l’occhio nel labirinto (mario caiano, deutschland/italien 1972)

Veröffentlicht: Juni 15, 2011 in Film
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Julie (Rosemary Dexter) träumt, dass ihr Liebhaber und Psychotherapeut Luca (Horst Frank) ermordet wird, und erfährt nur wenig später, dass er tatsächlich verschwunden ist. Die Suche führt sie in ein kleines Dorf am Meer, wo sie der charmante Frank (Adolfo Celi) an Gerda (Alida Valli) verweist, die in ihrer Villa einen bunten Haufen exzentrischer Gestalten beherbergt. Als Julie dort ankommt, mehren sich die Zeichen, dass auch Luca dort war – und ermordet wurde …

Erwartet man von einem Giallo schwarze Lederhandschuhe und Messermorde an nackten Frauen, dann wird man von Mario Caianos L’OCCHIO NE LABIRINTO enttäuscht. Zwar wird auch hier wieder reichlich halbverstandener Freud durch den Wolf gedreht, um die Enttarnung des Mörders zu einer möglichst großen Überraschung zu machen, doch mit dem barocken Katz-und-Maus-Spiel der italienischen Thrillerspielart hat dieser seltenere Film nur wenig zu tun. Die fiebrige Albtraumsequenz mit ihren deutschexpressionistischen Schattenwürfen, mit der der Film beginnt und in der Luca von einem unsichtbaren Killer durch ein bizarr verwinkeltes Gebäude gejagt wird, das wie ein vom Großen Alten Cthulhu entworfenes Parkhaus aussieht, täuscht zwar bezüglich der sonnig-bräsigen Atmosphäre, die der folgende Film etablieren wird, verleiht ihm aber deutliche Schlagseite. Auch wenn sich Julie zwischen dem Jetset-Personal des Films in der an einer malerischen Mittelmeer-Felsenküste herrlich gelegenen Luxusvilla tummelt, sich die Sonne auf den Luxusleib brennen lässt und noch gar nicht sicher ist, dass ihr Luca tatsächlich ermordet wurde, vebreitet L’OCCHIO NEL LABIRINTO kein Urlaubsfeeling, sondern eher Gänsehaut. Es ist diese Stimmung zwischen dekadentem Müßiggang, der entspannten Trägheit und Müdigkeit, die einen während eines in der Hitze verbrachten Tages befällt und gemeinsam mit dem Glitzern des Lichts auf den Wellen die Sinne trübt, und dem Wissen, dass die seelischen Abgründe, die sich irgendwo auftun müssen, nur wegen dieser Sinnestrübung nicht ausgemacht werden können, die den Film bestimmt. Der psychedelische Jazzscore unterstreicht diese Stimmung perfekt und sorgt gemeinsam mit der Fotografie von Giovanni Carlo dafür, dass man zusammen mit Julie so richtig eingelullt wird. Richtig aufregend ist L’OCCHIO NEL LABIRINTO nicht: Zu einem Großteil besteht der Film aus den Gesprächen, die Julie mit den Bewohnern der Villa führt, um herauszufinden, was dort passiert ist, die Morde, die beim Giallo sonst ganz zenral sind, sind hier rar und zudem großzügig über den Film verteilt. Caianos Film ist ganz deutlich einer der frühen Siebziger, geprägt von Psychedelia, Pop-Art, freier Liebe und freien Drogen, aber hier stellt sich schon so langsam der Kater ein.

Trotzdem gibt es – neben der erwähnten Auftaktsequenz – einige Szenen, Momente und Einfälle, die aus dem ruhigen Flow des Films herausragen: Der Hausdiener Saro (Benjamin Lev) ist schätzungsweise Mitte 20, wird in der englischen Synchro aber von einem Jugendlichen gesprochen, was den eh schon komischen Charakter endgültig zu einer sonderbaren Erscheinung macht; er kommt in einer der spektakuläreren Szenen des Film feurig zu Tode. Sybil Danning stellt ihren Prachtkörper zur Verfügung, Franco Ressel, der verzweifelnde Kellner aus CONTINUAVANO A CHIAMARLO TRINITÀ, spielt einen tuckigen Komponisten, und eine andere kühle Blonde – eine berühmte Hollywood-Schauspielerin, die sich mit ihrem Schauspielergatten bei Gerda erholt – entpuppt sich als Transsexuelle(r). Toll ist auch das Bild der sich sternförmig in der Sonne aalenden Schickimickis, die ihre Augen allesamt mit weißen Deckeln (haben die Dinger einen Namen?) vor dem Licht schützen und mithin aussehen wie Astronauten im Hyperschlaf.  Der Plot bietet gegen Ende natürlich immer mehr ornamentale Schlenker und schräge Twists auf, aber bei dem Sonnenstich, den man sich bis dahin schon eingefangen hat, bemerkt man das kaum noch. Nicht der Knaller, den ich erhofft hatte, aber trotzdem ein ziemlich eigenständiges Teil, das zudem eine leckere Hauptdarstellerin hat.

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