sadisterotica (jess franco, deutschland/spanien 1967)

Veröffentlicht: Dezember 20, 2011 in Film
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Ich habe keine Ahnung, worum es in dem Film eigentlich ging. Irgendwas mit einem durchgeknallten Künstler namens Klaus Tiller, der seinen Gehilfen Morpho – das fehlende Glied zwischen Dreitagebart und Werwolf – losschickt, um schöne Frauen zu rauben, die ihm dann als Vorlagen für seine blutrünstigen Gemälde dienen oder mit viel Mörtel beschmiert als Stauen enden. Zwei weibliche Detektive, Diana (Janine Reynaud) und Regina (Rosanna Yanni), ermitteln in der Sache und kommen dem Bösewicht schließlich auf die Schliche.

Selten hat Indifferenz so viel Spaß gemacht: Zwar ist die Geschichte nun wirklich alles andere als neu oder gar besonders anspruchsvoll, trotzdem konnte ich den Irrungen und Wirrungen des Plots schon nach kürzester Zeit nicht mehr folgen. Aber wen interessiert schon der Plot, wenn es so viel zu gucken gibt? Allein der Luxusleib von Rosanna Yanni in verschiedenen raffiniert geschnittenen Exponaten psychedelischer Mode hält das Interesse über die schnittige Laufzeit von knapp 76 Minuten wach, und wenn dann noch Jess Franco seinen obligatorischen Auftritt als trotteliger Kunsthändler Napoleon Bolivard absolviert, erotische Tanzeinlagen den Ausflug in den Beatschuppen garnieren, Chris Howland als depperter Interpol-Beamter Francis MacClune unter dem Decknamen „James Bond“ im Hotel eincheckt und die Übeltäter ein diabolischer Herr mit Augenklappe und besagter Wolfsmensch namens „Morpho“ – Francophile horchen auf – sind, muss man sich nur zurücklehnen, entspannen, die Augäpfel justieren und sich vielleicht einen leckeren Drink greifen, um glücklich zu sein. Hätte es noch ein par Szenen mehr von Rosanna Yanni im an Bavas DANGER: DIABOLIK gemahnenden Superheldenkostüm gegeben, es wäre kaum zum Aushalten gewesen. So bleibt ein schöner, psychedelischer Hippie-Franco irgendwo zwischen EUGENIE und VAMPYROS LESBOS. Gutes Einsteigermaterial.

EDIT 13.02.2016: Bei der Zweitsichtung im Rahmen des monatlichen Mondo-Bizarr-Kinoevents gefiel mir SADISTEROTICA noch eine ganze Ecke besser als beim ersten Mal. (Und was ich damals für Verständnisprobleme hatte, kann ich kaum noch nachvollziehen.) Auf 35 mm in nur leicht rotstichiger, aber immer noch schön farbenfroher Kopie, darüber hinaus in der deutschen Synchro, die den eh schon reichlich ausgelassen-albernen Film adäquat mit verbalem Froh- bis Unsinn unterstützt, ist das wunderbar flüchtige Glück, das einem da entgegenströmt, kaum in Worte zu fassen. Das Publikum sah das offensichtlich ganz genauso und hatte hörbar viel Vergnügen mit der albernen Detektivposse. Wäre schön, wenn ein paar Zuschauer zur Francophilie bekehrt worden wären.

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