images (robert altman, großbritannien/irland/usa 1972)

Veröffentlicht: Mai 2, 2011 in Film
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Cathryn (Susannah York) ist Schriftstellerin von Fantasyromanen und verheiratet mit Hugh (Rene Auberjonois), der den zunehmenden Wahn seiner Frau nicht erkennt: Cathryn ist umgeben von Personen, die ihrer Vorstellung entspringen, sie mit Anrufen belästigen oder sie in der eigenen Wohnung bedrängen. Da ist zum einen Rene (Marcel Bozzuffi), mit dem sie einst einen Seitensprung hatte, der aber seit drei Jahren tot ist, ein Doppelgänger ihrer selbst sowie der Lustmolch Marcel (Hugh Millais), der die attraktive Frau als willfähriges Objekt betrachtet. Während eines Aufenthalts in einem abgeschiedenen Ferienhaus in Irland eskaliert die Bedrängung durch eingebildete und echte Personen, sodass Cathryn keine andere Möglichkeit sieht, als die Plagegeister umzubringen. Doch hat sie die richtigen Opfer erwischt?

Nach chronologischer Reihenfolge wäre nach THIEVES LIKE US eigentlich CALIFORNIA SPLIT oder NASHVILLE drangewesen, stattdessen springe ich zwei Jahre in die Vergangenheit, um mich Altmans Psychothriller/Horrorfilm zuzuwenden, der zu seinen weniger bekannten Werken gehört und bei seiner Veröffentlichung weitestgehend unbeachtet blieb. Zwischen MCCABE & MRS. MILLER und THE LONG GOODBYE entstanden, weicht IMAGES formal recht stark von Altmans zuvor etabliertem Stil ab: Das Personeninventar ist mehr als übersichtlich, was auch das Kauderwelsch aus sich vermischenden Dialogen minimiert, und anstatt wie bisher einen Einblick in eine lebendige Gemeinde und ihren Lebensraum zu ermöglichen, blendet Altman einen breiteren gesellschaftlichen Kontext diesmal vollkommen aus. Hinweise auf die Hintergründe von Cathryns Psychose bleiben sporadisch und dienen lediglich als Anhaltspunkte, können das Ausmaß ihrer Krankheit aber nie ganz erklären. So bezieht IMAGES seinen Reiz weniger aus einer lückenlosen Rekonstruktion von Cathryns psychischer Disposition, sondern eher aus deren filmischer Umsetzung.

Altman bindet die drei eingebildeten Personen zuerst über Telefonanrufe über die Tonspur ins Geschehen ein, bevor er sie dann leibhaftig auftreten und mit Cathryn in Kontakt treten lässt. Dank der famosen Kameraarbeit von Vilmos Zsigmond, der IMAGES, inspiriert von der irischen Landkulisse, in herbstlicher Pracht erstrahlen oder besser vor sich hin glimmen lässt, gelingt es hervorragend, das Neben- und Miteinander von „echten“ und „eingebildeten“ Personen in Cathryns Kopf und ihrem Haus zu visualisieren. Wer nun aus Fleisch und Blut ist und wer nur eine Ausgeburt von Cathryns Fantasie, lässt sich bald auch für den Zuschauer nicht mehr genau auseinanderhalten: Man kann kranken Menschen eben nicht in den Kopf schauen. Entscheidend für den totalen Absturz Cathryns scheint ihre eigene Spaltung zu sein: Kurz bevor sie an ihrem Ferienhaus ankommt, sieht sie sich selbst aus der Ferne dort eintreten; Altman verschiebt die Perspektive daraufhin von der einen Cathryn, die schockiert feststellen muss, dass sei eine Doppelgängerin hat, zur anderen, die sich nichts Böses ahnend daran macht, sich in ihrem Haus einzurichten. Die  „echte“ Cathryn sieht man immer wieder als winzigen Schatten auf einem hohen Berg stehen, auf ihr Häuschen und ihre andere Inkarnation herunterblicken, doch sie ist hilflos: Ein großartiges Bild für den Verlust von Kontext und Überblick, der es Cathryn letztlich unmöglich macht, noch zwischen Einbildung und Realität zu unterscheiden. Sie ist gefangen in ihren Wahnvorstellungen.

Was sich hier jetzt wahrscheinlich kompliziert und rätselhaft anhört, erscheint beim Sehen eigentlich immer sehr klar: Natürlich muss manches Detail unerklärt bleiben, doch das kennt man ja aus vergleichbaren Filmen, etwa aus Polanskis REPULSION oder Bavas SHOCK, die im Doppel- oder Dreierpack mit IMAGES, dessen dissonant-percussiver Score einem die Nackenhaare zu Berge stehen lässt, einen ziemlich beunruhigenden Filmabend ergäben. Vielleicht betrachtet man IMAGES am besten als Fingerübung des Regisseurs, als Abweichen vom eingesschlagenen Karrierepfad: Der spielerische (oder gar therapeutische?) Charakter des Films, der sich darin entbirgt, dass Charaktere die Vornamen der beteiligten Darsteller tragen oder Cathryns Buch, aus dem sie während des Films per Voice-over vorträgt, tatsächlich ein Kinderbuch aus der Feder von Hauptdarstellerin Susannah York ist, mag IMAGES die ganz großen Weihen vorenthalten, ein visuell und atmosphärisch faszinierender Film ist er trotzdem geworden.

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