incubus (john hough, kanada 1981)

Veröffentlicht: Mai 31, 2011 in Film
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In einer Kleinstadt werden mehrere Frauen brutal vergewaltigt und umgebracht. Die Polizei in Vertretung von Hank Walden (John Ireland) und der zuständige Mediziner Dr. Sam Cordell (John Cassavetes) stehen vor einem Rätsel. Es gibt keinerlei Spuren und das gefundene Sperma scheint nicht menschlichen Ursprungs zu sein. Als Tim (Duncan McIntosh), der Freund von Cordells Tochter Jenny (Erin Noble), gesteht, dass die Sexualmorde zeitlich mit einem wiederkehrenden Albtraum von ihm zusammenfallen, ist Cordell davon überzeugt, dass die Verbrechen einen metaphysischen Hintergrund haben …

Der beknackt-geschmacklosen Story steht eine Umsetzung gegenüber, der man die Scheu des Regisseurs anmerkt, kopfüber in die Jauche abzutauchen, aus der der zugrunde liegende Roman von Ray Russell geborgen wurde. John Hough hatte sich zuvor einen Namen mit mehreren Beiträgen zur Kultserie THE AVENGERS sowie mit dem Hammer-Film TWINS OF EVIL und dem THE HAUNTING-Epigonen THE LEGEND OF HELL HOUSE gemacht, allesamt dezent poppige Variationen traditioneller Genrestoffe, deren Geist sie mit ihrer gediegenen Inszenierung immer noch verpflichtet blieben. (Er drehte außerdem den Car-Chase-Film DIRTY MARY CRAZY LARRY, einige Disney-Kinderfilme, mit BIGGLES den Versuch eines britischen Sci-Fi-Blockbusters und den hübschen AMERICAN GOTHIC.)  INCUBUS erforderte hingegen eigentlich das Gegenteil von Gediegenheit: Die Geschichte um einen Dämon, der sich durch Albträume manifestiert und daraufhin Frauen zu Tode vergewaltigt, ist schließlich aus genau jenem Stoff, aus dem wilder Trash gemacht ist – und für den ist Hough sichtlich der falsche Mann gewesen. INCUBUS zeichnet sich durch einen eher langsamen Spannungsaufbau und das Bemühen um eine gewisse Plausibilität aus, doch sind diese Mittel angesichts der wilden Story merkwürdig fehl am Platze. Das scheinen auch Cassavetes und Ireland gespürt zu haben, die beide nicht gerade den Eindruck erwecken, als hätten sie volles Vertrauen in die Anweisungen ihres Regisseur gehabt: Beide agieren ratlos bis irritiert, Ireland sieht in seiner Requisitenuniform zudem aus, als käme er von einer Karnevalssitzung, und es ist ein Wunder, dass beide angesichts der haarsträubenden Geschichte ernst bleiben konnten. Nun könnte diese innere Widersprüchlichkeit durchaus die Basis für einen spaßigen Grenzgänger sein, doch dafür wird sie nicht offensiv genug mitinszeniert: Hough war offensichtlich der Meinung, er könne den Stoff zum ernsten Suspense-Grusler ummodeln. So kommt eigentlich immer nur in den Mordszenen Stimmung auf, in denen die Zügel zwangsläufig schleifen gelassen werden.

Eine besonders bizarrer Mord spielt auf der Toilette eines Kinos ab, in dem sich eine Horde Punks einen reichlich strangen Musikfilm mit einer Haarspray-Metal-Kapelle anschaut. Das Eigenartige an dieser Szene ist, dass man als Zuschauer erst nachträglich begreift, dass da ein Film gezeigt wird: Ich dachte, die wohnen einem Konzert oder einer Theateraufführung bei. Erst zum Ende entfaltet INCUBUS dann sein trashiges Potenzial: Der Rationalist Cordell hat überhaupt keine Probleme damit, die ja lediglich behauptete und letztlich unbeweisbare Gleichzeitigkeit von Morden und Albträumen als Fakt hinzunehmen und von dieser auf einen metaphysischen Vergewaltiger zu schließen, als sei dies eine Selbstverständlichkeit. Und die Polizisten, die angesichts solchen Aberglaubens nur die Augen rollen können, werden als unverbesserliche Sturköpfe dargestellt, die das Leben Unschuldiger wider der „klaren“ Beweislage in Kauf nehmen. Prust! Dabei hat Cordell auch rhetorisch schlagende Argumente am Start: „I swear to God, there’s gonna be a rape tonight!“ – mit Leichtigkeit der schönste Moment des Films, wenn man von dem dann doch ziemlich tollen visuellen Zirkelschluss absieht, mit dem der Film schließt. Da ist man dann doch ziemlich traurig, dass es in den 90 vorangegangenen Minuten nur so wenig Grund zum Enthusiasmus gab.

Kommentare
  1. Alex sagt:

    Ah, den hatte ich hier auch schon eine Weile herumliegen und habe deine Besprechung jetzt mal zum Anlaß genommen, den anzuschauen. Stehe ihm grundsätzlich etwas wohlwollender gegenüber, aber ich habe auch ein Faible für 60er/70er-Jahre-Okkult-Schund…der ist zwar von 1981, fühlt sich aber eher wie ein 70s-Film an, wie das wohl bei vielen Filmen vom Anfang einer neuen Dekade der Fall ist. Deine Kritikpunkte sind freilich alle berechtigt, die Kinoszene läßt sämtliche Signale vermissen, die für eine solche notwendig sind und funktioniert überhaupt nicht, dafür gibt’s immerhin ein dezentes TCM-Poster kurz im Hintergrund. Und ja, kaum auszudenken, was wohl für eine Sauerei rausgekommen wäre, wenn man z.B. einen Italiener wie d’Amato an diesen Stoff herangelassen hätte…

  2. Oliver sagt:

    Ganz schrecklich finde ich den nun auch nicht. Er hat wie gesagt ein paar schöne Einstellungen – die Eröffnung mit der Sonnebadenden im Gegenlicht, der Blick unter einer Tür hindurch auf eine Leiche – und ist wegen seiner Verbindung von Trash und Anspruch schon ganz interessant, wenn die auch – wie beschrieben – nicht funktioniert.

    Das TCM-Poster habe ich auch gesehen. Und links daneben steht auf dem Boden das Plakat von CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS, das mich mal wieder daran erinnert hat, dass ich den auch noch nicht kenne.

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