what ever happened to aunt alice? (lee h. katzin, usa 1969)

Veröffentlicht: Juni 6, 2011 in Film
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Mrs. Marrable (Geraldine Page) ist am Boden zerstört, als sie erfährt, dass ihr verstorbener Ehemann ihr nichts als Schulden hinterlassen hat, aber sie findet schnell einen anderen Weg, ihre Kasse aufzubessern und ihren Lebensstil beizubehalten: Sie stellt Haushälterinnen ein, die sie zu einem Investment bei ihrem Broker überredet, bevor sie sie dann schließlich ermordet, in ihrem Garten verscharrt und sich ihr Vermögen aneignet. Ihr neuestes Opfer, Mrs. Dimmock (Ruth Gordon), macht es ihr jedoch deutlich schwerer bei der Ausübung ihres teuflischen Plans und das liegt daran, dass sie sich selbst nicht ohne Hintergedanken bei Mrs. Marrable beworben hat …

Der Titel lässt unweigerlich an Robert Aldrichs Klassiker des Mörderische-alte-Frauen-Films WHAT EVER HAPPENDED TO BABY JANE? denken, in dem die alternden Diven Bette Davis und Joan Crawford als streitsüchtiges Schwesternpaar Gelegenheit bekamen, ihre reale Feindschaft auch auf der Leinwand auszutragen, und der Produzentencredit Aldrichs zerschlägt auch noch den letzten Zweifel daran, dass diese Nähe mit purer Absicht gesucht wurde. Wie im großen Vorbild liefern sich auch in WHAT EVER HAPPENED TO AUNT ALICE? zwei ältere Damen ein Psychoduell voller gemeiner, mal mehr und mal weniger versteckter Spitzen und ziehen die Aufmerksamkeit des Zuschauers ganz auf sich: Vor allem Geraldine Page ist herrlich hassenswert als niederträchtige, giftspritzende und gierige Witwe und Ruth Gordon ist sowieso fast immer wunderbar, hat hier aber leider einen undankbaren und außerdem nachlässig geschriebenen Part abbekommen. Dennoch lassen die beiden fast vergessen, dass Lee H. Katzins Film leider nur ein gut gemeintes Plagiat ist. Ich schreibe „fast“, denn Katzin gelingt es einfach nicht, dem Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen mit einer entsprechenden Regieleistung zur Seite zu stehen. Im besten Fall zweckdienlich und zurückhaltend, im schlechtesten ratlos und unbeholfen verschwendet er zu viel Zeit auf unwichtige Nebencharaktere und unterbricht so immer wieder den schleichenden Spannungsaufbau, den dieser Stoff gebraucht hätte. Die versteckte Motivation von Mrs. Limmock wird zu früh aufgedeckt, ohne dass die Gefahr, in der sie schwebt, wirklich greifbar oder durch ihre spätere Enttarnung wesentlich vergrößert würde, und sie selbst übt nie den Druck auf ihre Gegenspielerin aus, der eine Eskalation der Situation unvermeidlich machte. Das Spiel mit den verdeckten, nur für den Zuschauer offenen Karten führt zu nichts und dann geht plötzlich alles ganz schnell. Das nachgereichte böse Ende verfehlt seine Wirkung, weil es wie aus der Not heraus angeklebt wirkt.

Auch wenn sich das jetzt ziemlich böse liest, ist WHAT EVER HAPPENED TO AUNT ALICE? keineswegs ein schlechter Film, aber er hätte eben viel, viel besser sein können, hätte ein versierterer Regisseur als Katzin hinter der Kamera gestanden und das Psychoduell der beiden Frauen konsequent herausgearbeitet. Katzin landete dann auch ein paar Jahre später, nachdem er unter anderem Steve McQueens LE MANS gedreht hatte, beim Fernsehen. Die IMDb gibt mit Bernard Girard noch einen weiteren Regisseur als uncredited an, doch ob und wenn ja wer da wen ersetzt haben könnte, bleibt unklar. Wie auch immer diese Frage beantwortet werden mag: Da auch Girard sich bis zu diesem Film vor allem als Fernsehregisseur hervorgetan hatte, drängt sich der Vergleich der Produzenten mit unentschlossenen Fußballtrainern, die bei eigenem Rückstand kurz vor Spielende einen Stürmer auswechseln, um einen anderen einzuwechseln, förmlich auf. Schade.

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