korkusuz (çetin inanç, türkei 1986)

Veröffentlicht: Oktober 4, 2011 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Supersoldat Serdar (Serdar Kebapçilar) wird in eine Gruppe von Banditen unter der Führung des alten, aber gnadenlosen Ziya (Hüseyin Peyda) eingeschleust, die im türkisch-iranischen Grenzgebiet ihr Unwesen treiben. Auf dem Weg dorthin rettet er noch ein armes Bergbauern-Töchterlein, das ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht …

KORKUSUZ, weltweit unter dem Titel TURKISH RAMBO (bzw. RAMPAGE) bekannt, aber nicht zu verwechseln mit dem in Deutschland beschlagnahmten VAHSI KAN, der ebenfalls ein türkisches RAMBO-Ripoff ist und Superstar Cüneyt Arkin aufbietet, ist ein wahnsinnig schlechter Film, aber keine das geistige Gleichgewicht gefährdende Psychodroge wie etwa DÜNYAYI KURTARAN ADAM aka TURKISH STAR WARS. Mischten sich dort aus STAR WARS und FLASH GORDON geklaute Raumschiffszenen, Prügeleien zwischen abgetriebenen Kreaturen aus Jim Hensons Puppenwerkstatt und ausgedehnte Spaziergänge durch das anatolische Hinterland zu einem wahrhaft psychedelischen Cocktail, reduziert sich der Irrsinn in KORKUSUZ weitestgehend auf eine mit „Inkompetenz“ noch wohlwollend bezeichnete Inszenierung und das Non- respektive Overacting der Akteure. Inançs Film ist recht bodenständig (wobei er alles andere als sicher auf seinen von Muskelschwund und Glasknochen geplagten Beinen steht), erzählt eine überaus einfache Story eben überaus einfach und erringt allerhöchstens in dem Unvermögen Meisterschaft, einfachste Sachverhalte und Zusammenhänge filmisch so darzustellen, dass sich keine klaffenden Risse im Raum-Zeit-Kontinuum ergeben. Das ist schon eine ziemliche Leistung, einen inhaltlich wie bildlich so dermaßen reduzierten Stoff so beeindruckend unpraktisch und konfus zu inszenieren. Als Zuschauer verliert man schon den Anschluss, wenn eine Person bloß zur Tür reinkommt. Wo ist diese Tür? Welche Person ist das? Wo war sie vorher? Und was wollte sie dort respektive hier? Fragen, die auch Muskelprotz Serdar nicht beantworten kann, was wohl der Grund dafür ist, dass er entweder ausdruckslos in die Botanik glotzt oder aber direkt in die Kamera. Und wer wollte es ihm verdenken? Wie soll man denn leben in einer Welt, in der ständig Leute mit unmöglichen Schnurrbärten aus dem Nichts auftauchen und Dinge tun, die keinen Sinn ergeben? Wie sich verhalten, wenn man als Supersoldat mit dem Auftrag in der Ödnis ausgesetzt wird, vermeintliche Banditen zur Strecke zu bringen, und feststellen muss, dass das nur alte Leute sind, die nichts anderes wollen, als in Frieden mit ihren Schafen zu verkehren?

Was Serdar so treibt, wer er ist, das wird nie ganz klar. Als er von einem der Banditen gefoltert (= mit einem fröhlich vor sich hinsprudelnden Wasserschlauch abgespritzt) wird, hat er mal ein kurzes Flashback zu einer richtigen Folter, aber wer die an ihm für welches Vergehen verübt hat, bleibt unklar. Als er die namenlose Ische beim Klettern vor dem Absturz rettet, erinnert er sich kurz daran, wie ihm das bei einem Armeekumpel mal nicht gelungen ist, aber anlässlich welchen Konflikts das war, bleibt ebenso ein Rätsel wie seine Verbindung zum Abgestürzten. Man ahnt, dass Serdar ein Gezeichneter ist, ein gebrochener Held wie sein US-Kollege John Rambo: Schließlich hat er auch solche Muckis und ein schickes Stirnband. Dass es einem der Bösewichter erst beim fünften Mal gelingt, Serdar eine Wunde mit dem Messer beizubringen, lässt zudem auf eine nach außen gekehrte seelische Abstumpfung schließen. Oder ist Serdar nur ein Hohlkopf, dem der rege Steroidmissbrauch auch noch den letzten Rest von Verstand geraubt hat? Wie er da komplett entfesselt über Stock und Stein springt, krachende Maulschellen mit einer Technik verteilt, bei denen andere sich die Schultern auskugeln würden, und am Ende in einer Mischung aus Schwarzenegger’scher Tonlosigkeit und Norris’scher Ausdruckslosigkeit die Treue zum Vaterland beschwört, lässt darauf schließen. Demgegenüber steht wiederum sein unnachahmliches Talent, mitten in der Walachei anscheinend nach Belieben Munition für seinen Raketenwerfer zu finden, diesen dann so präzise zu bedienen, dass manche Schurken bloß Streifschüsse im Gesicht erleiden, und trotz kompletter Charmefreiheit auch noch das Herz des (ziemlich westeuropäisch aussehenden) Osmanenbabes zu erobern. Nachdem er mit ihr ein paar Stunden durchs anatolische Allgäu gelatscht ist und ihr ein Stück von einem über dem offenen Feuer gebratenen amorphen Klumpen abgegeben hat, ist sie so hin und weg, dass sie später im Sterben noch davon schwafelt, in ihm habe sie einen Seelenverwandten gefunden. Was für ein bemitleidenswertes Geschöpf: Sie hatte nie eine Chance.

KORKUSUZ ist tatsächlich so schlecht, dass man sich schon bald entweder nach einer guten Szene sehnt oder aber nach einer noch mieseren, damit man wenigstens irgendwas fühlt. Der Schnitt verursacht mit seinem arhytmischen Holpern Seekrankheit, die Bildführung ist miserabel, eine Dramaturgie gibt es nicht. Menschen haben auf einmal Vollbärte, Ketten werden einfach ums Handgelenk gewickelt, um jemanden zu fesseln (uneffiziente Fesseltechniken ziehen sich wie ein Leitmotiv durch den Film), und zur Befreiung über einer lausigen Flamme geschmolzen. Schlamm verwandelt sich von einer Einstellung zur nächsten in Steine, bevor diese sich dann wieder in Schlamm verwandeln, Gefangene werden von in den Türrahmen genagelten Brettern in Schach gehalten. Raketen fallen mit einem schwächlichen „fump“ aus dem Raketenwerfer heraus und in der obligatorischen Trainingssequenz hat man gleich ganz darauf verzichtet, sich Übungen auszudenken, die Serdar ausführen könnte: Er stützt sich einfach an einem Baum ab und spannt die Muskeln an. Der Oberböse sieht aus wie Fernando Rey mit einem schmerzhaften Krampf im Unterkiefer und der Gefängnistransporter, aus dem Serdar am Anfang fliehen kann, ist ein Wohnmobil. Dialoge gehen ungefähr so: „Stop the car, someone’s sick!“ – „He said you should stop the car, someone’s sick.“ – „Well, I’ll stop the car. See if someone’s sick!“ Und am Schluss werden Antworten auf Fragen gegeben, die sich wohl allerhöchstens den Beteiligten gestellt haben. Die Frage „Was machen wir hier eigentlich?“ war aber nicht darunter.

Und weil es so schön war, ein paar Bilder:

Gruppenbild mit Spaten und Kopfweh

„Serdar, steh doch mal bequem!“

„Hätte ich doch bloß nicht die Rolle in THE FRENCH CONNECTION abgelehnt!“

Nicht ganz so optimale Fesseltechniken, Teil 1

Serdar, das kleine Regengesicht

„Meine Spezialität: Am Stock gegrilltes Aas!“

Die with a stupid face on …

Von links nach rechts: Rakete, Raketenwerfer, Serdar. (Man beachte auch das Seil, an dem die Rakete hängt.)

Advertisements
Kommentare
  1. Alex sagt:

    Sehr schön! VAHSI KAN solltest du aber trotzdem mal anprobieren, Cüneyt Arkin hat ja wenigstens etwas Charisma. 😉 Der Fernando Rey-Lookalike, dessen Namen ich jetzt gerade nicht präsent habe, ist übrigens in zahlreichen Turkploitation-Reißern anzutreffen…

  2. moe noe sagt:

    ich finde Serdar Sexy u maenlich. Er ist eine Held !!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s