the dark (john „bud“ cardos, usa 1979)

Veröffentlicht: Mai 25, 2011 in Film
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In L.A. geht ein Serienmörder um: Nacht für Nacht wird Detective Dave Mooney (Richard Jaeckel) mit fürchterlich verstümmelten Leichen konfrontiert, die auf einen Mörder mit Superkräften hindeuten. Nicht nur sein Chef und die Öffentlichkeit sitzen ihm im Nacken, auch der schriftstellernde Ex-Knacki Roy Warner (William Devane), dessen Tochter eines der Opfer des Killers ist, und der auf eigene Faust Nachforschungen anstellt. Der Hinweis des Pathologen, dass der Mörder wahrscheinlich nicht irdischen Ursprungs ist, verkompliziert die Ermittlungen zusätzlich, zumal der einzige nützliche Hinweis von einer Wahrsagerin stammt (Jacquelyn Hyde) … 

Man darf argwöhnen, dass THE DARK, ein Schnarchfest vor dem Herrn, von Anfang an zum Scheitern verurteilt war: Die Geschichte um einen von seinen Eltern vollkommen isoliert von der Außenwelt aufgezogenen Jungen, der sich nach deren Tod in einen Killer verwandelt, wurde kurz vor knapp in einen Science-Fiction-Stoff um ein mörderisches Alien umgemodelt, weil die Produzenten der Meinung waren, dass sich das besser verkaufe, und Regisseur Tobe Hooper nach nur wenigen Drehtagen durch John „Bud“ Cardos ersetzt (der seine „Meisterleistung“ mit KINGDOM OF THE SPIDER hier jedoch meilenweit verfehlt). Es dürfte nur wenige Filme geben, die einen solchen Fuck-up unbeschadet überstehen und THE DARK gehört definitiv nicht dazu. Die ganze Außerirdischen-Thematik passt – wen wundert’s? –  nicht für fünf Cents zur Atmosphäre oder auch nur zur Handlung des Films, dem man zu jeder Sekunde anmerkt, dass er ursprünglich als düsterer urbaner Serienmörderfilm angelegt worden war und die Änderungen in letzter Sekunde mit dem Feingefühl einer Dampframme eingearbeitet wurden. Das „Alien“ ist ein äffisch wirkender Hüne in Straßenkleidung, der nun nicht gerade die idealtypische Verkörperung einer überlegenen intergalaktischen Spezies darstellt, der er laut dem einleitenden Text angehören soll, und daran ändern auch die in der  Postproduction eingefügten Laserstrahlen nichts, die er nun mit seinen Augen verschießt. Trotzdem ist der Showdown, in dem das Monster ein ganzes Dutzend wild herumballernder Polizisten in einer Industrieruine in die ewigen Jagdgründe schickt, der einsame Höhepunkt eines Films, dessen Lahmarschigkeit in krassem Missverhältnis zur Idiotie des Plots steht.

Es ist ja nicht so, dass man nicht auch aus einer bescheuerten Prämisse einen brauchbaren Film machen könnte: Der gesamte Bereich des Exploitationkinos beruht auf dieser Erkenntnis. Aber dafür muss man dann auch bereit sein, dahin zu gehen, wo es wehtut. THE DARK nimmt sich aber viel zu ernst, verbringt seine Laufzeit von 89 Minuten zu 99 % mit langweiligen Dialogszenen, die einem spätestens ab der Hälfte den letzten Nerv rauben, weil die Charaktere angesichts der Last-Minute-Änderungen sowieso auf verlorenem Posten stehen. Am deutlichsten wird das in der Darstellung Devanes, dessen Warner als heruntergekommener Penner mit Fetthaaren, Stirnband und Sonnenbrille eingeführt wird, dem über dem Tod seiner Tochter erstmal ein satter Rülpser entfährt, der seine Trauer dann aber innerhalb von nur einem Tag verarbeitet hat und zum smarten Verführer und Helden mutiert. Auch den zahlreichen anderen Figuren wird ein Raum zugestanden, den ihre Funktion innerhalb des Plots nie rechtfertigt: Richard Jaeckel hat keinen Plan, Cathy Lee Crosby gibt die obligatorische ehrgeizige Fernsehreporterin, die sich mit Warner verbündet, weil sie in der Story eine Karrierechance wittert (gähn!), ihr Chef und Mentor (Keenan Wynn) verschwindet irgendwann einfach so und ein junger Mann, der von der Wahrsagerin gleich zu Beginn des Films als kommendes Opfer des Mörders identifiziert wird, wird vom Drehbuch völlig vergessen, bevor er dann in den letzten 15 Minutend wieder aus dem Hut gezaubert wird, weil man ja irgendwie zum Ende finden muss. Ein Auftritt von MIAMI VICE-Star Philip Michael Thomas als Leader einer Straßengang schließlich ist völlig pointless, weil man ihm gar nicht erst einen zweiten Auftritt gönnt.

Was hätte man aus THE DARK nicht alles machen können? Gut, will man unbedingt etwas Positives über ihn sagen, könnte man ins Feld führen, dass er sich durch seine Verfehlungen wenigstens von den 1.000 anderen generischen B-Movies unterscheidet, er außerdem exzellent besetzt ist, über einen erstklassigen Score verfügt, der in bester Goblin-Manier keucht, stöhnt und ächzt, und von Shriek Show einen exzellenten Transfer spendiert bekommen hat, der einen unweigerlich an die Redensart denken lässt, die sich um das Verwandeln von Scheiße in Gold dreht. Ach ja, das Coverartwork ist auch ziemlich geil. Sich dieses 90 Minuten lang anzuschauen, ist aufregender als der Film.

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