the player (robert altman, usa 1992)

Veröffentlicht: August 15, 2011 in Film
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Griffin Mill (Tim Robbins) hat die Aufgabe, für ein Hollywood-Studio geeignete Drehbücher auszuwählen. Als er mit Larry Levy (Peter Gallagher) einen Konkurrenten bekommt und in Folge Gerüchte kursieren, er befände sich auf dem absteigenden Ast, beginnen seine Nerven zu flattern. Eine Reihe von anonym an ihn gesendeten Droh-Postkarten trägt auch nicht zur Stärkung seines Nervenkostüms bei. Ein Treffen mit dem Drehbuchautor David Kahane (Vincent D’Onofrio), den Griffin vor ein paar Monaten abgewimmelt hat und deshalb als Urheber dieser Postkarten vermutet, endet schließlich in einem Handgemenge und der Ermordung des jungen Autors. Von nun an hat Griffin an zwei Fronten zu kämpfen: Er muss sich in der Hierarchie des Studios behaupten und gleichzeitig die bald mit unangenehmen Fragen auftauchende Polizei von seiner Unschuld überzeugen. Dass er eine Liebschaft mit Kahanes Ex-Freundin, der Malerin June Gudmundsdottir (Greta Scacchi), beginnt, macht seine Aufgabe nicht leichter …

THE PLAYER markierte zu Beginn der Neunzigerjahre eine Art Comeback für Robert Altman. Zwar war er in den Achtzigerjahren keineswegs untätig gewesen, doch keiner seiner in diesen Zeitraum fallenden Filme konnte an seine Erfolge aus den Siebzigern anknüpfen – sie floppten sowohl an der Kasse als auch künstlerisch, zumindest in den Augen der meisten Kritiker. Die Bissigkeit und der Spott, mit der er die Filmindustrie in THE PLAYER überzieht, legen die Vermutung nahe, dass er diesen Liebesentzug nicht erwartet hatte und für ungerechtfertigt hielt, die „Schuld“ nicht bei sich suchte, sondern einem mutlosen Studiosystem zuschob, das sich sein Publikum zurechtverdummt hatte. Sein Film ist bevölkert von Speichelleckern und Arschkriechern, hoffnungslosen Egomanen, Materialisten, rücksichtslosen Karrieristen und einfallslosen und noch dazu geschmacksverwirrten Produzenten, die eine Kunstform mit dem Enthusiasmus eines Versicherungsvertreters, der Ehrfurcht eines Grabschänders und dem Feingefühl eines Schrotthändlers traktieren. Es ist demzufolge alles andere als ein Wunder, dass ein solcher Rundumschlag nicht gerade dazu geeignet ist, das Herz des Zuschauers zu erwärmen. Mit dem Protagonisten, dem ebenso rückgrat- wie skrupellosen Griffin, fiebert man dann auch eher qua Konvention mit: Er ist die Figur, die man von Altman aufgezwungen bekommt und dass man ihm für seinen Mord und das darauf folgende feige Sich-um-die-Verantwortung-Drücken sowie das erbärmliche Abservieren seiner Freundin nicht die passende Strafe an den Hals wünscht, sondern vielmehr hofft, dass er entkommen möge, liegt einzig und allein daran, dass einem keine positiveren Alternativen zur Identifikation angeboten werden.

THE PLAYER ist schon ein besonders abgezockter und böser Film, der sich die Liebe, die normalerweise Menschen zukommt, ganz für seine filmischen Injokes, Meta-Referenzen und selbstreflexiven Tricks aufspart, die Altman am Ende zu einem hintersinnigen Zirkelschluss verwebt. Er eröffnet seinen Film mit der Großaufnahme einer Filmklappe und lässt den Zuschauer so gleich zu Beginn dem – vermeintlichen? – Trugschluss aufsitzen, er befinde sich an einem Filmset, den er mit seiner Schlusspointe dann doch wieder als richtig nahelegt, wenn Griffin über einen Film namens „The Player“ nachdenkt, der genau die Geschichte erzählt, der wir soeben beigewohnt haben. Dazwischen kommentiert Altman das Geschehen immer wieder mithilfe von Verweisen auf Filme, lässt seine Figuren während einer langen Einstellung ohne Schnitt über berühmte lange Einstellungen ohne Schnitt diskutieren oder Griffin Filmideen konstruieren, um Lösungsansätze für seine realen Probleme zu erproben. Film und Realität sind in THE PLAYER überhaupt nicht mehr zu trennen, was durch Dutzende von Cameos berühmter Schauspieler, Regisseure, Autoren und Produzenten, die sich selbst spielen, noch bekräftigt wird.

So gesehen ist THE PLAYER durchaus ein Vorbote des ein paar Jahre später durchstartenden Metakinos eines Quentin Tarantino, der ja ebenfalls eine Welt zeichnet, die aus popkulturellen Zitaten und Verweisen zusammengesetzt ist und von Menschen bewohnt wird, die sich vor allem als Popfans oder zumindest -konsumenten definieren. Der Unterschied ist, dass Altman seinem Zuschauer nicht die Ausflucht bietet, sein moralisch bis ins Mark verrottetes Hollywood als in der Fantasie verortete Parallelwelt zu begreifen. Man ahnt, dass die schwachsinnigen Pitches, die hirnrissigen Ideen und halbherzigen Kompromisse, die das Filmgeschäft in THE PLAYER betimmen, keine Erfindung und Halsabschneider wie Griffin keine Ausnahme, sondern genau der Stoff sind, aus dem die hollywood’schen Erfolgsgeschichten sind. Der unverkennbare, ätzende Humor dient ihm nicht zur Distanzierung, sondern dazu, die bittere Wahrheit umso tiefer einsinken zu lassen.

Um zum Schluss zu kommen: THE PLAYER ist ein meisterlich gefertigter Film und stilistisch tatsächlich eine Rückkehr zu den Großtaten seines Regisseurs. Es mag also an einer sich nach nunmehr 20 geschauten Filmen unweigerlich einstellenden Übersättigung meinerseits liegen – Altman-Filme sind immer Altman-Filme und sein Stil ist ebenso wenig variabel wie seine Themen -, dass er mich nicht mehr zu jenen Begeisterungsstürmen hinreißt, die er für meinetwegen NASHVILLE, CALIFORNIA SPLIT, MCCABE & MRS. MILLER, THIEVES LIKE US oder 3 WOMEN von mir geerntet hat. Ich finde, dass er diesen Meisterwerken aus den Siebzigern in THE PLAYER allerhöchstens noch Nuancen hinzuzufügen hat. Und der pastellige Look der frühen Neunziger ist einfach nicht mein Ding. Ich freue mich darauf, meine Zwei-Drittel-Werkschau mit SHORT CUTS demnächst abzuschließen, um mich mit neuer Frische anderen Dingen zu widmen – und THE PLAYER dann vielleicht in ein paar Jahren neu entdecken zu können.

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Kommentare
  1. Whoknows sagt:

    Wobei ich hoffe, „Short Cuts“, mit dem ich dir möglicherweise bei Gelegenheit Konkurrenz machen werde, schneide in deiner Besprechung besser ab als „The Player“. Mir selber sagte Altman’s plötzliche Wiederaufnahme in den Zirkel der „Erlauchten“ auch nicht so übermässig zu, wie er in manchen Kino-Zeitschrften beschrieben wurde – während mich der wunderbare Episodenfilm, der erst noch ohne Froschregen auskommt, schlicht aus den Schuhen hob.

  2. Oliver sagt:

    SHORT CUTS habe ich vor Jahren gesehen und mochte ihn. Er hat sich dann aber in der Rückschau in einen Film verwandelt, an dem mich irgendwas stört, was ich nicht benennen kann. Vielleicht wenn ich ihn demnächst wiedersehe.
    Ich nehme an, du beziehst dich zum Schluss deines Kommentars auf MAGNOLIA: Den fand ich – bis auf Cruise – absolut fürchterlich (das Geheule von Julianne Moore, die Szene, in der alle anfangen zu singen – brrr). Mag aber daran gelegen haben, dass ein Dreistünder in der Spätvorstellung im Kino gegen die aufkeimende Müdigkeit anstinken muss und dabei zumindest bei mir meist verliert. Zuletzt war das so bei INGLOURIOUS BASTERDS.

    • Whoknows sagt:

      Bei mir lag es auch an der kontinuierlich anschwellenden Musik, die ständig zu sagen schien: Achtung, der absolute Höhepunkt naht! Er nahte ja dann auch nach einer geschätzten Ewigkeit und läuterte das hysterische Getue mit göttlichm – ähem – „Regen“. Ich stimme dir aber zu: Die Figur, die Cruise darstellen durfte (und er tat es bemerkenswert gut) war die erfreuliche Ausnahme in diesem von den meisten gelobten Film. Ich habe ihm übrigens drei Chancen gegeben, weil ich mir sicher sein wollte, dass ich nicht ohne Grund zu den Exoten gehöre. 😉

  3. Oliver sagt:

    Jetzt bin ich verwirrt: Dein erster Kommentar sagte mir, du magst MAGNOLIA, dieser hier klingt, als mochtest du ihn nicht. Ja, watt denn nu?

    • Whoknows sagt:

      Meine Schachtelsätze führen leider oft zu Missverständnissen. Ich meinte natürlich, dass ich „Short Cuts“ von Altman im Gegensatz zum „Frosch“-Film, der von manchen zum grössten Episodenfilm aller Zeiten hochgejubelt wurde und wird, von Herzen bewundere. – Diese Jean Paul-Lektüre hätte nicht sein sollen! 😉

  4. Oliver sagt:

    Ach so, du meintest das so, dass SHORT CUTS der Episodenfilm ohne Froschregen und also toll ist, während MAGNOLIA der Episodenfilm mit Froschregen ist und deshalb fürchterlich? Das Problem ist weniger der Schachtelsatz (diese und die damit einhergehenden Probleme sind mir auch nicht fremd), als beide Filme als einen zu begreifen, der sich dann erst mit dem Froschregen in einen guten und einen schlechten aufspaltet. Das ist ziemlich expressionistisch und einfach nicht auf Anhieb zu verstehen. Jetzt, wo ich es geschnitten habe, gefällt es mir aber ziemlich gut. 🙂

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