the evil (gus trikonis, usa 1978)

Veröffentlicht: Mai 12, 2011 in Film
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Der hoch geschätzte Psychologe C. J. Arnold (Richard Crenna) und seine Kollegin und Frau Caroline (Joanna Pettet) kaufen ein sagenumwobenes Haus,  um dort ein Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige aufzubauen. Schon kurz nach der Ankunft glaubt Caroline eine übernatürliche Präsenz zu spüren, doch ihr Mann schenkt ihr keine Beachtung. Als eine Gruppe von künftigen Mitarbeitern – darunter Prof. Raymond Guy (Andrew Prine) – und Patienten eintrifft, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen, verstärken sich die unerklärlichen Phänomene, die dann völlig eskalieren, als C. J. eine versiegelte Tür im Keller öffnet. Einer nach dem anderen fällt einer bösen Macht zum Opfer …

Gus Trikonis THE EVIL speist sich aus einer ganzen Reihe von Vorlagen: Das Haunted House ist ein uraltes Motiv der Literatur- und auch der Filmgeschichte, das Robert Wise 1963 mit THE HAUNTING modernisierte, indem er es zum Dreh- und Angelpunkt des Konflikts zwischen der Ratio der Wissenschaft und dem tief im Menschen verankerten Aberglauben machte. Trikonis orientiert sich mit seinen akademisch gebildeten Protagonisten an dieser Vorlage, ohne jedoch das genannte Dilemma allzu weit in den Mittelpunkt zu rücken: Die Skepsis des Rationalisten muss man hier eher mit dem physikalischen Trägheitsgesetz in Verbindung bringen, weil sie  lediglich dazu dient, eine im Frühstadium noch mögliche Rettung so lange hinauszuzuögern, bis es schließlich zu spät ist. Dennoch kommt es zu einem aufgeheizten Dialog zwischen dem sich gegen die Annahme eines Spuks wehrenden C. J. und seinen weniger festgefahrenen Helfern, in dessen Verlauf der Wissenschaftler erkennen muss, dass es den von ihm vertretenen Prinzipien nicht widerspricht, das Undenkbare – frei nach Arthur Conan Doyle – als Möglichkeit zu akzeptieren, wenn alle anderen Erklärungen verworfen werden müssen.

Für C. J. wird der Aufenthalt im Haunted House dann in weiterer Folge zum ultimativen Persönlichkeitstest, denn Trikonis verquirlt den Spukhaus-Plot auch noch mit dem in den Siebzigern so angesagten Teufels- und Okkultschnickschnack: Das Böse, das C. J. aus Versehen freilässt, ist kein Geringerer als der Teufel persönlich (Victor Buono). So muss der Psychologe nicht nur hinnehmen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die die menschliche Vorstellungskraft überschreiten, sondern tatsächlich göttliche (und eben teuflische) Kräfte im Kosmos walten. Dass ihn das dann allerdings auch nicht mehr weiter schocken kann, ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass der Auftritt Beelzebubs nicht wirklich überzeugt und den sonst sehr stringenten und dichten THE EVIL kurzzeitig in ein fehlgeleitetes Fantasykammerspiel verwandelt. Diese Zäsur fällt umso stärker auf, als Trikonis über weite Strecken seines Films die doch sehr weltliche und ganz und gar unmystische Zehn-kleine-Negerlein-Dramaturgie des noch im selben Jahr zur vollen Blüte reifenden Slasherkinos bemüht: Eines der Helferlein nach dem anderen wird auf fantasievolle Weise plattgemacht, bis kaum noch jemand übrig ist, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Den ganz großen Einfallsreichtum legt Trikonis bei der Erfindung der Todesarten aber nicht an den Tag, sodass die Szene, in der ein Protagonist von einer fremden Kraft in einen undruchdringlichen Schatten des Hauses gezerrt wird, als schauriges Highlight gelten darf. 

Auch wenn mein letzter Satz einen veritablen Langweiler vermuten lässt, ist THE EVIL doch ein durchaus stimmungsvoller kleiner Gruselfilm, der eindeutig davon profitiert, dass Profis wie Crenna, Pettet, Prine oder Buono auch dümmlichste Dialogzeilen noch überzeugend zu verkaufen wissen und die unspektakuläre Geschichte ohne aufgeblasenes Tam-Tam zu Ende erzählt wird. Dass für Spezialeffekte nicht übermäßig viel Geld vorgesehen war, tut dem Vergnügen keinen Abbruch, auch dann nicht, als man bei einer Geisterattacke deutlich die Schnur im Bild sieht, an der das Opfer „wie von Geisterhand“ durch den Raum gezogen wird. Ein größeres Problem stellt da schon die nach dem ganzen Aufbau doch sehr halbgare Auflösung mit dem schon erwähnten Teufelsauftritt dar: Aber immerhin kann man Trikonis nicht vorwerfen, nichts Neues versucht zu haben. Wer das staubig-verquere US-Horrorkino der Siebzigerjahre zu schätzen weiß, der wird sich auch bei THE EVIL vergnügen und die genannten Schwächen zu verkraften wissen. Gemessen an dem, was der arme C. J. durchzumachen hat, sollte das tatsächlich ein Klacks sein.

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