the dark power (phil smoot, usa 1985)

Veröffentlicht: April 28, 2011 in Film
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Als der Indianer John „Four Eagles“ Cody stirbt und als letztes Wort „Toltec“ über seine Lippen kommt, stehen alle Bewohner des kleinen Städtchens in North Carolina vor einem Rätsel, dass sie wahrscheinlich bis heute nicht gelöst hätten, hätte Writer-Director Phil Smoot sich nicht dazu entschieden, dass 50 Minuten Exposition völlig ausreichend sind, und endlich seine „Dark Power“ in Form von vier zombifizierten Tolteken losgelassen. Zum Glück ist Lash LaRue wieder am Start und diesmal hat er auch seine Peitsche dabei!

Wer meinen Text zu ALIEN OUTLAW gelesen hat, der weiß schon, was Phil Smoots Filme auszeichnet: ausufernde Dialoge voller Nichtigkeiten, etliche handelnde Figuren, die lang aufgebaut werden, obwohl sie keinerlei Funktion für die Geschichte haben, und ein entsprechend konfuser Handlungsverlauf. Langweilig ist aber auch THE DARK POWER nicht, weil das alles mit unleugbarem Charme ausgestattet ist. Smoot drehte seine Filme im ländlichen North Carolina und das schlägt sich eben auch darin nieder, dass auch die absurdesten Geschichten noch mit dieser Gelassenheit und Lakonie erzählt werden, die man gemeinhin Landmenschen nachsagt. Wer sein Leben lang damit verbringt, Samen zu streuen und darauf zu hoffen, dass daraus dicke Kartoffeln werden, der erzählt eine Geschichte um einen alten Indianerfluch wohl auch so behäbig wie Smoot. Fünfzig Minuten lang passiert nichts, was einem Aufschluss darüber geben würde, warum THE DARK POWER eigentlich existiert, was er eigentlich erzählen will, stattdessen sieht man einen kleinen Jungen, der im Wald von Hunden attackiert wird und dem Lash LaRue mit seiner Peitsche zur Hilfe eilt. Oder man erfährt von der Reporterin, die sich von einem noch freundinnenlosen Studenten in die Geheimnisse um John Cody einweihen lässt, dass sie ein guter „Matchmaker“ sei. Oder wohnt den Bemühungen dreier Studentinnen bei, aus des Indianers altem Haus ein Dormitory zu machen, was solange gut geht, bis ohne das Wissen einer der Bewohnerinnen eine schwarze Kommilitonin aufgenommen wird. Gerade das letzte Beispiel scheint zu belegen, dass Smoot durchaus im Sinn hatte, eine kleine Gemeinde so faccettenreich und detailliert darzustellen, dass tatsächlich der Eindruck einer lebendigen Gemeinschaft mit all ihren kleinen Konflikten und Geheimnissen entsteht, aber dafür fehlten ihm erstens die Schauspieler und zweitens das schreiberische wie auch das organisatorische Talent. Lustig und irgendwie rührend ist es dennoch.

Das ändert sich auch nicht, als es dann doch irgendwann mal ans Eingemachte geht und das frisch eingweihte Wohnheim von vier gar nicht mal so übel aussehenden Indianerzombies angegriffen wird. Ein Stalk’n’Slash mit deutlich humoriger Ausrichtung beginnt, bis sich eine der Rothäute am Schluss eine Peitschenduell mit Lash LaRue liefert. Und so gut LaRue mit diesem Gerät auch umgehen kann: Ein Peitschenduell gibt filmisch nunmal gar nix her. Da ist der Film dann also wieder ganz bei sich.

Kommentare
  1. Alex sagt:

    Mal wieder absolute Zustimmung! Fand gerade diesen offensichtlich „lokalen“ Bezug äußerst charmant, und man kann sich den Regisseur vorstellen, wie er bei sämtlichen Bekannten anklopft, ob sie nicht bei seinem Film helfen wollen. Von der auftretenden „Punkband“ hat man wohl auch nur in ihrem Heimatort gehört…

    • Oliver sagt:

      An den Auftritt einer Punkband kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Schemißt du da vielleicht was durcheinander?

  2. Alex sagt:

    Das mußte ich doch jetzt mal genauer herausfinden…hast Recht, ich hatte eine Partyszene mit Livemusik im Kopf, aber die war wohl aus einem anderen Film. Allerdings stammen die Songs, die die Kids auf ihren Kassettenrekordern hören, laut Abspann alle von der obskuren Band „The Clodfelters“, deswegen war mir das bei meiner Sichtung aufgefallen.

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