the bad bunch (greydon clark, usa 1976)

Veröffentlicht: Oktober 11, 2011 in Film
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Vietnam: Die beiden Soldaten Jim (Greydon Clark) und sein Freund, ein Afroamerikaner, unterhalten sich über die in ihrer Heimat schwelenden Rassenkonflikte. Gerade als letzterer die Lösung für das Problem zum Besten geben will, wird er von einer Kugel niedergestreckt und stirbt in den Armen des Freundes. Wieder zu Hause möchte Jim dem Vater des Toten einen Brief überbringen (und begibt sich dafür tief ins für „honkeys“ wie ihn gefährliche Watts), erntet aber nur den Zorn von dessen zweitem Sohn Tom (Tom Johnigarn) – der sich in Ablehnung seines „Sklavennamens“ „Makimba“ nennt – und seiner Gang. Zwar unternimmt Jim alles, um das Vertrauen Toms zu gewinnen, doch der ist blind vor Hass. Als er von den beiden rassistischen Cops Lt. Stans (Aldo Ray) und Sgt. Berry (Jock Mahoney) zusammengeschlagen wird, vermutet er prompt Jim hinter der Tat und schwört Rache …

Mit THE BAD BUNCH beißt Greydon Clark eindeutig mehr ab, als er mit seinen löchrigen Beißerchen zu kauen in der Lage ist. Seine Motive sind ehrenwert – er setzt sich für die Gleichberechtigung der Schwarzen und die Verständigung zwischen den „Rassen“ ein, beschließt seinen Film gar mit einem Zitat von Martin Luther King -, doch tappt er dabei in genau jenes Fettnäpfchen, das auch die Empowerment ausrufenden, dann aber doch nur (positiv-)rassistische Klischees reproduzierenden Blaxploiter nicht auslassen konnten. Dass die Protagonistenrolle dem Weißen zufällt, ist schon der erste Fehler und verantwortlich für den leise herablassenden Tonfall, von dem sich THE BAD BUNCH einfach nicht freimachen kann. Zwar sind die wahren Rassisten des Films die beiden weißen Cops, doch ist deren Rassismus in Clarks Film ein nicht mehr weiter hinterfragter Privatwahnsinn, während Makimba und seine Gang letztlich Opfer eines über Generationen eingeimpften, verständlichen Misstrauens sind, ihr Rassimus als Reverse Racism bezeichnet werden muss. Anstatt das herauszuarbeiten, setzt Clark aber lieber auf markige Ghetto-Klischees. Eigentlich kann man es Makimba und Konsorten ja nicht wirklich verübeln, dass sie vor dem unschuldig daherschleimenden Jim nicht gleich einen demütigen Bückling machen, nur weil der großzügigerweise meint, es sei jetzt mal endlich genug mit der Segregation. Doch die Hartnäckigkeit, mit der sie ihn als Feind erkennen wollen, und die Sorglosigkeit, mit der sie sogleich zur schönen Tradition der Lynchjustiz übergehen, kann man nicht mehr nur auf ein gesundes Misstrauen und Verletzung schieben. Sie sind total determiniert von ihrer Opferrolle. Dass es in THE BAD BUNCH kein Happy End und keine Hoffnung geben kann, liegt nicht an den festgefahrenen Verhältnissen, sondern daran, dass es die Weißen so weit getrieben haben, dass man von den Schwarzen keine Besserung mehr erwarten darf. Ich bezweifle, dass das Clarks Botschaft sein sollte.

Tatsächlich ist es so, dass diese Verfehlung THE BAD BUNCH nicht diskreditiert, sondern ihn eher interessanter macht; sie ermöglicht es erst, ihn als eine Art Meta-Blaxploiter zu betrachten, also einen Blaxploitation-Film, in dem der dem Subgenre inhärente Rassismus offenliegt. Als Actionfilm oder Thriller funktioniert THE BAD BUNCH dank seiner furchtbaren Trägheit nämlich gar nicht. Der Konflikt zwischen Makimba und Jim tritt über weite Strecken des Films völlig in den Hintergrund und weicht den zwar beliebigen, aber nichtsdestotrotz unsäglich breitgetretenen Beziehungsproblemen Jims. Es macht sich nervenzerrende Langweile breit und böten der rasante Wechsel zwischen schäbigen Kulissen und Originalschauplätzen, der mit letzteren verbundene Lokalkolorit und die Spätausläufer der Hippiemode nicht wenigstens etwas Eyecandy für Schmuddelfilmfans, man müsste THE BAD BUNCH als Komplettreinfall bezeichnen. So muss ich am Ende wieder mal einräumen, dass ich den Film zwar wahrscheinlich nicht so schnell einer Revision unterziehen werde, aber wegen meiner Vorliebe für billigen Seventies-US-Ramsch trotzdem nicht bereue, ihn gesehen zu haben. Von solchem geil langweiligen Zeug kann ich einfach nicht genug bekommen, weshalb ich mich jetzt schon auf Greydon Clarks HI-RIDERS freue. In Kürze in diesem Kino.

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