deadly prey (david a. prior, usa 1987)

Veröffentlicht: Dezember 21, 2011 in Film
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Ein dicker Mann hetzt durch den Wald. Seine Kleidung ist zerrissen, seine Füße sind unbeschuht. Er hat Angst. Kein Wunder, denn ihm auf den Fersen ist eine Gruppe schwerbewaffneter Kerle in zeitlos-modischem Tarnfleck. Noch hat er einen Vorsprung, aber weil er die dumme Angewohnheit hat, über umgefallene Baumstämme drüberzuklettern, anstatt einfach unter ihnen durchzulaufen, und er außerdem Selbstgespräche führt („Sonofabitch! They’re gonna kill me!“) ist der bald dahin. Immerhin kann er noch einen der Jäger mit einem Stein K.O. schlagen – der, so will es die unschlagbare Logik dieser Filme, von seinem eigenen Mann für diese Schmach hingerichtet wird –, bevor ihn der grimme Schnitter holt: ein Mann mit einer ganz besonders schicken Sonnenbrille namens Thornton (der Mann jetzt, nicht die Sonnenbrille).

„Unser Kommandant hat einen Endorsement-Deal mit Ray-Ban an Land gezogen.“

Schnitt in ein Militärcamp, das sich als geheimes Ausbildungslager einer Gruppe von Söldnern entpuppt, die von Colonel John Hogan (David Campbell) zu perfekten Killern trainiert werden sollen. Hier fragt sich der aufmerksame Beobachter sogleich, wie man ein Lager dieser Größe geheim halten kann und wer der zwei Dutzend ziellos herumeiernden Söldner eigentlich die ganzen schicken Panzer fahren soll, die da fein säuberlich nebeneinander geparkt sind. Ich antworte: 1) Weil klotzen besser als kleckern ist. Und 2) Fahren? Das soll nur geil aussehen. Ein gut ausgestatteter Fuhrpark ist alles. Das wusste schon Volker Rühe.

Der ganze Stolz der Kompanie ist die niegelnagelneue Gulaschkanone (rechts über dem Zelt).

Hogans Auftraggeber ist der Anzugfuzzi Don Michaelson (Troy Donahue), dem langsam der Geduldsfaden reißt. Einen Monat gibt er Hogan noch, dann ist aber wirklich Feierabend! Ein Söldner dauert sieben Minuten! Hogan macht das keine Sorgen, denn er weiß: „When we train, it’s for real.“ „Real“ bedeutet in Hogans Welt, arme Durchschnittsbürger zu entführen, sie im Wald auszusetzen und seine Azubis auf sie zu hetzen. Man fragt sich, ob Hogan das Konzept von Krieg wirklich begriffen hat. Erstmal ist er aber angepisst, weil der schuhlose Fettsack aus der Eröffnungsszene einen seiner Männer plattmachen konnte. Trotzdem meint er, der Dicke sei ein zu einfacher Gegner gewesen, und befiehlt seiner streng geheimen Söldnerarmee, einen neuen „Runner“ zu akquirieren: Aber diesmal bitte jemanden, der wirklich was draufhat! Also fahren seine Leute nach Suburbia, wo der Chippendale a. D. Michael Danton (Ted Prior) gerade auf Geheiß seiner Frau Jaimy (die Buchstabierung verrät den Bildungsstand) den Müll rausträgt, aber trotzdem für geeignet befunden wird.

Stahl im Blick, Frittenfett auf dem Torso, Pelz im Nacken

Nur in figurbetonender kurzer Jeans gekleidet flieht Michael in den Wald, die Söldner quietschvergnügt hinterher. Doch der Spaß währt nicht lange, denn Michael ist mit allen Abwassern gewaschen, ein absoluter Profi im Schlecht-ausgebildete-Söldner-Plattmachen. Wie einst Rambo, aber mit mehr Sexappeal, legt er einen Verfolger nach dem anderen um. Als Colonel Hogan von dem Fiasko erfährt, packt er seine Männer bei der dummerweise nur rudimentär vorhandenen Ehre: „You’re supposed to be the best at what you do. Do it better!“ Als die schlechten Nachrichten aber nicht abreißen und er eines der übel zugerichteten Opfer höchstselbst begutachtet, fällt es ihm wie Schuppen aus den Haaren: „I know this style. It’s my style.“ Bevor man nun meint, man sei in einem Film über verfeindete Rapper gelandet und David A. Prior habe den Beef zwischen Kool Savas und Eko Fresh schon im Jahre 1987 antizipiert, befeuchtet Michael einen Wurm mit seiner Spucke – so geschickt wie er das macht, darf man vermuten, dass er sich sein Taschengeld einst mit Handjobs aufgebessert hat – und isst ihn. Inklusive Zerbeißen! A man’s gotta eat!

Ragt weit in den Hals hinein.

Solchermaßen sattgegessen und randvoll mit tierischen Proteinen killt Michael fröhlich weiter. Die Söldner-Azubis haben einen Erkenntnisgewinn nach dem anderen: „Christ, we’re not huntin‘ him, he’s huntin‘ us!“ Colonel Hogan indes weiß inszwischen, dass der „Runner“ Michael Danton ist („Yeah, that was the name on his mailbox.“), den er selbst einst ausgebildet hatte. Und natürlich ist dieser Michael der beste Soldat ever. Während seine überforderten Männer Michael also weiterhin kein Stück Brot vom Teller ziehen („Any signs of him?“ – „Just bodies.“) gerät Hogan ins wollüstige Schwärmen: „I gave anything to have 20 men just like him.“ Ja, Träume. Doch dann, man dachte schon, es würde ewig so weitergehen, wird Michael doch noch geschnappt und ins Camp gebracht. In der Zwischenzeit ist auch Cameron Mitchell bei den Dreharbeiten erschienen: Er spielt den Papa von Jaimy, einen ehemaligen Cop. Mit ihren Hinweisen will er sich auf die Suche nach Michael begeben.

Toller Deko-Tipp für den Schreibtisch: Handgranaten sehen trés chic aus und zeugen von Autorität.

Hogan versucht seinen Musterschüler davon zu überzeugen, doch bei ihm mitzumachen. Aber der Supersoldat hat anderes im Sinn. Aufgrund der sehr beschränkten rhetorischen Fähigkeiten der beiden pendelt sich das Niveau der Diskussion bald irgendwo in der Nähe von Kindergartenstreitigkeiten und einer Episode von „Mitten im Leben“ ein. Hogan greift zum letzten Mittel: heftigem Fluchen und Auf-den-Boden-Stampfen. „Join me, dammit!“ Als Michael auch dieser raffinierten rhetorischen Finte widersteht, sperrt Hogan ihn zur Strafe in ein Zelt, auf dass er über seine Fehler nachdenke. Stattdessen zerreißt er seine Fesseln, die ihm der Söldner Jack Cooper, seinerseits nun wieder ein alter Armeekumpel Michaels, durchgeschnitten hatte, und haut ab. (Da fällt mir wieder ein, wie dumm es war, Zivildienst zu machen. Wäre ich beim Bund gewesen, hätte ich jetzt überall alte Armykumpels, die mir in Keipenschlägereien zur Seite stünden, mit mir in Bananenrepubliken einmarschieren würden, weil sie mir von damals noch einen Gefallen schulden, oder mich raushauen könnten, wenn ich mal wieder von unserem alten Ausbilder gekidnappt worden bin. Hinterher ist man immer klüger.) Michael haut jedenfalls ab und hat eine Idee, die ihn nach Ende des Films reich machen würde:

ACTIONHELDEN-FOTOTAPETEN!

Während er also mal wieder durchs Unterholz tappt, ist der Schwiegerpapa im streng geheimen Söldnerlager angekommen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die einzige Information, die seine Tochter ihm gegeben hatte, war die vage Beschreibung des Autos und drei Ziffern vom Nummernschild. Wie gut, dass die Söldner ihre Karren alle schön beim Straßenverkehrsamt angemeldet haben. Ich frage mich nur, unter welcher Adresse: Auf der Pampa 3? Nunja, Papa staunt nicht schlecht, als er seinem Töchterchen begegnet. Das hatten die Bösen nämlich entführt, um Michael zu erpressen. Sie waren leider nicht besonders nett zu ihr – „Daddy, he raped me!“ – und auch Papa wird schnell entsorgt (Mitchell, der alte Hundsfott: ein lausiger Drehtag, aber Nummer 1 in den Credits!). Der nichts ahnende Michael ist zwischenzeitlich kurz mal nach Hause gegangen – sind ja nur schlappe 75 Meilen vom Camp bis nach L.A. –, um sich auszurüsten. Wer liebt sie nicht, diese Szenen, in denen ehemalige Soldaten ihre privaten Schmuckkästchen öffnen und schwere Geschütze hervorziehen. Michael hat unter anderem mehrere Handgranaten, Gewehre und sogar eine Panzerfaust aus dem Krieg mitgebracht! Und unsereins fühlt sich schon schlecht, wenn er im Urlaubshotel ein Stück Seife mitgehen lässt. Aber deswegen sitze ich auch hier und schreibe diesen Text, während Michael den Bad Guys am laufenden Meter den Arsch aufreißt.

Auch das Posen hatte er von Colonel Hogan gelernt.

Der Film nähert sich dem Ende: Michael trifft Cooper wieder, der die Seiten wechselt und seinem Kumpel im Kampf gegen Hogan und Konsorten hilft. Es tut sich zusammen, was zusammen gehört: Cooper und Danton, das klingt einfach zu geil, als dass man kein gemeinsames Team bilden könnte. Und ihre Frisuren ziehen den Neid zorniger Götter auf sich.

„Welches Shampoo benutzt du denn?“ – „Ich schwöre auf Vidal Sassoon Wash & Go.“

Gemeinsam überfallen die beiden das Camp, das von Wache haltenden Söldnern bevölkert ist, die zum Glück immer was fürchterlich Interessantes am Horizont zu sehen scheinen, sodass sie die wenig grazil in ihrem Rücken heranwalzende Gefahr nicht bemerken. Michael holt seine Jaimy raus, doch wird sie ihm vom bösen Thornton, Hogans rechter Hand, weggeschnappt. Und weil der ein richtiger Fiesling ist, bringt er sie um. Das war ein Fehler. Nicht dass Michael nicht schon zuvor ca. 83 Menschen umgebracht hätte, aber jetzt macht er Ernst: Er hackt Thornton den Arm ab und prügelt ihn mit dem abgetrennten Gliedmaß zu Tode.

Nein, das hatte ich mir nicht ausgedacht.

Nun ist Hogan an der Reihe. Michael stellt seinen unbewaffneten Mentor und fordert ihn auf, sein Hemd auszuziehen. Ja, genauso guckt Hogan daraufhin auch. Und dann kommt der Moment, an dem Michael seine einzige Schwäche zeigt. Er kann nämlich absolut keine coolen One-Liner improvisieren. Und deshalb sagt er auf Hogans verdutzte Reaktion: „Take off your shirt before I cut you out from under it.“ Und das macht auf so viele verschiedene Arten keinen Sinn, dass Michael fürchterlich böse wird. Ende.

I’M A DOUCHEBAG!!!

DEADLY PREY ist von David A. Prior, der Filme gemacht hat mit wohlklingenden Namen wie KILLER WORKOUT, DEATH CHASE, JUNGLE ASSAULT, FUTURE FORCE, FUTURE ZONE, INVASION FORCE, THE FINAL SANCTION (der auch ziemlich unglaublich ist), DOUBLE THREAT oder NIGHT TRAP. In vielen davon spielt sein Bruder Ted mit und trägt dabei solche Namen wie Mark Sanders, Bud McCall, Sergeant Bill Lance, Becker, Spencer oder Billy Tucker. Ach so, DEADLY PREY ist ziemlich grandios. Aber das wusstet ihr ja schon.

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Kommentare
  1. Alex sagt:

    Herrlich! Also sowohl Text als auf Film.

  2. HomiSite sagt:

    Sehr lustig! Ob der Film nun aber nach deinem Text noch genauso unterhaltend ist?

  3. Frank Stegemann sagt:

    Oooh! Den hast du? Woher’dn??

  4. Frank Stegemann sagt:

    Un‘ ich dacht‘ schon… Den habe ich früher geliebt!

  5. Thies sagt:

    David A. Prior ist vor zwei Tagen verstorben. Und beim Durchlesen seiner Filmographie frage ich mich wie lange es dauern wird, bis jemand einen Film wie Tim Burtons „Ed Wood“ über ihn dreht.

    http://www.avclub.com/article/rip-david-prior-direct-video-legend-224012

    • Oliver sagt:

      Auch schon gesehen. Sehr traurig. Aber ein Biopic sehe ich da eher nicht. Und ich hoffe auch, dass ihm solche fragwürdige „Ehrerbietung“, wie sie die Cannon zuletzt erfahren hat, erspart bleibt.

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