tucker and dale vs. evil (eli craig, usa 2010)

Veröffentlicht: Oktober 30, 2011 in Film
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Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) sind zwei etwas einfach gestrickte, aber grundgute Hinterwäldler. Als sie zu einem Angeltrip aufbrechen, treffen sie auf ein paar ebenfalls urlaubende Städter, die offensichtlich zu viele Backwood-Horrorfilme gesehen haben und das etwas unbeholfene Verhalten der beiden Rednecks konsequent als Bedrohung missverstehen. Als Tucker und Dale die hübsche Allison (Katrina Bowden) nach einem Badeunfall mit zu sich nehmen, interpretieren ihre verängstigten Freunde das entsprechend als Entführung und leiten den Gegenangriff ein. Und Tucker und Dale haben nicht den Hauch einer Ahnung, was um sie herum überhaupt vor sich geht …

TUCKER AND DALE VS. EVIL belegt recht eindrucksvoll, dass eine gute Idee längst noch nicht hinreichend für einen guten Film ist. Die Prämisse ist wirklich sehr hübsch und böte eigentlich reichlich Gelegenheit, die Klischees des Backwood-Slashers auf den Kopf zu stellen, die Vorurteile, auf denen das Genre gründet, als solche bloßzustellen und nebenbei noch mit den Fallstricken missglückter Kommunikation und selektiver Wahrnehmung zu spielen. Was es dafür jedoch dringend gebraucht hätte, ist eine sorgfältig konstruierte Geschichte und ein schlagfertiges, cleveres Drehbuch; eines, das nicht nur beweist, dass seine Autoren sich im Genre auskennen, sondern das auch die Bereitschaft erkennen lässt, über den engen Rahmen des Genrekinos hinauszuschreiten. Was Eli Craig aus seiner potenten Prämisse macht, ist nicht weniger als enttäuschend: Die Missverständnisse, die den Plot überhaupt erst in Gang bringen, sind nur wenig kreativ, der Witz beschränkt sich letztlich auf müden Slapstick und ein paar hingeworfene One-Liner. Nie wird man als Zuschauer überrascht, stattdessen bleibt TUCKER AND DALE VS. EVIL immer schön an der sicheren Oberfläche und begnügt sich damit, Witze zu reißen, die jedem, der sich ein bisschen auskennt im Backwood-Horror, nach fünf Minuten entspannten Brainstormings selbst einfielen (und die dieser dann wahrscheinlich für nicht lustig genug befände).

Das ist nicht nur ärgerlich, weil eine tolle Idee für bloß biederen Durchschnitt verbrannt wurde, sondern auch, weil TUCKER AND DALE VS. EVIL aus der stinkenden Kloake des Funsplatters und der Horrorkomödie trotz seiner eklatanten Einfallslosigkeit immer noch positiv hervorsticht: Seine beiden Hauptfiguren sind immens sympathisch und selbst der eigentlich vorhersehbare und eigentlich nur abgespulte Showdown ist sehr viel überzeugender, als man das aus solchen Gebrauchsfilmen sonst gewohnt ist. Wie wenig Craig offensichtlich selbst gemerkt hat, was für ein Potenzial er da verschenkt hat, zeigt sich in der Auflösung seines Films, die dem eigentlichen Tenor des Films krass zuwiderläuft und dann doch wieder die Mordlust des Hinterwäldlers bestätigt, die man doch eigentlich zuvor als Vorurteil aufgedeckt hatte.

Wie gesagt: TUCKER AND DALE VS. EVIL ist kein Film, bei dem man sich als denkender Mensch unentwegt schämen muss, aber auch weit entfernt davon, als „gut“ bezeichnet werden zu dürfen. Ich kann mich mal wieder nur wundern, wie dieser Film zu seiner unverhältnismäßig hohen IMDb-Wertung gekommen ist und was Filmseher weltweit an den doch reichlich müden Witzchen so irrsinnig komisch gefunden haben wollen. Da ich über jahrelange Fantasy-Filmfest-Erfahrung verfüge, kann ich mir die frenetischen Reaktionen der Horrornerds aber nur zu lebhaft vorstellen: Mit gleich drei Kettensägenszenen bedient Craig deren schlichte Erwartungen wie eine freigiebige Prostituierte.

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Kommentare
  1. HomiSite sagt:

    Ich fand den Film in geselliger Runde deutlich mehr als enttäuschend, sondern sogar unterhaltsam. Du hast aber sicher recht, dass mit etwas Abstand betrachtet die Substanz eher gering ist. Da ich relativ aus der Funsplatter- und Horrorcomedy-Ecke raus bin – und es vielleicht dort kaum gute Komödien dort gibt? – verschiebt sich der Maßstab. Ich hatte gehört, dass der Film gut sei und wurde wie gesagt nicht enttäuscht, hatte aber auch nicht DIE Erwartungen. Vielleicht war’s bei dir der Fall?

    • Oliver sagt:

      Klar, die Erwartungshaltung hat schon eine Rolle gespielt (hatte die positiven Reaktionen für bare Münze genommen und die angebrachte Skepsis beiseite geschoben), auch, dass ich das Backwood-Genre sehr liebe – und immer wieder hoffe, dass eine dieser Splatterkomödie mal nicht totaler Schmutz ist. TADVE ist an Letzteren gemessen ja auch durchaus ganz ok; die ganz schlimmen Peinlichkeiten umschifft er jedenfalls weiträumig. Gemessen daran, was aber mit etwas mehr Intelligenz, Akribie und Ambition möglich gewesen wäre, ist er aber fast noch enttäuschender als ein einfach nur mieser Film. Ich habe – ebenfalls in geselliger Runde – zwei, drei Mal geschmunzelt. Aber für nen herzhaften Lacher hat es nicht gereicht, auch nicht bei meinen Mitschauern.

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