i corpi presentano tracce di violenza carnale (sergio martino, italien 1972)

Veröffentlicht: Juni 10, 2011 in Film
Schlagwörter:, , , , , , , ,

In Rom geht ein Mörder um, der es vor allem auf die schönen Frauen im Freundeskreis der amerikanischen Kunststudentin Jane (Suzy Kendall) abgesehen hat. Um dem Schrecken zu entfliehen, reist sie mit ihren verbliebenen drei Freundinnen Daniela (Tina Aumont), Ursula (Carla Brait) und Katia (Angela Covello) aufs Land. Doch der Killer folgt ihnen auch dorthin: Ist es Stefano (Roberto Bisacci), der so wenig Glück bei Frauen hat, aber dafür ein Halstuch besitzt, das jenem, mit dem die schöne Florence erdrosselt worden war, sehr ähnlich sieht? Der schweigsame Arzt Roberto (Luc Merenda), ein Arzt, der ebenfalls ein solches Halstuch erworben hat? Der ältere Herr, mit dem Daniela lieert ist und der den Mädchen sein Landhaus zur Verfügung gestellt hat? Oder gar der Kunstprofessor Franz (John Richardson), der ein amouröses Interesse an Jane zu haben scheint?

Dass „die Leichen Anzeichen von körperlicher Gewalteinwirkung zeigen“, wie es der italienische Originaltitel wortreich behauptet, ist gelinde gesagt eine Untertreibung, denn die schönen Damen werden blutig aufgeschlitzt und im Einzelfall sogar mit rausgepuhlten Augäpfeln aufgefunden. Ganz im Gegenteil zum Killer steht Sergio Martino für sauberes Handwerk, das allerdings selten zu echten Begeisterungsstürmen hinreißt, weil es stets zu sehr den bereits von anderen etablierten Regeln verhaftet bleibt. Auch dieser Giallo macht da keine echte Ausnahme: Hervorzuheben sind die Fotografie von Giancarlo Ferrando – eine Begegnung mit dem Killer in einer zwielichtig-nebligen Sumpflandschaft hat es mir besonders angetan -, der Score von den De-Angelis-Brüdern sowie der schöne Bruch in der Dramaturgie, der das letzte Drittel einleitet: Als man sich schon auf ein nervenzerreißendes Stalk’n’Slash mit den vier Mädels und dem lauernden Killer eingestellt hat, beendet ein Schnitt das Leben von dreien ganz abrupt, wechselt die Perspektive zur letzten Überlebenden im Bunde, die am nächsten Tag die Leichen ihrer Freundinnen auffinden und dann entsetzt feststellen muss, dass der Killer sich zwecks Leichenentsorgung (daher auch der deutsche Titel DIE SÄGE DES TEUFELS) noch immer im Haus befindet. Das folgende finale Versteckspiel wertet Martinos Film, der bis dahin eher formelhaft abgelaufen war, noch einmal auf, doch letztlich ist I CORPI PRESENTANO TRACCE DI VIOLENZA CARNALE ein lediglich guter Vertreter eines Genres, das weitaus Spektakuläreres und Originelleres hevorgebracht hat. Die Enttarnung des Täters stellt trotz der angehäuften Verdächtigen keine Überraschung dar und die freudianischen Komplexe, die seinen Taten zugrunde liegen, machen eher den Eindruck, kurz vor knapp aus einem Zeitungsartikel zusammengeklaubt worden zu sein. Ganz hübsch sind die ebenfalls genretypischen Reflexionen zum Thema „Sehen und Gesehenwerden“, die PROFONDO ROSSO aber keinen Zacken aus der Krone brechen können.

Dass Martinos Werk dennoch über einen relativ hohen Bekanntheitsgrad genießt, mag nicht zuletzt an eben seinem internationalen Verleihtitel TORSO gelegen haben, der in Verbindung mit den hübschen, meist nur leicht- oder aber gar nicht bekleideten Euro-Chicks ruppig-schmutzige Unterhaltung verspricht und auf den auch die Zensur hier und da hereingefallen ist. Bis auf zwei, drei sekundenkurze und ziemlich durchsichtige Großaufnahmen von aufgeschlitzen Brustkörben und blutigen Augenhöhlen bleibt TORSO nämlich zumindest hinsichtlich seiner Gewaltdarstellungen aber eher zurückhaltend (was nackte Brüste angeht, ist er weniger zimperlich), sodass ich bei der Erstsichtung vor rund 15 Jahren doch etwas enttäuscht war. Heute hat mir der Film viel besser gefallen: Wer Giallos mag und es zu schätzen weiß, einfach mal „nur“ gut gemachte Unterhaltung zu genießen, der wird bei entsprechend justierter Erwartungshaltung nicht enttäuscht werden. Und den Rest besorgt dann das Zeitkolorit.

Advertisements
Kommentare
  1. Agis Sideras sagt:

    Hab den Text nur überflogen, weil ich den Film bald selbst sehen will, aber kennst du Martinos TUTTI IL COLORI DEL BUIO? Fand ich wegen der Genretranszendierung in Bild und ich glaube auch in Handlung doch sehr bemerkenswert.

  2. Oliver sagt:

    Nee, den kenne ich noch nicht, er ist mir aber schonmal empfohlen worden. Jetzt hat er also zwei Kreuzchen im Sinn. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s