macon county line (richard compton, usa 1974)

Veröffentlicht: Juli 12, 2011 in Film
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Die USA in den Fünfzigerjahren: In den letzten drei Wochen vor ihrer Einberufung in die Armee wollen die Brüder Chris (Alan Vint) und Wayne Dixon (Jesse Vint) es noch einmal so richtig krachen lassen. Mit ihrem Wagen brechen sie auf zu einer von Hurerei, Sauferei und kleineren Vergehen gesäumten Spritztour durch die Südstaaten, bei der sie auch die Ausreißerin Jenny Scott (Cheryl Waters) aufgabeln. Als die Benzinpumpe versagt, stranden die drei in Macon County, dem Hoheitsbereich von Sheriff Reed Morgan (Max Baer), der keinen Zweifel daran lässt, dass die Kids nicht willkommen sind. Wie es der Zufall will, treiben im County zur gleichen Zeit zwei entflohene Verbrecher ihr Unwesen. Und als diese Morgans Frau ermorden, vermutet der Sheriff sogleich die Brüder hinter der Tat …

MACON COUNTY LINE war einer der Überraschungshits seines Jahrgangs, ein Film, der sich von einem regionalen Phänomen in ein nationales verwandelte, das x-Fache seines winzigen Budgets wieder einspielte und heute als eine jener filmischen Erfolgsgeschichten in den Filmgeschichtsbüchern verzeichnet ist, von denen es in den Siebzigerjahren erstaunlich viele gab. So fremdartig uns diese Geschichte heute, wo sich das Programm des einen Multiplex-Kinos nicht mehr vom anderen unterscheiden lässt, weil alle dieselben Eventfilme abspulen, auch vorkommen mag, so heimisch fühlt man sich sogleich in MACON COUNTY LINE. Die Südstaaten mit ihren rassistischen Ordnungshütern, minderbemittelten Handwerkern, burschikosen Kellnerinnen,  Kautabakkauern, Schwarzbrennern, Latzhosen- und Unterhemdenträgern, Machos, Schlampen, inzestuös verwobenen Familienbanden und ihren maulfaul artikulierten Pejorativen, die aus halbgeöffnetem Mundwinkel auf den staubigen Boden fallen wie langsam glimmende Brandsätze, sind die Region, wo die USA der Hölle am nächsten sind. Fremde, die hier nicht aufpassen, das lehren uns Heerscharen von Exploitern, Horror- und Serienmörderfilmen, geraten schneller unter die Räder/das Messer/die Kettensäge, als ein waschechter Hillbilly braucht, um „The south will rise again“ zu sagen. Insofern betritt Richard Compton mit seinem Film – der auf einem Drehbuch von THE BEVERLY HILLBILLIES-Darsteller Max Baer beruht, der ihn auch produzierte – bekanntes Terrain. MACON COUNTY LINE folgt seinen beiden sympathischen Hauptfiguren durch mehrere Episoden, beschwört dabei aber schon diesen bitter-melancholischen Ton, der unmissverständlich signalisiert, dass die jugendliche Unschuld am Ende nicht das einzige Opfer der geschilderten Vorgänge sein wird.  Der während der ersten Hälfte anscheinend ziellos mäandernde Film ist in Wahrheit ziemlich straff organisiert: Compton bringt alle Elemente in die Position, die er für seinen bitteren Showdown braucht. Der Tod, er ist von Anfang an unausweichlich.

Wenn man die erwähnte Erfolgsgeschichte von MACON COUNTY LINE kennt, dann mutet der Film selbst durchaus etwas unspektakulär an: Das hier ist nicht der ganz große game changer, kein Exploiter für die Ewigkeit, kein riskantes Stück Gegenkultur. Die inszenatorische sophistication fehlt dem Film ebenso, wie dieser innere Drive, der dem Zuschauer sofort klar macht, dass es nicht nur für die Protagonisten, sondern auch für den Regisseur buchstäblich um Leben oder Tod ging. Aber das ist ja auch eine Erkenntnis: Dass Exploitation durchaus auch für erzählerische Zurückgenommenheit und eine gewisse sympathische Selbstzufriedenheit stehen kann.

 

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