maniac cop (william lustig, usa 1988)

Veröffentlicht: Juni 1, 2011 in Film
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In New York werden unbescholtene Bürger ausgerechnet von jemandem umgebracht, der sie eigentlich beschützen sollte: einem Polizisten. Der ermittelnde Frank McCrae (Tom Atkins) hat den Verdacht, dass der Mörder sich nicht bloß als Cop verkleidet hat, sondern tatsächlich aus den Reihen des NYPD kommt. Der Verdacht fällt zunächst auf Jack Forrest (Bruce Campbell), dessen Gattin ermordet wurde, nachdem sie ihren Mann im Bett einer anderen Frau erwischt hat. Doch auch nach Jacks Inhaftierung reißt die Mordserie nicht ab. Die Spur führt zu dem wegen seiner Methoden verurteilten Ex-Cop Matt Cordell (Robert Z’Dar), doch der sollte eigentlich längst tot sein …

MANIAC COP hat es zwar auf immerhin zwei Sequels gebracht, deren Existenz ja schon als Indikator dafür fungiert, dass Regisseur Lustig und Drehbuchautor Cohen einen Nerv beim Horror-Publikum getroffen hatten. Der Maniac Cop Matt Cordell hat seinen Platz im Pantheon der in den Achtzigerjahren so populären Slasherfiguren sicher, auch wenn er sich dort mit einem der billigeren Plätze zufrieden geben muss. Ich fand ja schon immer, dass der Film sein Potenzial nicht ganz ausschöpfen, die Erwartungen, die an eine Zusammenarbeit von Lustig und Cohen zwangsläufig geknüpft werden müssen, nicht ganz erfüllen kann und diese Meinung hat sich auch bei dieser ersten Sichtung seit einigen Jahren wieder bestätigt: Aber irgendwie macht ihn auch gerade das für mich so liebenswert und hebt ihn von den zahlreichen anderen seriellen Filmkillern, die die Willkommensfreude im Laufe ihrer zahlreichen Wiederauferstehungen gnadenlos überstrapazierten, positiv ab.

Cohens finstere Story um einen No-Nonsense-Cop, der für sein hartes Durchgreifen bestraft wird und es im Gefängnis schließlich mit genau jenen Subjekten zu tun bekommt, die er zuvor mit der Macht des Gesetzes ausgestattet drangsaliert hatte, daraufhin für tot erklärt wird, nur um dies dann für einen persönlichen Rachefeldzug gegen die Polizei zu nutzen, ist ohne Zweifel von der aufgeheizten Stimmung im New York der Prä-Giuliani-Ära mit ihrem Zero-Tolerance-Großreinemachen geprägt (und darüber hinaus eine schlagfertige Überspitzung der Tough-Cop-Filme der Siebzigerjahre). Cohen – einer der essenziellen New-York-Filmemacher – verfügt über ein ausgezeichnetes Gespür dafür, soziale Missstände und die aus diesen resultierenden Ängste der Stadtmenschen zum Ausgangspunkt für seine potenten, doppelbödigen und intelligenten, niemals aber verkopften Genrefilme zu machen, und auch MANIAC COP ist da keine Ausnahme: Was wäre, wenn sich in einer Stadt, in der die Straßen nach Einbruch der Dunkelheit kaum noch gefahrlos zu betreten sind, ausgerechnet ein Polizist als größte Bedrohung entpuppte? Lustig setzt diese Angst in der ersten Hälfte des Films, die eben fast ausschließlich nachts spielt, sehr effektiv ins Bild, verzeichnet die Straßen Manhattans ganz im Sinne des düsteren Crime- und Selbstjustiz-Thrillers  seines Jahrzehnts zum Kriegsschauplatz (hier müssen Lustigs VIGILANTE und MANIAC unbedingt genannt werden). Man merkt dem Film in jenen Szenen an, dass seine Urheber mit Leib und Seele New Yorker  sind: Der Film erreicht eine Intimität und Authentizität, die durchaus bemerkenswert und keineswegs selbstverständlich ist. Selbst eigentlich unspektakuläre Füllszenen – ein Dialog zwischen McCrae und seinem Kollegen Ripley (William Smith) in einer schummrigen Bar – geraten so unverhofft zum Kern eines Horrorfilms, der mit dieser Etikettierung reichlich unterbewertet ist.

Es ist dann auch die überwiegend mit Plotabwicklung beschäftigte zweite Hälfte des Films, die ihm eines Teils seiner Wirkung wieder beraubt. Wenn der Täter enttarnt ist, mit McCrae plötzlich gar der bisherige Protagonist abtreten muss und Lustig ganz zur Hatz auf das Monster übergeht, die vorher gesichtslose Bedrohung mithin konkretisiert, gliedert sich der Film ins generische Maniac-on-the-loose-Subgenre ein, das eher mit Vordergründigkeiten beschäftigt ist. Vor allem zeigt sich aber in dieser zweiten Hälfte, warum Bruce Campbell nie den Sprung nach ganz oben geschafft hat und seine Brötchen wohl bis ans Ende aller Tage mit langweiliger Selbst- bzw. Ash-Kopie oder selbstreflexiver Fanboy-Fütterung wie MY NAME IS BRUCE fristen wird: Als straighter Held, der keine Gelegenheit zu Slapstick-Verrenkungen erhält, bleibt er vor allem im Vergleich mit Atkins fürchterlich blass. Die in der zweiten Hälfte von MANIAC COP vollzogene enttäuschende Entwicklung lässt sich also ganz explizit an ihm festmachen. Dennoch: Die genannten Stärken von Lustigs Film reichen aus, ihm einen Platz in meinem Herzen einzuräumen. Und ein Film, der sein Versprechen nicht ganz einlösen kann, ist mir immer noch lieber als einer, der erst gar keins macht, das er brechen könnte. Ach ja: Teil 2 und 3 sind bestellt, ick freu mir!

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