich macht, sinkt PIRANHA nie, auch dann nicht, wenn Penisse abgebissen und ausgekotzt werden, weil Aja zum einen zu gut inszeniert, zum anderen nie vergisst, dass da auf der Leinwand Menschen sterben. Die Unterwasserbilder Dutzender im blutroten Wasser treibender verstümmelter Torsi erinnern schon fast an religiöse Darstellungen der Apokalypse oder an die Gemälde Hieronymus Boschs. In solchen Momenten transzendiert Aja die Trashwurzeln seines Films und erreicht eine fast poetisch zu nennende visuelle Qualität. Hinzu kommen die kleinen unaufdringlichen Gags und Kniffe in der Inszenierung, die das Geschehen auch dann noch interessant halten, wenn man doch genau weiß, was als nächstes passieren wird. So bietet Aja etwa im Subplot um die beiden kleinen Kinder gleich mehrfach überaus suggestive Kameraeinstellungen auf, nur um die Spannung dann durch einen Schnitt oder eine Verschiebung des Bildausschnitts aufzulösen. Und das gute Casting hat dem Film natürlich auch nicht geschadet.

PIRANHA ist so betrachtet ein ziemlich großer Glücksfall: Was sehr wahrscheinlich ein strunzlangweiliger, überflüssiger und seelenloser Aufguss eines Aufgusses oder maximal ein netter Timewaster ohne größeren Nährwert hätte werden können, ist tatsächlich zu einem der Horror-Highlights des vergangenen Jahres avanciert. Dass Aja ausgerechnet mit diesem Film an das Versprechen anknüpft, das er vor nunmehr sieben Jahren mit HAUTE TENSION gab, war nun wirklich nicht vorherzusehen. Hut ab!

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Kommentare
  1. El Tofu sagt:

    Fand den Film auch relativ unterhaltsam und lurzweilig.

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