la casa dalle finestre che ridono (pupi avati, italien 1976)

Veröffentlicht: Juni 13, 2011 in Film
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Der Restaurateur Stefano (Lino Capolicchio) wird in die italienische Provinz gerufen, um in einer alten Kirche ein Fresko wiederherzustellen. Es handelt sich dabei um eine besonders makabre Darstellung der Ermordung des heiligen Sebastians, die der örtliche Maler Legnani angefertigt hatte, seinerseits besessen von Tod und Leid bis zu seinem bizarren Selbstmord, der jedoch nie wirklich verifiziert werden konnte. Nicht nur wird Stefanos Arbeit immer wieder sabotiert, er selbst entwickelt eine obsessive Beziehung zum Bild des Malers und zu dessen Geschichte, die ihn weitere Nachforschungen anstellen lässt. Doch das ist in dem kleinen Örtchen nicht gern gesehen …

LA CASA DALLE FINESTRE CHE RIDONO steht auf meiner To-watch-Liste, seit er irgendwann Mitte der Neunzigerjahre in einem Artikel in der Splatting Image als Pupi Avatis Meisterwerk gepriesen worden war. Leider war des Films während des dunklen VHS-Zeitalters nur sehr schwer habhaft zu werden – vor allem in einer verständlichen Fassung –, sodass ich ihn erst jetzt, also mit über zehn Jahren Verspätung, gesehen habe. Aber die Ansicht, dass ein wirklich guter Film es immer wert ist, auf ihn zu warten, habe ich hier ja schon häufiger vertreten – und sie hat sich erneut bestätigt. Obwohl LA CASADALLE FINESTRE CHE RIDONO hier und da (auch in meinen Tags etwa) als Giallo bezeichnet wird, ist Avatis Film doch eher ein makabrer, aber sehr ruhiger Thriller mit Hang zum (Murder-)Mysteryfilm: Die Geschichte um eine Reihe von nie aufgeklärten Morden, die einen Schatten auf eine nur auf den ersten Blick unschuldige und beschauliche Gemeinschaft wirft, der bis in die Gegenwart reicht – ein Standardmotiv der unheimlichen Literatur und des Genrekinos –, wird kurzgeschlossen mit dem Abstieg des Protagonisten in den Wahnsinn, ein Handlungsgerüst, das seinerseits auf eine gewisse filmische Tradition verweisen kann. Zwei Filme fallen spontan als Referenz ein und es ist anzunehmen, dass Avati sich über diese Verwandtschaft durchaus bewusst war: Argentos PROFONDO ROSSO, in dem ebenfalls ein Gemälde eine wichtige Rolle bei der Aufklärung eines Mordfalles spielt, in den der Protagonist verwickelt ist, und Nicholas Roegs DON’T LOOK NOW, dessen Abwärtsspirale ebenfalls mit Restaurationsarbeiten in einer alten Kirche beginnt. Doch wo Roeg und Argento klassische filmisch-narrative Konzepte aufbrechen und die Form vom Inhalt emanzipieren, steht Avati mit seinem LA CASA DALLE FINESTRE CHE RIDONO der Tradition des Erzählkinos noch deutlich näher. Was seinen Film vor allem auszeichnet, sind der ruhige, elegant gezirkelte Spannungsbogen und seine leise suggestive Bildsprache.

Schon lange bevor zu erahnen ist, was sich hinter dem Bildnis St. Sebastians und der Geschichte Legnanis verbirgt, lädt Avati die marode-ruralen Settings seines Films mithilfe der exzellenten Fotografie Pasquale Rachinis (der hier, unglaublich aber wahr, sein Debüt als DoP feierte) mit einer unheimlichen Präsenz auf, die einen auch dann frösteln lässt, wenn eigentlich gar nichts passiert. Es sind nur kleine Details, mit denen er suggeriert, dass leerstehende Räume einst Schauplatz unvorstellbarer Gräueltaten waren, und manchmal kann man gar nicht genau benennen, warum man dieses oder jenes Bild nun genau unheimlich findet. So ruhig LA CASA DALLE FINESTRE CHE RIDONO auch ist, so verquer und beunruhigend kommt er immer wieder daher. Das wird durch das bizarre Finale, mit dem Avati die Grenzen des Vorstellbaren ein ganzes Stück über den erwarteten Rahmen hinausschiebt, noch unterstrichen. Ein großartiger, wunderschöner und trotz seiner Verandtschaftsverhältnisse einzigartiger Horrorthriller, der mich sehr beeindruckt und Lust auf eine Zweitsichtung gemacht hat.

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