ninja bugeicho momochi sandayu (norifumi suzuki, japan 1980)

Veröffentlicht: November 14, 2011 in Film
Schlagwörter:, , , , , , , ,

Japan im 16. Jahrhundert: Der machthungrige Kriegsherr Hideyoshi entsendet seinen Krieger Shogen (Sonny Chiba), um mit dem verhassten Momochi-Clan aufzuräumen. Der jüngste Spross des Clans, Takamaru, wird von seiner Mutter nach China in Sicherheit geschickt. Jahre später kehrt er, nun ein junger Mann (Hiroyuki Sanada), zurück ins eine Heimat, um die letzten Überlebenden seines Clans zum Kampf gegen Shogen zusammenzutrommeln …

Ein Überbleibsel meines NinjaMarathons aus dem vergangenen Jahr, ist NINJA BUGEICHO MOMOCHI SANDAYU (ab jetzt kurz SHOGUN’S NINJA) ein moderner Vertreter des Jidai-Geki, jenes Genres, das sich mit den Kaisern, Samurais, Shoguns (Shogunen?), Clans und Dynastien der japanischen Geschichte und ihren Schlachten auseinandersetzt. Steht man diesen Filmen als westlicher Zuschauer aufgrund ihrer Bezüge zu Begebenheiten, die einem völlig fremd sind, eh schon meist ratlos gegenüber, verliert man schon nach kurzer Zeit den Überblick über die zahlreichen handelnden Figuren, ihre Namen, Zugehörigkeiten und Motivationen, so potenziert sich die Verwirrung bei SHOGUN’S NINJA dank bizarrer moderner Regieeinfälle, der unbeholfenen deutschen Synchronisation (ein ausgesuchtes Zitat: „Diese Flöte ist mehr als ein Musikinstrument.“) und der eigenwilligen Struktur des Films, der Actionszene an Actionszene reiht, dabei von Höcksken auf Stöcksken kommt und nahezu auf jede Orientierung schaffende Exposition verzichtet, gleich um ein Vielfaches.

Um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie SHOGUN’S NINJA seine Geschichte erzählt: Suzuki beginnt seinen Film mit der Beauftragung Shogens und dem sich anschließenden Gemetzel an den Momochis, wendet sich dann schließlich einer Frau desselben Clans zu, die ihren Sohn an einen Diener abgibt und sich selbst hinrichtet. Nach satten 12 Minuten beginnt die Title-Sequenz zu rollen und mit ihr erhascht man den ersten Blick auf den eigentlichen Protagonisten des Films, den zurückkehrenden Takamaru. Der sucht seine Freunde auf – die ihn, der doch seine gesamte Jugend in China verbracht hat – gar nicht (mehr) kennen dürften – und trommelt sie zum Widerstand zusammen. Erfolge und Misserfolge wechseln sich in rascher Folge ab, führen entweder zum nächsten Kampf oder aber zu einer nötigen Befreiungsaktion, mehrfach werden zwei kostbare Schwerter der Momochis erwähnt, auf deren Klingen jeweils ein Teil einer Karte eingraviert ist, die zu einer Goldmine führen soll, und irgendwann erzählt Takamaru via Rückblende, was er in China erlebt hat und dass er dort von einer attraktiven jungen Frau in die Geheimnisse der Kampfkunst eingeweiht worden sei, die dann viel später – man hat sie schon fast wieder vergessen – auch noch ihren Auftritt in der Gegenwart des Films feiern darf. Die seit KILL BILL auch westlichen Kinogängern bekannte Figur des Hattori Hanzo taucht auch immer wieder am Rande des Films auf und am Ende sind die Bösen besiegt, die Momochis haben ihre Rache bekommen und die beiden Schwerter mit der Schatzkarte, die doch angeblich so wichtig waren, werden ins Meer geworfen. Untermalt wird das Ganze von entspannt groovendem Discofunk, der die Wirkung der Bilder völlig auf den Kopf stellt, außer in jener denkwürdigen Trainingsszene, in der Takamaru zu diesem Sound tatsächlich zu tanzen beginnt, als sei der Geist Jennifer Beals‘ in ihn gefahren. No shit!

SHOGUN’S NINJA ist dafür, dass er sich inhaltlich eigentlich überhaupt nicht von anderen Jidai-Geki unterscheidet, reichlich bizarr. Ich hatte keine Ahnung, was da eigentlich genau passiert, trotzdem war das bunte Treiben in höchstem Maße kurzweilig. Was dem Film aber total abgeht, ist die Kohärenz, die einem begreiflich machen würde, dass seine Szenen nicht nur chronologisch angeordnet sind, sondern eben auch in einem kausalen Zusammenhang stehen. Ich fühlte mich während des Films, als befände ich mich auf einer langen Reise, deren einzelnen Etappen zwar allesamt sehr interessant sind, deren Ziel mir aber völlig unbekannt ist. Der mit 110 Minuten schon nicht gerade kurze Film dehnte sich demzufolge in meiner Wahrnehmung ins Uferlose, weil er einen klaren Handlungsbogen zugunsten vieler ineinander fließender Episoden mit wieder eigenen Spannungskurven vernachlässigt und mit dieser Strategie so viel Raum und Handlung abreißt, dass alles in einem einzigen Nebel verschwimmt. Wenn der Film nach den knapp zwei Stunden, die einem wie vier vorkommen, schließlich zu Ende ist, hat man zwar keine Ahnung mehr, wie das eigentlich alles angefangen hat, aber man weiß noch, dass es irgendwie gut war. Sehr, sehr merkwürdig. Aber das gilt ja auch für Suzukis zumindest in Deutschland wohl bekanntesten Film, der bundesdeutschen Justiziaren den ein oder anderen Schluckauf verursachte und auf den schönen deutschen Titel EXZESSE IM FOLTERKELLER hört …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.