the nesting (armand weston, usa 1982)

Veröffentlicht: Oktober 16, 2011 in Film
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Als die Schriftstellerin Lauren Cochran (Robin Groves) von Panikattacken heimgesucht wird, beschließt sie zur Erholung aufs Land zu reisen. Dort mietet sie sich in einem alten Landhaus ein, an dass sie sich merkwürdigerweise erinnert, ohne jemals dort gewesen zu sein. Merkwürdige Dinge passieren, Menschen sterben: Die Geschichte des Hauses, das einst Schauplatz eines grausamen Verbrechen war, und die Geschichte Laurens scheinen eng miteinander verwoben …

Der bis jetzt – Blue Underground hat sich erbarmt und den Film als DVD und Blu-Ray veröffentlicht – relativ rare (und in Deutschland auf Video geschnittene) THE NESTING ist der seltene Fall eines reflektierten Haunted-House-Films. Weston lässt nur wenig Zweifel daran, dass es die psychischen Probleme Laurens sind, denen das metaphysische Treiben des Films entpringt, holt das, was im Geister- und Spukfilm sonst tief im Subtext vergraben ist, an die Oberfläche und lässt die Geschehnisse im Landhaus als das Ergebnis der tiefenpsychologischen Vorgänge Laurens erkennen, als bildliche Repräsentationen ihrer persönlichen Traumaverarbeitung. Lauren muss sich ihren verschütteten Erinnerungen, die sich eben als Spukgestalten manifestieren, stellen, um ihre Krise zu bewältigen und „weitermachen“ zu können. Doch so zeitgemäß diese Ausrichtung des Films auch ist,  die betriebene Entmystifizierung ist in gewisser Weise das Problem des Films, weil er nach etwa der Hälfte seiner Laufzeit aufhört, ein Horrorfilm zu sein, ohne jedoch dessen Funktionsweisen und Mechanismen konsequenterweise ganz über Bord zuwerfen.

So fällt es zunehmend schwer, mit Lauren als „Opfer“ Mitleid zu empfinden, weil sie – eigentlich eine intelligente Frau – einfach unfähig ist, zu erkennen, was um sie herum passiert. Dass in der Folge der von ihr gegen den Rat ihres Psychotherapeuten eingeschlagenen Konfrontationstherapie gleich mehrere Menschen zum Opfer fallen, scheint sie nicht wirklich zu tangieren, und die Hartnäckigkeit, mit der sie Landbevölkerung in ihre Probleme mit hineinzieht, ist auch nicht gerade als rücksichtsvoll zu bezeichnen. Der Zuschauer ist der Protagonistin, den ganzen Film über einen Schritt voraus, nur sorgt das nicht für Spannung, sondern dazu, dass man die Fehlentscheidungen und -schlüsse Laurens mehr und mehr verärgert zur Kenntnis nimmt. Das ist vor allem deshalb sehr schade, weil THE NESTING einen sehr effektiven Spannungsaufbau aufweist, in der ersten Hälfte zudem einige kreuzunheimliche Szenen hat und von Weston mit einigen feinen Regieeinfällen ausgestattet wurde. Der kreative Einsatz der Tonspur wäre hier vor allem hervorzuheben, aber auch sonst überrascht der Film mit einer handwerklichen Klasse, die ich von Weston, der früher Pornofilme drehte und unter anderem den ziemlich abgefahrenen EVILSPEAK machte, nun nicht unbedingt erwartet hatte. Vielleicht steht der Begeisterung nur meine Erwartung im Wege, weil ich zugegebenermaßen nicht unbedingt einen geschmackvollen Psychoschocker auf der Rechnung hatte, sondern eher auf einen unheimlich-blutigen (nicht unheimlich blutigen) Schocker eingestellt war. Als solcher enttäuscht THE NESTING vor allem, weil er nach genannt gutem Aufbau einfach nichts mehr hinzuzufügen hat. Das Finale etwas kann ich nicht anders als als antiklimaktisch zeichnen. Und so sehr es im Rahmen der Geschichte auch Sinn macht, ein Horrrofilm, der es versäumt, dem Zuschauer am Ende nochmal einen mitzugeben, hat etwas falsch gemacht. Trotzdem: sehenswert.

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