best seller (john flynn, usa 1987)

Veröffentlicht: Dezember 24, 2011 in Film
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Nachdem der Polizist Dennis Meechum (Brian Deenehy) zu Beginn der Siebzigerjahre einen spektakulären Raubüberfall überlebt hatte, verarbeitete er den Fall in einem nationalen Bestseller. Rund 15 Jahre später leidet der Witwer aber an einer akuten Schreibblockade. Da kommt der mysteriöse Cleve (James Woods) gerade recht: Der Mann behauptet, für den erfolgreichen Unternehmer und Multimillionär David Madlock (Paul Shenar) zahlreiche Auftragsmorde begangen zu haben und außerdem an der Beschaffung von dessen Gründungskapital beteiligt gewesen zu sein: mit just jenem Überfall, den Meechum einst nur knapp überlebt hatte. Cleve will Rache an Madlock, weil der ihn aussortiert hat: Meechum soll seine Geschichte in einem neuen Buch verarbeiten und Madlock so hinter Schloss und Riegel bringen. Doch Meechum weiß nicht, ob er Cleve, einem skrupellosen Auftragsmörder, wirklich vertrauen kann …

Manche Filme lösen bestimmte Reflexe aus. Das hier ist auch so einer: Man kann sich nämlich nur wundern, warum es in Hollywood angeblich keinen Bedarf mehr für diese Sorte harten, erwachsenen, gimmickfreien Thrillerkinos geben soll. Und so mischt sich automatisch eine Prise Wehmut in die Begeisterung für Flynns von Larry Cohen gescripteten BEST SELLER, der heute undenkbar wäre. Das Drehbuch ist – wie man das von Cohen gewohnt ist – intelligent, ohne sich allzu viel auf seine Cleverness einzubilden und Plottwists um der Plottwists willen aneinanderzureihen: Es erzählt einfach eine spannende Geschichte mit glaubwürdigen und interessanten Charakteren konsequent bis zum unausweichlichen Ende. Brian Dennehy mag nicht gerade dem Idealbild dessen entsprechen, was Marketingexperten heute von einem Leading Man erwarten, aber dafür bringt er Persönlichkeit und – im doppelten Wortsinn – Gewicht mit: Man freut sich einfach, einen so charismatischen Schauspieler in einer verdienten Hauptrolle sehen zu können, die heute garantiert mit irgendwelchen gutaussehenden, aber gesichtslosen Schönlingen besetzt würde. James Woods war 1987 am Höhepunkt seiner Karriere angelangt und ist hier in einer Rolle zu sehen, die ihm gewissermaßen auf den Leib geschrieben wurde. Der immer leicht psychotisch und nervöse wirkende Mann mit dem pockennarbigen Gesicht und Dennehy sind gemeinsam nicht weniger als ein Dreamteam und ihre ambivalente Beziehung – benutzt Cleve Meechum nur für seine Zwecke oder will er endlich Buße tun für seine Verbrechen? – treibt den Film voran. Ihnen gegenüber steht mit Shenar ein Mann, der den schmierig-charmanten Schurken im Anzug wie kaum ein zweiter verkörperte und sich auch hier treu bleibt. Flynns Regie ist wie in seinen Filmen zuvor sehr zurückgenommen und steht ganz im Dienst der Story. Heute würde man vielleicht abschätzig sagen, dass BEST SELLER nach Fernsehen aussieht, aber warum einen Film mit technischem Schnickschnack zuknallen, der doch nur vom Wesentlichen ablenkt, wenn es in diesem Fall schon ein Genuss ist, sich diesen Profis und ihren Storytelling-Talenten für knackige 95 Minuten zu überantworten und sich ordentlich durchschütteln zu lassen? BEST SELLER ist feinstes Entertainment für Hirn, Bauch und Eier. Ein Film für echte Kerle eben.

 

 

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