jack the ripper – der dirnenmörder von london (jess franco, schweiz/deutschland 1976)

Veröffentlicht: Oktober 10, 2011 in Film
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In London geht ein Dirnenmörder um, die Polizei – in Vertretung des zuständigen Inspektor Selby (Andreas Mannkopff) – ist ratlos. Verschiedene Zeugenaussagen bringen den Tagelöhner Charlie (Herbert Fux) aber auf die richtige Spur: Bei Jack the Ripper handelt es sich um den Arzt Dr. Dennis Orloff (Klaus Kinski) …

Bei JACK THE RIPPER handelt es sich um eine der Kollaborationen des spanischen Regisseurs Jess Franco mit dem Schweizer Filmproduzenten Erwin C. Dietrich, des Weiteren einen der bekanntesten Filme des spanischen Vielfilmers und außerdem wahrscheinlich um einen seiner beliebtesten (man sehe sich nur mal die inflationären OFDb-Bewertungen an). Die Gründe dafür liegen auf der Hand: JACK THE RIPPER verfügt über recht ordentliche Production Values, mit Kinski zudem über einen zugkräftigen Hauptdarsteller und mutet hinsichtlich seiner Francoismen sehr gezügelt und damit „goutierbar“ an. Inszenierungsfehler, technische Mängel, psychedelische Entgleisungen, Ausflüge in die Pornografie oder dekonstruktivistische Elemente – mithin alles, was einen Franco-Film sowohl auszeichnet, wie auch für den Durchschnittsseher ungenießbar macht – sucht man vergebens und wäre der Film nicht so offenkundig exploitativ, man könnte ihn glatt mit einem seriösen Period Piece verwechseln.

Leider ist das aber auch die Crux an der Sache, denn JACK THE RIPPER ist tatsächlich ziemlich öde: So ungemein statisch und steif wie der Film inszeniert ist, muss man annehmen, dass sich Franco selbst nicht wirklich für die Geschichte interessiert hat, die spannungsarm und ohne jedes Tempo abgespult wird. Die Identität des Killers wird von Anfang an offengelegt, was nicht so schlimm wäre, wenn es denn wenigstens eine Opferfigur gäbe, mit der man mitfiebern könnte, doch auch hier versagt der Film. Es fehlen zudem die Ideen und der Schwung, die Francos Filme sonst auszeichnen und noch nicht einmal der sonst so verlässliche Kinski springt ein, um die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Weitestgehend unbeteiligt schlafwandelt er durch den Film, den ich nur deshalb nicht ganz abschreiben kann, weil er diese eigenartige, staubig-bleiche Atmosphäre verströmt, die europäische Schmuddelfilme jener Zeit so auszeichnet. London – wenig überzeugend im Studio oder aber in Zürich „rekonstruiert“ – wirkt so leblos wie sich der mit Vorurteilen behaftete Deutsche eine Schweizer „Metropole“ wohl gern vorstellt, noch mehr aber wie die Kulisse eines Puppentheater-Stücks. Herbert Fux parliert ohne Rücksicht auf (Authentizitäts-)Verluste im breitesten österreichischen Schmäh daher und bekommt in der schönsten Szene des Films gleich zu Beginn in Großaufnahme und medizinischer Vollendung vom Doktor höchstselbst ein eitriges Geschwulst vom Bein gepult. Die anatomisch nicht ganz so korrekten Spezialeffekte heben zwischendurch mal die Stimmung, ebenso wie einige betulich ins Leere laufende Dialogszene und die durchaus ansehnlichen Nebelaufnahmen. Ja, irgendwie hat die Lethargie des Films durchaus ihren Charme, am späten Sonntagabend genossen sorgt sie aber dennoch für enorme Sekundenschlagefahr.

Kommentare
  1. Whoknows sagt:

    Lüge! Verleumdung! Nie würde sich die Schweiz für so etwas hergeben! 😉 – Das sag ich Christoph Blocher.

  2. Whoknows sagt:

    Der ideale Widerling für einen Backwood-Film. Hemmnisse: Er ist Multimilliardär, besitzt ein Schloss in Rhäzüns und eine Ruine, die noch besser in einen Backwood-Film passt. Sie heisst Silvia. 😉

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