bandido (richard fleischer, usa 1956)

Veröffentlicht: September 8, 2011 in Film
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Mexiko, 1916: Während der Mexikanischen Revolution strömen zahlreiche amerikanische Glücksritter und Geschäftsleute in das Land, um mit dem Krieg Geld zu machen. Unter ihnen befindet sich auch der Waffenhändler Kennedy (Zachary Scott), der mit seiner Gattin Lisa (Ursula Thiess) nach Mexiko reist, um die Regierungsarmee mit Waffen zu beliefern. Davon bekommt wiederum der Einzelgänger Wilson (Robert Mitchum) Wind, der sofort Kontakt zu den Rebellen um Colonel Escobar (Gilbert Roland) aufnimmt. Mit Wilsons Hilfe können Escobars Männer Kennedy zwar gefangen nehmen, doch der täuscht die Rebellen über den Ort des Waffenverstecks. Diese Pleite fällt auf Wilson zurück und dass er eine Liaison mit der schönen Lisa Kennedy begonnen hat, trägt in den Augen der Rebellen auch nicht zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Zwischen die Fronten geraten, muss er nun versuchen, die Rebellen von seiner Unschuld zu überzeugen und so sein Leben zu retten: Doch dazu muss er ihnen helfen, im Kampf gegen die Armee zu bestehen …

BANDIDO, der in Deutschland unter dem herrlich pulpigen Titel GRANATEN-JOE im Kino lief (Wilson hat einen Koffer voller Granaten dabei), ist sicherlich einer der vernachlässigbaren Filme in Fleischers Schaffen, aber für eine Werkschau trotzdem nicht uninteressant, weil er ein Paradebeispiel für eine Auftragsarbeit und die Probleme abgibt, mit denen ein Auftragsregisseur für gewöhnlich zu kämpfen hat – mithin ein Film, der trotz seiner Mittelmäßigkeit einen guten Einblick in Fleischers Arbeit und seine Fähigkeiten als Problemlöser gibt.  Als sich Fleischer für BANDIDO verpflichtete, war der Film lediglich ein Exposé von Screenwriter Earl Felton, das sich noch HORSE OPERA nannte und unter anderem den mexikanischen Volkshelden Pancho Villa als einen der Protagonisten aufbot. Der Stoff versprach einen anspruchsvollen, durchaus ambitionierten Abenteuerfilm und – so Fleischer in seiner Autobiografie – vor allem „fun“ bei den Dreharbeiten. Als Fleischer THE GIRL IN THE RED VELVET SWING beendet hatte und sich voller Spannung dem fertigen Script zuwendete, war er entsetzt: Der Film hieß nun BANDIDO und hatte fast nichts mehr mit dem Exposé zu tun, das Fleischer überhaupt dazu bewegt hatte, einen Vertrag zu unterzeichnen. Weil ihm aber juristische Konsequenzen drohte, wenn er diesen nicht erfüllen würde, blieb ihm nur ein Kompromiss: Er nahm Felton mit nach Mexiko, um ihn für Rewrites zur Verfügung zu haben und den Film so während der Dreharbeiten zurück in die Richtung der ursprünglichen Idee zu lenken, was ihm eigenen Aussagen zufolge wenigstens halbwegs gelang.

Trotzdem ist das Drehbuch sicherlich das größte Manko an BANDIDO: Nach dem gelungenen und vielversprechenden Aufbau kommt einfach zu wenig, verliert sich der Film in der bloßen Plotabwicklung, die leider weder besonders interessant noch wirklich spannend ist. Es klingt paradox, aber man hat den Eindruck, dass das Script der Geschichte, die es erzählen will, stets einen Schritt hinterher hinkt, das Wichtigste verpasst. BANDIDO wächst leider nicht über den Status eines bloß ansehnlichen, milde unterhaltsamen Abenteuerfilms hinaus, was schade ist, weil ein unverkennbar beträchtlicher materieller Aufwand betrieben wurde. Der Dreh an Originalschauplätzen und die erneut herrliche Scope-Fotografie von Ernest Laszlo garantieren schöne Bilder und suggerieren die epische Breite, die dem Drehbuch leider völlig abgeht, Robert Mitchum ist immer sehenswert (er war an den Einspielergebnissen von BANDIDO beteiligt und deshalb recht pflegeleicht) und Fleischers Inszenierung macht das Beste aus dem ihm zur Verfügung stehenden Material. Die Actionszenen – ein Zugüberfall ist neben dem finalen Shootout das Action-Highlight des Films – sind kraftvoll und zupackend, doch die einprägsamste Szene gehört eindeutig Mitchum: Als Wilson checkt er während heftiger Schusswechsel in einem heruntergekommenen Hotel ein, völlig unbeeindruckt von den um ihn herum fliegenden Kugeln, bezieht sein Zimmer und packt eine Flasche Whiskey aus, um sich einen ersehnten Drink einzugießen. Ein Querschläger verdirbt ihm jedoch den Spaß und zerschmettert die Flasche. Wilson sieht seinen Whiskey verrinnen, stürzt ungeachtet der drohenden Gefahr zur Flasche und rettet gerade genug für seinen ersehnten Drink. Hätte es im weiteren Verlauf nur mehr solcher Szenen gegeben …

 

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