Archiv für April, 2011

the dark power (phil smoot, usa 1985)

Veröffentlicht: April 28, 2011 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Als der Indianer John „Four Eagles“ Cody stirbt und als letztes Wort „Toltec“ über seine Lippen kommt, stehen alle Bewohner des kleinen Städtchens in North Carolina vor einem Rätsel, dass sie wahrscheinlich bis heute nicht gelöst hätten, hätte Writer-Director Phil Smoot sich nicht dazu entschieden, dass 50 Minuten Exposition völlig ausreichend sind, und endlich seine „Dark Power“ in Form von vier zombifizierten Tolteken losgelassen. Zum Glück ist Lash LaRue wieder am Start und diesmal hat er auch seine Peitsche dabei!

Wer meinen Text zu ALIEN OUTLAW gelesen hat, der weiß schon, was Phil Smoots Filme auszeichnet: ausufernde Dialoge voller Nichtigkeiten, etliche handelnde Figuren, die lang aufgebaut werden, obwohl sie keinerlei Funktion für die Geschichte haben, und ein entsprechend konfuser Handlungsverlauf. Langweilig ist aber auch THE DARK POWER nicht, weil das alles mit unleugbarem Charme ausgestattet ist. Smoot drehte seine Filme im ländlichen North Carolina und das schlägt sich eben auch darin nieder, dass auch die absurdesten Geschichten noch mit dieser Gelassenheit und Lakonie erzählt werden, die man gemeinhin Landmenschen nachsagt. Wer sein Leben lang damit verbringt, Samen zu streuen und darauf zu hoffen, dass daraus dicke Kartoffeln werden, der erzählt eine Geschichte um einen alten Indianerfluch wohl auch so behäbig wie Smoot. Fünfzig Minuten lang passiert nichts, was einem Aufschluss darüber geben würde, warum THE DARK POWER eigentlich existiert, was er eigentlich erzählen will, stattdessen sieht man einen kleinen Jungen, der im Wald von Hunden attackiert wird und dem Lash LaRue mit seiner Peitsche zur Hilfe eilt. Oder man erfährt von der Reporterin, die sich von einem noch freundinnenlosen Studenten in die Geheimnisse um John Cody einweihen lässt, dass sie ein guter „Matchmaker“ sei. Oder wohnt den Bemühungen dreier Studentinnen bei, aus des Indianers altem Haus ein Dormitory zu machen, was solange gut geht, bis ohne das Wissen einer der Bewohnerinnen eine schwarze Kommilitonin aufgenommen wird. Gerade das letzte Beispiel scheint zu belegen, dass Smoot durchaus im Sinn hatte, eine kleine Gemeinde so faccettenreich und detailliert darzustellen, dass tatsächlich der Eindruck einer lebendigen Gemeinschaft mit all ihren kleinen Konflikten und Geheimnissen entsteht, aber dafür fehlten ihm erstens die Schauspieler und zweitens das schreiberische wie auch das organisatorische Talent. Lustig und irgendwie rührend ist es dennoch.

Das ändert sich auch nicht, als es dann doch irgendwann mal ans Eingemachte geht und das frisch eingweihte Wohnheim von vier gar nicht mal so übel aussehenden Indianerzombies angegriffen wird. Ein Stalk’n’Slash mit deutlich humoriger Ausrichtung beginnt, bis sich eine der Rothäute am Schluss eine Peitschenduell mit Lash LaRue liefert. Und so gut LaRue mit diesem Gerät auch umgehen kann: Ein Peitschenduell gibt filmisch nunmal gar nix her. Da ist der Film dann also wieder ganz bei sich.

Im gemütlichen North Carolina landet ein UFO und entlässt die „Alien Outlaws“, drei intergalaktische Hooligans, die sofort damit beginnen, arglose Wanderer zu killen. Zum Glück ist die kesse Jesse Jamison (Kari Anderson) in der Nähe, eine ehrgeizige aufstrebende Kunstschützin, die eigentlich mit ihrer Wildwestshow groß rauskommen will, nun zunächst aber mal die außerirdischen Halunken zur Strecke bringen muss …

ALIEN OUTLAW ist ein Fest. Nicht, weil er voller irrwitziger Ideen, mieser Effekte, schlechter Schauspieler und dummdreister Dialogzeilen stecken würde (was er auch tut), sondern zu allererst, weil Regisseur Phil Smoot sich mit seinem Drehbuch als, nun ja, gemessen an seinem Talent hoffnungslos überambitionierter Dialogschreiber verrät. Jeder Dialog wird bis zum Anschlag angefüllt mit „spritzigen“ Anekdötchen, belanglosen Floskeln, wissenswerten Fakten und anderen Lautäußerungen, sodass man als in der Disziplin der linguistischen Pragmatik bewandeter Zuschauer bald das Gefühl hat, es hier durchweg mit Soziopathen zu tun zu haben, denen jedes Gespür dafür, was ihren Gesprächs-„Partner“ interessieren könnte und was er hingegen als nervtötende Zeitverschwendung betrachten muss, vollkommen abhanden gekommen ist. Ob eine Figur von größerer oder nur nebensächlicher Bedeutung für den Film ist: Smoot gibt jedem seine große Rede. So darf die Dame von der Künstleragentur, bei der sich die selbstbewusste Jesse vorstellt, lang und breit davon erzählen, welche Pforten der Kunstschützin denn nun offenstünden, weil sie sich für diese tolle Agentur entschieden habe, wie sich ihr Leben dadurch verändern werde blablabla, ohne dass das im weiteren Verlauf auch nur die geringste Rolle spielte.

Überhaupt diese Jesse Jamison: Die „Powerfrau“, die mit Vorliebe im Miniwildlederkleidchen rumläuft, unter dessen Fransenröckchen man unschwer ihr Höschen hervorblitzen sieht, erkennt der geübte Zuschauer schon von Weitem als unerträgliche Zicke. Hinter dem strengen Gesicht mit dem zahnigen Haifischlächeln verbirgt sich eine menschliche Katastrophe, deren hervorstechendste Eigenschaften Humorlosigkeit, Missgunst, Eitelkeit und ein unerschütterlicher Glauben an die in keinerlei Verhältnis zu diesem Glauben stehenden eigenen Fähigkeiten sind: Mit ihren hüftlangen Haaren (die am Set bestimmt für den ein oder anderen Zickenalarm verantwortlich waren) hält sie sich für eine Prinzessin, der allein aufgrund dieser Tatsache schon alles zusteht, was die Welt so bereithält. Und auch, dass sie lediglich der „Star“ einer blöden Gunshow ist, hält sie nicht davon ab, sich für Prominenz zu halten. Der faule Manager, den sie zu Beginn rausschmeißt (nach einer Exposition, deren Länge vermuten lässt, dass es in ALIEN OUTLAW nicht um Alien Outlaws, sondern um die steinige Pfade im Kleinkunstgewerbe gehe) kann von Glück sagen, dass er diese Schlampe ohne Ärger losgeworden ist!

Der ruhende Pol des Films ist aber eindeutig Lash LaRue als Jesses großväterlicher Freund Alex Thomas. Der damals fast 70-jährige LaRue war in den Vierziger- und Fünfzigerjahren Held unzähliger RKO-Western, in denen er stets mit seiner Peitsche (daher der Name „Lash“) auftrat. Mit seinem fetten Southern Drawl, das durch eine halbseitige Gesichtslähmung noch intensiviert wird und dem unerschütterlichen Gemüt eines Mannes, der nur noch auf den Tod wartet, wird er zum Maskottchen dieses verlaberten Films, der einen unweigerlich an einen Besuch im Altenheim erinnert, einem Ort, an dem ja auch jede noch so langweilige Geschichte ad infinitum wiedergekäut wird. Wer könnte die Szene vergessen, in der Jesse ihren Freund Alex verlässt, sich zur Verabschiedung nochmal umdreht, nur um von ihm mit einem weiteren Schwall unverbindlicher Nettigkeiten und leerer Phrasen aufgehalten zu werden. Wenn man in einem Phil-Smoot-Film mitmacht, muss man viel Zeit mitbringen und über einen entsprechend flexiblen Terminkalender verfügen.

Weil ich aber noch nix über die Aliens gesagt habe: Ihre stärkste Szene haben sie, als sie an das Häuschen einer Blondine kommen, die gerade ihr Gepäck rausbringt, um zu verreisen. Als sie wieder im Haus verschwunden ist, machen sich die Aliens daran, beherzt die herumstehenden Taschen wegzutreten und das Auto zu demolieren. Man sieht: Asoziales Verhalten ist kein Exklusivrecht der menschlichen Rasse. Die Aliens reden nur nicht so viel darüber.

Als in den Sümpfen Louisianas der vollkommen verstümmelte Leichnam eines Fischers auftaucht, sollen der Mediziner Sam Rivers (Tory Kittles) und die Biologin Mary Callahan (China Chow) ermitteln. Der „Schuldige“ ist schnell gefunden: drei riesige gefräßige Fische, die ein paar Trophäenjäger haben züchten und aussetzen lassen, um sie zum Vergnügen zu jagen. Und die drei Monster machen den Helden und einer Gruppe von Sumpfbewohnern das Leben schwer …

Mark A. Z. Dippé ist ja auch so eine tragi(komi)sche Hollywoodfigur: Als FX-Mann hat er immerhin bei solchen Filmen wie ABYSS, TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY oder JURASSIC PARK mitgearbeitet, sein Regiedebüt, die Comicverfilmung SPAWN, war seinerzeit ein Prestigeprojekt, das ihm einigen Ruhm hätte bringen können. Leider war SPAWN jedoch ein ziemliches Fiasko und Dippés Regielaufbahn damit schon wieder beendet. FRANKENFISH, fürs Fernsehen produziert, war sein letzter „richtiger“ Spielfilm und ist natürlich nicht geeignet, ihn als Filmemacher zu rehabilitieren, auch wenn so ein Monsterfilm ja eine gute Gelegenheit bietet, zu beweisen, dass man das anspruchslose Unterhaltungskino einigermaßen draufhat. Aber Dippé war offenbar selbst nicht richtig überzeugt davon: Zu langweilig und über weite Strecken zu vorhersehbar ist dieses CGI-Fischragout geworden, zu routiniert runtergefilmt, um irgendwie zu beeindrucken. Ja, das erste Drittel, das FRANKENFISH wie einen Polizeifilm beginnen lässt, ist ganz ordentlich und das Belagerungsszenario um die in den Sümpfen liegenden Hausboote profitiert erheblich durch sein schönes Setting. Die Fischeffekte schwanken zwischen brauchbar und mäßig, scheitern letztlich vor allem am wenig beeindruckenden Fischdesign, das das gefräßige Monster als einen übergroßen Karpfen realisiert, der dank normaler Lungen aber auch an Land hüpfen kann. Ich muss nicht erwähnen, dass die Probleme mit diesem Einfall nicht aufhören. Nach 75 kurzen Minuten ist der Spuk vorbei und man kann nur staunen, wie wenig davon übrig bleibt. Dippé vergisst beim Kochen bestimmt auch immer mit Salz und Pfeffer abzuschmecken.

Der  verrückte Wissenschaftler Dr. Preston King (Jeffrey Combs) hat auf einer einsamen Insel ein Mittel gefunden, den Menschen von vielen Krankheiten, ja vielleicht sogar von der Sterblichkeit selbst zu befreien. Doch die Kreuzung menschlicher Zellen mit den widerstandsfähigen Haifischzellen hat ein noch augenfälligeres Resultat nach sich gezogen: Kings eigener krebskranker Sohn Paul fristet als gefräßiges Mischwesen aus Mensch und Hai ein trauriges Schicksal und seine zahlreichen Artgenossen machen sogleich Jagd auf Kings Kollegen, die dessen Errungenschaften nicht gebührend zu würdigen wissen …

Ich habe ja ein ausgesprochenes Faible für solche DTV-Monsterfilme und das Cover dieses Exemplars, das der einstige Seagal-Kollaborateur Oblowitz eingekurbelt hat, sah einfach zu verlockend aus, um nicht irgendwann seinem Reiz zu erliegen. So schön wie der gemalte Haimann auf der DVD-Hülle sieht der Sharkman des Films leider nicht aus, aber die superkurzen Einstellungen, die man von ihm erhaschen kann, geben auch keinen vollständigen Aufschluss darüber, ob die Effekte nun nur nicht ganz so berauschend oder aber doch total beschissen sind. Mit einer bunten Mischung aus ins Bild gehaltenen Gummiprops, eines ab und zu bedeutungsvoll ins Bild glotzenden Hammerhaiauges sowie der rasend schnell geschnittenen CGI-Fetzen wird die Illusion eines Mannes mit Haifischkopf jedoch so würdevoll wie unter den gegebenen Voraussetzungen möglich bewerkstelligt.

Aber an anderer Stelle funktionieren die Tricks nicht mehr bzw. hätte man solche dringend nötig gehabt, um die gigantischen Mängel des Films zu kaschieren. Wie viele Haifischmänner auf der Insel eigentlich unterwegs sind, wird nie so ganz klar, und dass die Kameraarbeit, die mancher vielleicht „suggestiv“ nennen könnte, die aber einfach nur unübersichtlich ist, den Eindruck erweckt, der Haifischmann springe zur Abkühlung gern auch mal in eine Pfütze, aus der er dann arglose Wanderer erschrecken kann, war wohl auch nicht im Sinne des Erfinders. HAMMERHEAD: SHARK FRENZY ist also richtig schön stulle, wie sich das für so einen Film gehört. Ein mittlerweile wie ein Außenhandelsvertreter aussehender William Forsythe gibt den eher unwahrscheinlichen Helden mit dem stattlichen Bierbauch (und erinnert damit an die Katastrophenfilme der Siebzigerjahre, in denen ja auch mit Vorliebe Männer jenseits der Fünfzig die Kartoffeln aus dem Feuer holen mussten), der Gehilfe von King trägt nach einem Unfall zu Beginn den ganzen Film über denselben blutverschmierten Verband um die Hand und seinen Henchmen gelingt es auch mithilfe von Zielfernrohren nicht, die Helden abzuknallen oder auch nur zu verletzen, als diese förmlich auf dem Präsentierteller sitzen. Die Logik des Films ist wirklich rührend: Ein wichtiger Plotpunkt besteht etwa darin, dass die Helden dem Labor Kings entfliehen und nach einer Möglichkeit suchen, die Insel zu verlassen. Als der Film eine halbe Stunde damit zugebracht hat, alle Fluchtwege zu verbauen, dreht man also kurzerhand um und kehrt ins Labor zurück, weil Angriff schließlich die beste Verteidigung ist. Nur in einem solchen Film ist es auch möglich, dass zwei Figuren auf der Suche nach dem höchsten Ort der Insel, von dem aus sie einen Funkspruch absetzen können, direkt an der Küste fündig werden, auf einer ca. drei Meter über dem Meeresspiegel liegenden Düne, von der aus man einen herrlichen Blick auf die im Landesinneren liegenden Bergketten hat. Alles in allem hat HAMMERHEAD: SHARK FRENZY also genau das geboten, was ich mir davon erhofft habe: Ein bizarres Monster, ein bisschen Blut, behinderte Ideen und ein Jeffrey Combs im Overdrive. Gute Sache!

Während eines Urlaubs begleitet der in Südostasien stationierte Marine Joe Linwood (Ted DiBiase) seine Frau Robin (Lara Cox) zur Einweihung eines Luxus-Urlaubsresorts in Thailand, das ihr Chef Darren Conner (Robert Coleby) sehr zum Missfallen einer Gruppe terroristischer Separatisten hat errichten lassen, die den amerikanischen Imperialisten einen Denkzettel verpassen wollen. Sie stürmen die Anlage, nehmen die Gäste als Geisel und erpressen ein Lösegeld. Doch sie haben die Rechnung ohne Joe gemacht, der fest entschlossen ist, seine Frau aus den Fängen der Schurken zu befreien …

DIE HARD im Robinson Club: So oder ähnlich könnte man THE MARINE 2 in eine griffige Formel fassen. Die spektakuläre Kulisse wird von Reiné in tollen Bildern eingefangen, die denkbar einfach zusammenzufassende Handlung verkommt demgegenüber fast zur Staffage. Und am Ende der 90 Minuten wundert man sich, wie Reiné es geschafft hat, anlässlich dieser doch geradezu idealtypisch auf die Gelegenheit, viel kaputtzumachen, hinkonstruierten Handlung, der Versuchung zu widerstehen, THE MARINE 2 lediglich als endlose Ballerorgie zu inszenieren.

Ausufernde Actionszenen sucht man demzufolge vergebens, es dauert gut 25 Minuten, bis Reiné die Exposition hinter sich gebracht hat, und trotzdem darf man THE MARINE 2 als kleinen Triumph des B-Actionfilms ansehen, weil er Bilder von beeindruckender Klarheit schafft. Die Zeitlupensequenz, in der der Protagonist und ein weiterer Kämpfer zwischen explodierenden Handgranaten hindurch flüchten und ein wahrer Funkenregen über ihnen herniedergeht, kann ich nicht anders als „poetisch“ nennen. Solche Momente gibt es einige, die diesen kleinen Film im Rückblick als ziemlich groß erscheinen lassen. Genau erklären kann ich das auch nicht. Genauso wenig wie den Charme übrigens, der von Ted DiBiase ausgeht: Eigentlich könnte man dem böswillig unterstellen, auszusehen, als sei er von zu viel Anabolika verblödet. Ein Beefhead, wenn es jemals einen gab. Aber dann strahlt er auch wieder eine lausbubenhafte Unschuld aus – ein bisschen so, als hätte man den Kopf von Judge Reinhold auf den Körper von Ralf Möller verpflanzt –, die perfekt für den Film ist, dem die nihilistische Grimmigkeit anderer Actionfilme der letzten Jahre total abgeht. Rätselhaft, aber wunderschön.

Der Gangster Carl Lucas (Luke Goss) erhält von seinem Chef Marcus Kane (Sean Bean) den Auftrag, eine Bank zu überfallen. Das Ding geht schief und so landet Lucas wegen Polizistenmords auf Terminal Island, einem Hochsicherheitsknast auf hoher See. Dort hat der Fernsehsender der Weyland Corporation unter der Leitung der ehrgeizigen September Jones (Lauren Cohan) eine neue Gameshow namens „Death Match“ installiert, bei der sich die Häftlinge in einer Arena in Kämpfen auf Leben und Tod gegenüberstehen. Als die Quoten sinken, wird aus „Death Match“ spontan „Death Race“: ein quer über die Insel laufendes Autorennen mit aufgemotzten Boliden. Dem Gewinner winkt die Amnestie. Carl kommt eine wichtige Rolle bei diesem Rennen zu, doch muss er nicht nur gegen seine Kontrahenten antreten, sondern auch gegen die Killer Marcus Kanes, der befürchtet, sein Schützling können gegen ihn aussagen …

Viel Plot für einen kleinen Neunzigminüter. DEATH RACE 2 hält sich demzufolge nicht lange mit seinen vielen Ideen auf, rast ähnlich schnell und unaufhaltsam durch die Twists und Turns des Drehbuchs wie die martialischen PS-Schleudern im klimaktischen Autorennen. Das geht zulasten der Charaktere, die ziemlich eindimensional geraten sind und nur wenig von sich preisgeben. Ein Makel, der sich aber leicht verschmerzen lässt, weil Roel Reiné, der sich in den letzten Jahren zu einer echten Größe auf dem Sektor der DTV-Action gemausert hat, weiß, wie man krachige Actionszenen zu inszenieren hat. Wer die Schnauze voll hat von pixeligen Explosionen oder billigem CGI-Pfusch, wo er echte Materialschlacht erwartet, der wird an DEATH RACE 2 jedenfalls seine helle Freude haben. Hier darf Mann noch Mann sein, Autos werden mit unheiliger Lust in ihre Bestandteile zerlegt oder feurig in einen anderen Aggregatszustand überführt und die Kamera ist damit beschäftigt, von dieser Zerstörungsorgie die schönsten Bilder zu liefern. Ein Fest fürs Auge.

Die Frage, wie sich das Sequel des Remakes von Paul Bartels Exploitationklassiker DEATH RACE 2000 zu diesem verhält, ist vor diese Hintergrund durchaus zu vernachlässigen, zumal ich sie eh nicht beantworten kann, da ich mich bislang erfolgreich um P. W. Andersons Film gedrückt habe. Wie die Einführung des Frankenstein-Charakters (David Carradines Rolle in Bartels Film), die Roel Reiné in den letzten zehn Minuten Film noch vornimmt, einzuordnen ist, weiß ich also auch nicht. Aber das ist auch egal, weil das in diesem Fall einfach eine schöne, das Original angemessen wüdigende Verbeugung ist, die ich kaum erwartet hatte, wo sich die meisten der in den vergangenen Jahren veröffentlichten Remakes doch eher geschichtsvergessen gegenüber ihren Inspirationsquellen gegeben haben. Das Fazit kann also nur lauten: Dicke Empfehlung für Action-Enthusiasten. (Und Fans der Achtzigerjahre-Boygroup Bros können zudem mal gucken, wie sich einer ihrer Schwärme von einst als Actionhauptdarsteller so schlägt.)

Der mexikanische Agent „Machete“ (Danny Trejo) muss dabei zusehen, wie seine Frau vom Drogengangster Torres (Steven Seagal) umgebracht wird, die folgende, eigene Hinrichtung überlebt er jedoch und taucht Jahre später im politisch umkämpften texanisch-mexikanischen Grenzland auf der Seite der USA wieder auf. Dort wird er vom schmierigen Michael Booth (Jeff Fahey) beauftragt, Senator John McLaughlin (Robert De Niro) umzubringen, der einen elektrischen Grenzzaun errichten will, um illegale mexikanische Immigranten abzuwehren. Machete nimmt den Auftrag an, doch dann kommt ihm  bei der Erschießung jemand zuvor. Mithilfe der Polizeibeamtin Sartana (Jessica Alba) kommt er einem Komplott auf die Schliche, hinter dem niemand Geringeres als sein Erzfeind Torres steckt …

MACHETE ist, so viel sollte bekannt sein, das von einigen herbeigesehnte Spin-off eines zu GRINDHOUSE-Tagen frenetisch gefeierten Fake-Trailers von Robert Rodriguez, mit dem der Regisseur seinerzeit amerikanisch-mexikanischer Exploitation und dem Chicks-with-Guns-Subgenre Tribut zollte. Das Auswalzen dieses Trailers auf Spielfilmlänge gelingt Rodriguez vor allem dadurch, dass er seine Geschichte um den mexikanischen Supermann mit der Machete mithilfe vieler schillernder Nebenfiguren aufbläst. Durchaus zum Vorteil des Zuschauers: Die Auftritte von Robert De Niro, der hier zum ersten Mal seit x Jahren von seiner totgerittenen Masche des grimmigen Hardliners abweicht (OK, ein Hardliner ist er hier auch), von Don Johnson als Anführer einer Gruppe von Vigilanten, die die Grenze nach illegalen Einwanderern absuchen, oder von Seagal, der sich für weitere bizarre Schurkenrollen empfiehlt, lassen einem das Herz aufgehen und über das große, große Manko des Films hinwegsehen: Im Grunde seines Herzens ist Rodriguez nämlich ein richtiger Mainstreamer.

Wenn er in der Eröffnungssequenz das Bild mit entsprechenden Effekten auf alt trimmt, um das Siebzigerjahre-Bahnhofskino-Flair zu erzeugen, um das es in MACHETE ja nicht zuletzt geht, diese Sequenz dann aber mit deutlich als solchen zu identifizierenden CGI-Splattereffekten würzt, den erzeugten Eindruck somit selbst wieder zerstört, dann ist damit schon gesagt, woran es MACHETE mangelt: an Authentizität und einer gewissen Selbstdisziplin. Vom Kanon bizarrer Billigfilme, den ja auch Spezi Tarantino regelmäßig herunterbetet, hat sich Rodriguez vor allem bildlich inspirieren lassen: der tätowierte, vernarbte Ex-Federal-Agent mit Machetenvorliebe, der rassistische texanische Politiker, die heiße Blonde mit dem Vaterkomplex, die sich zum Schluss von der Hure in eine Heilige verwandelt (Lindsay Lohan überraschend freizügig), der griechische Hitman Osiris Amanpour (Tom Savini in einer Nebenrolle), die einäugige Amazone mit dem Riesenballermann (Michelle Rodriguez darf die Apotheose ihres eigenen Rollenklischees geben), der sonnenbebrillte Cowboy mit den Koteletten. Diese Figuren verquirlt Rodriguez zu einer Geschichte, die aller angeblicher Anstößigkeit zum Trotz erstaunlich glatt rüberkommt und nur wenig von der elliptischen, antiklimaktischen Holprigkeit jener Filme hat, die doch eigentlich referenziert werden sollen.

Diese Glätte kann man nicht zuletzt auf den Jessica-Alba-Charakter zurückführen, der dem eigentlichen Protagonisten Machete zur Seite gestellt wird, um dem Durchschnittskinogänger, der sich schwer tut, einen 60-jährigen, über und über tätowierten und verlebten mexikanischen Ex-Knacki, den er zudem nur aus Nebenrollen kennt, als Identifikationsfigur zu akzeptieren. Die Illusion, einen schmierigen Bahnhofskinofilm zu sehen, verflüchtigt sich spätestens, wenn Alba auf dem Bildschirm erscheint und langweilige Dialogszenen Exposition betreiben sollen, mit der sich die Vorbilder nie lang aufgehalten haben. Das ist typisch für den Film, der bei allem Exzess strukturell völlig steif und leblos wirkt, noch jedes kleine Plothole zu stopfen und alle Figuren mit einer schönen Motivation auszustatten versucht, anstatt sich um solchen wohlfeilen Quark einfach einen Dreck zu scheren.

Vielleicht tut man MACHETE aber auch Unrecht, wenn man ihn auf seinen Referenzcharakter reduziert. Seine Story, in der ein Mexikaner einen rassistischen Politiker umbringen soll, damit die US-amerikanische Wirtschaft weiterhin von den billigen Arbeitskräften, die illegale mexikanische Einwanderer nunmal sind, profitieren kann, ist deutlich brisanter, als es der vordergründig auf Spaß und Thrill gebürstete Film vermuten lässt. Ich habe mich streckenweise schon ganz gut amüsiert mit MACHETE, aber irgendwie fällt mir doch vor allem ein Wort zu ihm ein: Brav. Das ist denkbar weit am Ziel vorbei.