solamente nero (antonio bido, italien 1978)

Veröffentlicht: Dezember 31, 2011 in Film
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Stefano (Lino Capolicchio), ein Wissenschaftler, besucht seinen älteren Bruder, den Priester Don Paolo (Craig Hill), der auf einer Insel in der Lagune von Venedig lebt, um sich dort zu entspannen. Doch aus diesem Plan wird nichts, weil es schon kurz nach Stefanos Ankunft einen Mord zu beklagen gibt. Mit dem weiblichen Opfer, einem im Ort bekannten Medium, lag der Geistliche ebenso im Clinch wie mit den in den nächsten Tagen folgenden Toten: Wer verfasst also die Morddrohungen, die der nun regelmäßig erhält? Stefano versucht den Fall aufzuklären und seinem Bruder so zu helfen. Ob die Morde etwas mit den Erinnerungsfetzen zu tun haben, die ihn seit kurzem anfallartig heimsuchen?

SOLAMENTE NERO fungiert als  weiterer Beleg für die von mir vertretene These, dass man keinen schlechten Film in Venedig machen kann. Zwar lässt sich vor allem nach den zuletzt bestaunten  IL PROFUMO DELLA SIGNORA IN NERO und SEI DONNE PER L’ASSASINO kaum verhehlen, dass es sich bei Antonio Bidos Giallo nur um spannende Unterhaltung handelt, die zudem etwas fahrlässig gescriptet ist. Doch die herbstlich-winterliche Tristesse seines Handlungsortes mit seinen heruntergekommenen, halb verfallenen Häusern, in denen die Bewohner sich wahrscheinlich florierende Schimmelpilzkolonien halten und bei deren Betrachtung es einem auch vor dem Bildschirm feuchtkalt in den Nacken zieht, lässt das sehr gut verkraften, wenn nicht gar vergessen. Ebenfalls zu seinem Vorteil gereicht es Bidos Film, dass er die prallen Geschmacklosigkeiten und den saftigen Sleaze, die das Gros der Gialli auszeichnen, vermeidet und für seine Auflösung gar das selten vergebene Prädikat „Glaubwürdig“ einheimsen kann. So hat man es bei SOLAMENTE NERO also mit einem eher seriösen, ruhigeren, ernsten und vor allem stimmungsvollen Film zu tun, der zwar – abgesehen vielleicht von Stelvio Ciprianis ohrenbetäubendem und Nackenhaare aufstellendem Score – keine Bäume versetzt, aber durchaus zu den positiven Erscheinungen eines qualitativ doch sehr heterogenen Genres gezählt werden darf.

Kommentare
  1. Thies sagt:

    Zu Deiner Venedig-These würde ich gerne „The Tourist“ von uns Florion von und zu Donnersmarck ins Feld führen. Man könnte sie allerdings dahingehend abwandeln, dass es unmöglich ist in Venedig einen nicht schön aussehenden Film zu drehen, denn als bewegter Urlaubsprospekt geht „The Tourist“ voll in Ordnung. Er wurde allerdings als Mischung aus Thriller und romantischer Komödie beworben und dafür fehlen einfach entscheidende Elemente wie Thrill, Komik und (glaubwürdige) Romantik.

    Sorry für diesen Off-Topic-Exkurs. Als Ausgleich gibt es ein dickes Lob für deine anhaltende Reihe von Giallo-Reviews, die auch mir als bisher eher Genre-Unkundigen Appetit auf mehr machen.

    • Oliver sagt:

      Den Donnersmurks werde ich mir selbstredend nicht anschauen. 🙂

      Aber wenn dir die Giallos Spaß machen, wirst du dich sicherlich darüber freuen, dass da in den nächsten Wochen noch ein paar folgen werden.

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