hide and go shriek (skip schoolnik, usa 1988)

Veröffentlicht: September 5, 2011 in Film
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Acht Teenager – praktischerweise im Geschlechterverhältnis 1:1 aufgeteilt und bereits zu Pärchen zusammengeführt – lassen sich für die „Nacht ihres Lebens“ in einem Möbelhaus einschließen. Weil sich das als genauso spannend entpuppt wie es sich anhört, beginnt das Jungvolk nach kurzer Zeit mit einem Versteckspiel, das letztlich jedoch bloß den willkommenen  Vorwand dafür liefert, sich ineinander zu verbeißen und zu verkeilen. Als zwei von ihnen erst als Leichen wiedergefunden werden, dämmert den Verbliebenen, dass sich ein Killer mit ihnen im Möbelhaus befindet. Ist es vielleicht der Ex-Knacki, der als Angestellter ein trauriges Dasein im Keller des Hauses fristet?

Hätte ich vor kurzem nicht diese tolle Aufarbeitung der FRIDAY THE 13TH-Reihe gelesen, die dem interpretatorisch festgelegten Franchise mit offenem, unverstelltem Blick begegnet und gute Gründe dafür liefert, die Gültigkeit der gängigen Lesart – ein puritanischer Killer „bestraft“ sündige Teens – zu hinterfragen und einer Revision zu unterziehen, ich hätte über HIDE AND GO SHRIEK nicht viel mehr zu sagen gewusst, als dass es sich dabei um einen eher langweiligen, zudem billigen und unauffälligen Vertreter des Slashergenres handelt, das seinen Zenith zum Zeitpunkt seiner Entstehung schon längst überschritten hatte. Mit genannten Texten im Hinterkopf lassen sich die schmutzig-graue Tristesse von Schoolniks Film aber durchaus Gewinn bringend als treffende visuelle Umsetzung  und seine narrative Unterdurchschnittlichkeit weniger als Versagen denn als zwangsläufige Folge der im Slashergenre angelegten Ideen deuten. Mal ehrlich, was ist das für eine Jugend, die sich voller Euphorie und Begeisterung in eine Nacht im Möbelhaus stürzt, ja, diese Nacht gar als das Großereignis des bisherigen Lebens bezeichnet? Eine solche Jugend ist doch schon lange, bevor ihr der Maskenmann mit dem Katzendolch biologisch den Garaus macht, verloren.  Erstaunlich auch mit welcher Wahrnehmungsstörung alle gesegnet sind:  Mit großer Beharrlichkeit wird über die sündhaft teuren Designermöbel schwadroniert, vor deren angeblichem Wert die ahnungslosen Kids geradezu in Ehrfurcht erstarren. Für den Zuschauer entpuppen sich diese „Luxusmöbel“ aber als nicht erst 25 Jahre später lediglich potthässlicher Tand von zweifelhafter Qualität für Menschen mit zu viel Geld und zu wenig Stil und das Luxusmöbelhaus, das sich hinter der glitzernden Schaufensterfassade verbirgt, ist passenderweise nicht mehr als eine hoffnungslos zugestellte Lagerhalle, deren fragwürdigen Einrichtungsideen – Schaufensterpuppen sollen die Modellzimmer „bewohnt“ aussehen lassen – den Eindruck unterstreichen, dass sich die Konsumgesellschaft bereits im Stadium fortgeschrittener Leichenstarre befindet. Um die genannten Punkte zusammenzufassen: HIDE AND GO SHRIEK widmet sich einer fantasie- und hoffnungslosen Jugend, die Objekte fetischisiert, die nicht nur hässlich sind, sondern für sie auch noch unerreichbar. Mehr noch: Diese Objekte werden fetischisiert, weil sie unerreichbar sind. Die „Nacht ihres Lebens“ ist somit ein Ringelpiez des Selbsthasses und der Orientierungslosigkeit, das im gewaltamen Tod sein folgerichtiges Ende findet.

Natürlich spielt auch Sexualität eine Rolle und hier wird es dann richtig interessant: Während sich die Teeniepaare in klassischen heterosexuellen-monogamen Beziehungen bewegen und ihre eigene Spießigkeit und Konventionalität mit Experimentierfreude verwechseln – ein Pärchen erwägt gar die Hochzeit, noch während sie postkoital seine mangelnde sexuelle Ausdauer kritisiert -, scheint der Killer deutlich weniger festgelegt und dadurch auch überlegen zu sein: Vor dem ersten Mord an einer Prostituierten legt er Make-up auf, seine Verbindung zum Plot ist eine amouröse Knast-Liaison mit dem im Möbelhaus arbeitenden Knacki (die Schlangentattoos auf dessen Hand- und Fußrücken sind ebenfalls sexuell konnotiert: Streckt sich hier einer seinen Schwanz etwa in beide Richtungen?) und am Ende tritt er im Sadomaso-Ledergeschirr auf. Hier unterscheidet sich HIDE AND GO SHRIEK dann auch von den sexuell meist eher verunsicherte oder verstörte Killer aufbietenden Slasherfilmen und legt ein Überdenken der Puritanismus-These im oben erwähnten Sinne sehr nahe. Wenn doch nur die Morde mit etwas mehr Verve inszeniert worden wären: Es gibt eine hübsche Enthauptung per Fahrstuhl und einmal wird der Arm einer Schaufensterpuppe als Stichwaffe benutzt. Vielleicht ist es sogar im Sinne des Films, dass auch das Sterben so furchtbar identitätslos vonstatten geht, aber das Auge würde sich trotzdem über den ein oder anderen hervorstechenden Moment freuen. Skip Schoolnik hat das wahrscheinlich genauso gesehen und sich deshalb auf die Inszenierung und Produktion kunterbunter Fernsehserien verlegt: Zu seinen Credits zählen sowohl ANGEL und X-FACTOR als auch SONS OF ANARCHY und THE WALKING DEAD. Kein schlechter Karrieresprung.

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