armored car robbery (richard fleischer, usa 1950)

Veröffentlicht: September 1, 2011 in Film
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Der erfahrene Gangster Dave Purvis (William Talman) raubt gemeinsam mit drei anderen Ganoven einen Geldtransporter aus. Bei dem entbrennenden Feuergefecht wird ein Polizist erschossen und einer der Räuber, Benjamin McBride (Douglas Fowley), schwer verwundet. Die Weigerung Purvis‘, ihn zu einem Arzt zu bringen, sorgt für erste Spannungen zwischen den Mittätern, die vom selbsternannten Mastermind aber sowieso bloß als Ballast angesehen werden: Purvis will die Beute für sich und seine Geliebte Yvonne (Adele Jergens), pikanterweise Benjamins Ex, allein. Nach der Ermordung von McBride und Foster (Gene Evans), stehen nur noch zwei Gegner zwischen ihm und der Freiheit: der von ihm hintergangene Partner Al Mapes (Steve Brodie) und Lieutenant Jim Cordell (Charles McGraw), der den Mörder seines Kollegen um jeden Preis zur Strecke bringen will …

Fleischers vorletzter Film für die von ihm längst als Sackgasse empfundene B-Film-Abteilung der RKO ist ein kompakter, schneller und harter Reißer, der im Unterschied zu TRAPPED zwar ohne propagandistische und belehrende Elemente auskommt, aber letztlich einer ähnlichen Crime-does-not-pay-Strategie verpflichtet ist. Der selbstherrliche Purvis bringt Entschlossenheit, Skrupellosigkeit sowie Planungsgeschick für seinen“Job“ mit, doch mangelt es ihm am nötigen Krisenmanagement: Als sein Plan von der Polizei durchkreuzt wird, ist das bereits der Anfang vom Ende, denn ein Plan B existiert nicht und so macht sich Panik zwischen den Schurken breit. Es ist vor allem das Glück des Tüchtigen, das ihn dennoch entkommen lässt, aber es ist nicht nur der Konvention solcher Crime-Dramen geschuldet, dass man als Zuschauer trotzdem weiß, wer am Ende siegreich sein wird. Charles McGraw lässt als Cordell nie auch nur den leisesten Zweifel daran aufkommen, dass er Purvis zur Strecke bringen wird: Seine kantigen Gesichtszüge sprechen von unerbittlicher Zielstrebigkeit und Ausdauer, doch verkommt er dabei niemals zur Karikatur. Er hat die Moral und das Gesetz auf seiner Seite und deren Validität müssen nicht hinterfragt werden. Die Handlungen der beiden Kontrahenten sprechen für sich: Purvis bringt seine Widersacher um, Cordell muss die hinterbliebenen Witwen trösten.

Es gibt ein paar Überraschungen im Verlauf des Films: Die erste stellt sich schon nach kurzer Zeit ein, wenn der Überfall nicht erst lang vorbereitet wird, sondern sich schon im ersten Drittel des Films ereignet. Die zweite betrifft die Sympathieverteilung durch Fleischer: Purvis, vom glubschäugigen Talman mit vibrierender Intensität gespielt (er erinnerte mich zunächst etwas an Richard Widmark), entpuppt sich erst im weiteren Verlauf des Films als gefährlicher Psychopath, während er zunächst durchaus noch Sympathiepunkte als Noir-Antiheld sammeln kann. Das ist – neben der wieder einmal super-ökonomischen, dichten und effizienten Inszenierung – das Auffälligste an ARMORED CAR ROBBERY: Fleischer behandelt beide Parteien, Schurken und Gesetzeshüter, zunächst gleichberechtigt, entscheidet sich nicht direkt für einen Sympathieträger, sondern beobachtet beider Treiben als Unparteiischer. Er wertet nicht selbst, sondern lässt die Taten der Figuren für sich sprechen. Möglicherweise ist das eine der charakteristischen Eigenschaften des Filmemachers Fleischer und ich neige im Moment dazu, diese Unvoreingenommenheit nicht negativ als das zwangsläufige Resultat seiner Tätigkeit als Auftragsregisseur zu bewerten (sprich: sie schlicht als Desinteresse zu interpretieren), sondern vielmehr positiv als Voraussetzung dafür, in dieser Tätigkeit überhaupt so erfolgreich arbeiten zu können, wie Fleischer dies zweifelsohne tat. Diese Offenheit und Unvoreingenommenheit, ein breit gefächertes Interesse sowie die Fähigkeit, sich in die Köpfe anderer hineinzuversetzen und die eigenen Ansichten und Vorlieben zurückzustellen, konnte ihm auf einem Karriereweg, auf dem er nicht seine eigenen ihm am Herzen liegenden Projekte vorantrieb, sondern auf die Angebote anderer angewiesen war, nur hilfreich sein.

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