Archiv für Dezember, 2011

Als der Juwelendieb Antoine Gottvalles (Peter Martell) im Pariser Edelpuff von Madame Colette (Anita Ekberg) mit der schönen Francine (Barbara Bouchet) aneinandergerät und diese nur kurz nach seinem lautstarken Abgang tot aufgefunden wird, steht er als Mörder fest und wird demzufolge ohne viel Federlesen zum Tode verurteilt, wobei er es sich aber nicht nehmen lässt, seine Unschuld zu beteuern und Rache aus dem Grab zu schwören. Zwar gelingt Antoine noch einmal die Flucht, doch verliert er bei einem Motorradunfall seinen Kopf. Als wenig später auch Madame Colette umgebracht wird, ist für alle, die nicht an Übersinnliches glauben, klar, dass man den Falschen verurteilt hat. Inspektor Fontaine (Roberto Sacchi) steht vor einem Rätsel – und einer unüberschaubaren Zahl potenzieller Verdächtiger (darunter etwa Howard Vernon, Rosalba Neri, Rolf Eden und Evelyn Kraft). Diese wird durch weitere Morde jedoch immer mehr dezimiert …

Meine Sichtung war zunächst durch die verzweifelten Versuche von meiner Frau und mir beeinträchtigt, unsere Tochter in einem Bett zum Schlafen zu bewegen, aus dem diese zum ersten Mal selbst wieder aussteigen konnte. Nach der flotten ersten halben Stunde – etwa bis zu dem Zeitpunkt, als Antoine sich an einem dumm geparkten Transporter enthauptet – zogen sich die letzten beiden Drittel für mich daher etwas zäh dahin, zerrissen durch zahlreiche erzwungene Pausen. Der Verriss war eigentlich schon geschrieben. Weil auf dem Cover der Mondo-Macabro-DVD (unter dem TItel FRENCH SEX MURDERS) aber von einem „delirium from start to finish“ die Rede ist, wollte ich mich damit nicht zufrieden geben und habe dem Film direkt im Anschluss eine zweite Chance mit nun ungeteilter Aufmerksamkeit eingeräumt. Und siehe da: CASA D’APPUNTAMENTO ist tatsächlich eine ziemliche Schote, die Menschen mit schlechtem Geschmack für kanppe 90 Minuten das Leben erheblich versüßen kann.

Für einen Appel und ’n Ei produziert vom Low-Budget-Papst Dick Randall, dem es irgendwie gelungen war, eine stattliche Riege von bekannten Namen zur Teilnahme zu überreden (in Minirollen wirken außerdem Gordon Mitchell als Frauenbelästiger und Söldnerfilm-Regular Mike Monty mit – letzterer mit einem imposanten Schnurrbart, dessen Enden er fast am Hinterkopf zusammenbinden kann), sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben: Wer von einem Giallo opulente Bildkompositionen erwartet, psychedelische Beat-Scores und eine gewisse inszenatorische Klasse, wird hier nämlich eines Schlechteren belehrt. Die Settings sind hässlich-karg bis zugestellt-kitschig, der Lichtsetzer leuchtet alles so grell aus, dass man sich einen Spaß daraus machen kann, die Schlagschatten zu zählen, die Dialoge sind zum Gottserbarmen dumm, die Schauspieler verlegen sich entweder aufs gnadenlose Chargieren oder aufs Stocksteif-im-Bild-Rumstehen und die kruden Splattereffekte des jungen Carlo Rambaldi werden gern vier- bis fünfmal hintereinander gezeigt und dabei hübsch psychedelisch eingefärbt. Der große Clou des Films ist sicherlich die Besetzung des Inspektors mit dem professionellen Bogart-Lookalike Sacchi, der den ganzen Film über im klassischen Trenchcoat mit hochgestelltem Kragen herumläuft und spricht, als hätte der Zahnarzt vergessen, ihm die Watte aus den Backen zu nehmen.

Was CASA D’APPUNTAMENTO – der mit seiner Besetzung und der zugkräftigen Melange aus Sex & Crime eindeutig als künstlerisch wenig ambitionierte Cashcow zu identifizieren ist – zum oben erwähnten „delirium“ werden lässt, sind die abstrusen Drehbucheinfälle, die keinem höheren dramaturgischen Zweck verpflichtet sind, sondern dem Zuschauer lediglich möglichst viel fürs Geld bieten sollen, frei nach der Gleichung „Mehr ist Mehr“. Die Wirkung des ausgestoßenen Fluches wird sofort dadurch nivelliert, dass Antoine entkommen kann und seinen Tod letztlich vor allem selbst zu verantworten hat. Der Wunsch von Professor Waldemar, Experimente am abgetrennten Kopf des vermeintlichen Mörders vorzunehmen (!), dient nur dazu, Vernon in einer typischen Mad-Scientist-Rolle aufbieten zu können (inklusive Gehirn im Einmachglas auf dem Regal) und ihn infolgedessen dabei zu zeigen, wie er mit einem Skalpell den Augapfel des Verblichenen tranchiert: Er stellt sich dabei so ungeschickt und grobmotorisch an, dass er die Operation mit ähnlichem Erfolg auch mit einem Holzlöffel hätte durchführen können. Das falsche Todesurteil wird nach dem Tod von Madame Colette von den Verantwortlichen kaum mehr als etwas zerknirscht zur Kenntnis genommen: Shit happens! Und was die Szene soll, in der der Richter beim Schachspiel mit Waldemar einfach mal kurz bewusstlos wird, ist mit gesundem Menschenverstand auch nicht zu begreifen: Ich musste unweigerlich an PRAXIS DR. HASENBEIN denken („Bin nur mal kurz eingeschlafen!“). Dieser ganze Irrsinn wird auf merkwürdige Art von Roberto Sacchis Dreigroschenbogart zusammengehalten, der in seiner Inkompetenz so souverän ist, dass er tatsächlich wie ein abgebrühtes Mastermind rüberkommt und so das Universum des Bescheuerten, in dem CASA D’APPUNTAMENTO angesiedelt ist, fast wieder normal erscheinen lässt: Wenn er Verdächtige frustriert aus dem Verhör entlässt, nur weil sie ihm gesagt haben, dass sie unschuldig sind, entscheidende Hinweise überhört, falsch interpretiert oder einfach regelmäßig zu spät kommt, dann versteht man, was der Begriff „menschliches Versagen“ wirklich bedeutet. Regisseur Ferdinando Merighi ist von solcher Selbsterkenntnis wahrscheinlich weit entfernt.

Carol Hammond (Florinda Bolkan) gehört mit ihrem Mann Frank (Jean Sorel) der Londoner Oberschicht an. Gemeinsam führen sie ein in Routine erstarrtes Eheleben, das sich Frank mit einer Affäre aufpeppt, während seine Gattin alle ihre Wut und ihre Fantasien auf die attraktive Nachbarin Julia (Anita Strindberg) projiziert, die ein enthemmtes Leben voller rauschhafter Partys führt. Das schnöde Bürgerleben gerät aus dem Ruder, als Julia ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wird – genau einen Tag, nachdem Carol davon geträumt hatte, sie zu erdolchen. Und es ist ihr Brieföffner, der als Tatwaffe am Tatort liegt …

Lucio Fulci ist ein sträflich unterschätzter Regisseur und UNA LUCERTOLA CON LA PELLE DI DONNA beweist das sehr eindrucksvoll. Berühmt wurde Fulci weltweit, als er in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren maßgeblich an der Welle italienischer Splatterfilme beteiligt war, die Europa, aber auch die USA im Sturm eroberte. Eine Welle, die ihn leider selbst mit fortriss und sein inszenatorisches Können so Stück für Stück abtrug. Doch die besten seiner Splatterepen sind weitaus mehr als Splitter im Auge, zerschmelzende Gesichter und platzende Köpfe vielleicht suggerieren: In ihnen erkennt man den Surrealisten hinter der Kamera, der – kaum weniger als sein von Cineasten einhellig gefeierter Kollege Dario Argento – Traumwelten auf die Leinwand bringt und dessen Filme keineswegs unlogisch sind (wie oft behauptet wird), sondern lediglich ihrer eigenen Logik folgen. Was mich nun zu diesem Giallo aus dem Jahr 1971 bringt, der sich geradwegs in den Kopf einer Frau begibt, die sich in einer schweren psychischen Krise befindet. UNA LUCERTOLA verbindet psychedelische Schnitt- und Bildfolgen, die den Zuschauer unterstützt von Morricones jazzigem Score schier überwältigen. Die Traumsequenzen sind einfach nur eindrucksvoll: sinnlich, beängstigend, verführerisch. Der verschlungene Krimiplot mit seinen unzähligen Verdächtigen, falschen Fährten, versteckten Motiven und dunklen Geheimnissen spiegelt die Verwirrung der jungen Frau, die von Florinda Bolkan in einer ganz ähnlichen Rolle verkörpert wird, die sie schon im fantastischen LE ORME bekleidete. Tatsächlich ist sie mir ihrem dichten dunklen Haar, den dunklen Augen und den markanten Gesichtszügen wie gemacht für diese neurotischen, herben Schönheiten. Und sie gibt ihr Geheimnis in UNA LUCERTOLA bis zum Schluss nicht preis: Auch wenn es eine klassische Krimiauflösung gibt, Carol bleibt ein Mysterium. Wenn ich etwas an Fulcis Film kritisieren müsste, dann wäre das das etwas antiklimaktische Ende: Eine Reihe von Dialogszenen beendet den Film eher unspektakulär. Aber eigentlich ist das auch wieder nachvollziehbar: Das seelische Chaos, repräsentiert durch die dionysischen Traumsequenzen zu Beginn, hat der Verstand des Polizisten einigermaßen in Ordnung gebracht. Was nicht bedeutet, dass ich am Ende nicht das Gefühl hatte, bei der ein oder anderen Wendung den Anschluss verloren zu haben. Ein toller Film.

Die Leiche, die Christian (Robert Hoffmann) am Starnd entdeckt zu haben glaubt, entpuppt sich zum Glück als nur bewusstlose und zudem hochattraktive Blondine Barbara (Suzy Kendall). Zwischen den beiden funkt es sogleich und so landen die beiden noch am seben Abend auf ihrem Motelzimmer. Doch als erdort von einem Killer überfallen wird, den er iim folgenden Handgemenge erschießt, ist es vorbei mit der Romanze. Das angeblich leer stehende Haus einer Freundin Barbaras soll den beiden vorübergehend als Unterschlupf dienen, doch dann stehen plötzlich die Untermieter vor der Tür: der alte Malcolm (Guido Alberti) und die rätselhafte Clorinda (Monica Monet). Beide scheinen Christian zu kennen und sind fest davon überzeugt, den Ermordeten quicklebendig gesehen zu haben. Christian beginnt an seinem Verstand zu zweifeln …

SPASMO ist der erste Giallo, den ich von Umberto Lenzi gesehen habe, und wenn ich auch schon von seinen Polizei- und Gangsterfilmen (allen voran dem fantastischen LA BANDA DEL GOBBO, der meines Wissen immer noch einer DVD-Auswertung harrt) her wusste, dass der gute Mann Einiges mehr auf dem Kasten hatte, als das, was er in seinen Kannibalen- und Zombiefilmen so zum Besten gab, hat mich die Eleganz und Schönheit dieses Films mehr als überrascht. In prächtigem Scope, das den tollen Bildkompositionen zur Ehre gereicht, und veredelt von einem gewohnt betörenden Score von Meister Morricone, ist SPASMO ein absolutes Schmuckstück in einem ästhetisch soweiso schon sehr avancierten Genre. Diese Schönheit fungiert dabei durchaus als dramaturgisches Mittel, denn sie täuscht eine ganze Weile über die existenzielle Tragweite der Geschichte um Christian hinweg. In Lenzis Film geht es dann auch nicht in erster Linie um einen lustmordenden Maskenmann, sondern um den Zusammenbruch seines Protagonisten, der im Laufe der Handlung weit mehr als nur seinen schicken Vollbart verliert. Als „Giallo“ ist der Film somit nur sehr vage beschrieben (nämlich insofern, als „Giallo“ synonym oft für „italienischer Thriller“ steht): Lenzi schert sich nicht besonders um Genrekonventionen, baut die Spannung verführerisch langsam auf – so langsam, dass man sich lange Zeit fragt, worum es in diesem Film eigentlich geht – und lässt ihn dann mit einem schockierenden Doppelschlag enden. Vielleicht ist es die Euphorie der Erstsichtung, die mich diesen Film als „meisterlich“ bezeichnen lässt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass SPASMO auch der Belastungsprobe weiterer Sichtungen standhalten und noch weitere Fassetten offenbaren wird. Bisher der mit Abstand beste Lenzi, den ich kenne, und ein Höhepunkt seines Genres.

Nachdem der Polizist Dennis Meechum (Brian Deenehy) zu Beginn der Siebzigerjahre einen spektakulären Raubüberfall überlebt hatte, verarbeitete er den Fall in einem nationalen Bestseller. Rund 15 Jahre später leidet der Witwer aber an einer akuten Schreibblockade. Da kommt der mysteriöse Cleve (James Woods) gerade recht: Der Mann behauptet, für den erfolgreichen Unternehmer und Multimillionär David Madlock (Paul Shenar) zahlreiche Auftragsmorde begangen zu haben und außerdem an der Beschaffung von dessen Gründungskapital beteiligt gewesen zu sein: mit just jenem Überfall, den Meechum einst nur knapp überlebt hatte. Cleve will Rache an Madlock, weil der ihn aussortiert hat: Meechum soll seine Geschichte in einem neuen Buch verarbeiten und Madlock so hinter Schloss und Riegel bringen. Doch Meechum weiß nicht, ob er Cleve, einem skrupellosen Auftragsmörder, wirklich vertrauen kann …

Manche Filme lösen bestimmte Reflexe aus. Das hier ist auch so einer: Man kann sich nämlich nur wundern, warum es in Hollywood angeblich keinen Bedarf mehr für diese Sorte harten, erwachsenen, gimmickfreien Thrillerkinos geben soll. Und so mischt sich automatisch eine Prise Wehmut in die Begeisterung für Flynns von Larry Cohen gescripteten BEST SELLER, der heute undenkbar wäre. Das Drehbuch ist – wie man das von Cohen gewohnt ist – intelligent, ohne sich allzu viel auf seine Cleverness einzubilden und Plottwists um der Plottwists willen aneinanderzureihen: Es erzählt einfach eine spannende Geschichte mit glaubwürdigen und interessanten Charakteren konsequent bis zum unausweichlichen Ende. Brian Dennehy mag nicht gerade dem Idealbild dessen entsprechen, was Marketingexperten heute von einem Leading Man erwarten, aber dafür bringt er Persönlichkeit und – im doppelten Wortsinn – Gewicht mit: Man freut sich einfach, einen so charismatischen Schauspieler in einer verdienten Hauptrolle sehen zu können, die heute garantiert mit irgendwelchen gutaussehenden, aber gesichtslosen Schönlingen besetzt würde. James Woods war 1987 am Höhepunkt seiner Karriere angelangt und ist hier in einer Rolle zu sehen, die ihm gewissermaßen auf den Leib geschrieben wurde. Der immer leicht psychotisch und nervöse wirkende Mann mit dem pockennarbigen Gesicht und Dennehy sind gemeinsam nicht weniger als ein Dreamteam und ihre ambivalente Beziehung – benutzt Cleve Meechum nur für seine Zwecke oder will er endlich Buße tun für seine Verbrechen? – treibt den Film voran. Ihnen gegenüber steht mit Shenar ein Mann, der den schmierig-charmanten Schurken im Anzug wie kaum ein zweiter verkörperte und sich auch hier treu bleibt. Flynns Regie ist wie in seinen Filmen zuvor sehr zurückgenommen und steht ganz im Dienst der Story. Heute würde man vielleicht abschätzig sagen, dass BEST SELLER nach Fernsehen aussieht, aber warum einen Film mit technischem Schnickschnack zuknallen, der doch nur vom Wesentlichen ablenkt, wenn es in diesem Fall schon ein Genuss ist, sich diesen Profis und ihren Storytelling-Talenten für knackige 95 Minuten zu überantworten und sich ordentlich durchschütteln zu lassen? BEST SELLER ist feinstes Entertainment für Hirn, Bauch und Eier. Ein Film für echte Kerle eben.

 

 

Die Schwertmeisterin Red Sonja (Brigitte Nielsen) begibt sich auf den Weg zur Festung der schurkischen Königin Gedren (Sandahl Bergman): Die hatte einst nicht nur Sonjas Familie ermordet, sie ist auch im Besitz eines Steins, mit dessen Hilfe sie die Welt unterjochen will. Der Kämpfer Kalidor (Arnold Schwarzenegger) sowie der kindliche Prinz Tarn (Ernie Reyes jr.) und dessen treuer Diener Falcon (Paul L. Smith) schließen sich ihr an …

Ein Jahr nach CONAN THE DESTROYER drehte Richard Fleischer – wieder für seinen alten Freund Dino De Laurentiis – diesen Barbarenfilm, ebenfalls basierend auf einer allerdings weniger populären Comicserie. Der zum damaligen Zeitpunkt 69 Jahre alte Regisseur wird das später wahrscheinlich bereut haben: Der Film floppte an der Kinokasse, wurde einhellig verrissen, Brigitte Nielsen verlacht und auch heute noch ist man sich weit gehend einig darüber, dass der Film eine einzige Lachnummer ist. So ganz nachvollziehen kann ich das ehrlich gesagt nicht. Klar, RED SONJA ist nicht mehr als harmloses Fantasykino ohne jeden Tiefgang für eher schlichte Gemüter und gehört zudem einem Subgenre an, dessen Höhepunkt CONAN, THE BARBARIAN danach eigentlich nichts mehr hinzuzufügen war, aber das weiß man ja schon, bevor man sich diesen Film anschaut. Man kann ihm Einiges vorwerfen – Nielsens und Schwarzeneggers Schauspielkunst, das mäßig originelle Drehbuch –, aber definitiv nicht, dass er handwerklich schlecht gemacht wäre. Mir hat RED SONJA gestern jedenfalls überraschend gut gefallen: Es gibt ein paar wirklich tolle Bauten und Kulissen zu bewundern, die Kostümbildner haben sich ebenfalls nicht lumpen lassen, prachtvolle Matte Paintings sorgen für Nostalgieschübe, Morricones Score für das Pathos und die große Gefühle, die die Story vermissen lässt, und wenn der Film auch eine durchgehende Dramaturgie und etwas Gewicht vermissen lässt, so sind seine Episoden doch immerhin kurzweilig.

RED SONJA als Fleischer-Film zu betrachten, macht natürlich überhaupt keinen Sinn und man fragt sich schon, ob der zun diesem späten Zeitpunkt seiner Karriere nicht besser beraten gewesen wäre, sich in den Lehnstuhl zurückzuziehen und andere die Arbeit machen zu lassen. Seine beeindruckende Laufbahn hätte sicherlich ein ruhmreicheres Ende verdient gehabt. Lässt man das außen vor, dann kann man mit RED SONJA aber durchaus glücklich werden. Ich finde ihn nicht wesentlich schlechter als Fleischers CONAN-Film.

John Hood (Mario van Peebles), wegen seiner Rapskills auch „Rappin‘ Hood“ genannt, kehrt nach einer Haftstrafe zurück nach Pittsburgh, wo er von seiner Crew (u. a. Kadeem Hardison und Eriq La Salle) schon sehnsüchtig erwartet wird. Doch viel hat sich verändert: Seine Freundin Dixie (Tasia Valenza) ist mittlerweile mit Johns Erzfeind Duane (Charles Grant) zusammen und ein rücksichtsloser Bauunternehmer versucht die Bewohner von Johns heruntergekommenem Viertel mit dubiosen Machenschaften zu vertreiben. Unter anderem mit seinen begeisternden Freestyles gelingt es John  und seinen Kumpels, den Tag zu retten …

Mitte der Achtzigerjahre waren Breakdancing und Rap der heißeste Scheiß in Sachen Jugendkultur und als gewiefte Geschäftsmänner wussten die Masterminds der Cannon, Menahem Golan und Yoram Globus, dass sie diesen Trend filmisch zu melken hatten, solange er Milch hergab. So entstanden BREAKIN‘, BREAKIN 2: ELECTRIC BOOGALOO und eben RAPPIN‘ und zumindest mit dem ersten in dieser Reihe ging die Rechnung für die Cannon auf: Er war einer ihrer größten Erfolge an der Kinokasse. Dieser Erfolg konnte aber kaum darüber hinwegtäuschen, dass Golan und Globus die neu entstandene Jugendkultur bestenfalls marginal verstanden hatten. Das wurde spätestens im Sequel, das Breakdancing durch stinknormalem Jazztanz ersetzte, und eben in RAPPIN‘ evident. Anstatt echte Rapper zu besetzen, was etwa KRUSH GROOVE zu einem kleinen Klassiker machte, quält uns nun Mario van Peebles mit seinen lyrischen Ergüssen, die einer Kunstform, mit der die Unterprivilegierten sich eine Stimme verschafften, jeden subversiven Zahn ziehen. Auch wenn im Film immer wieder gepredigt wird, wie nützlich Rap ist, um sich Gehör zu verschaffen, so gehen die Texte von „Rappin‘ Hood“ doch nie über das hinaus, was das Erbauungskino so an Message unters Volk bringt. Der Höhepunkt des Films, in dem Hood sein Plädoyer gegen den bösen Bauunternehmer bei einer öffentlichen Anhörung rappt und selbst die Richter mit seinen Binsenweisheiten zum Mitklatschen und Mitskandieren anregt, spricht eine sehr deutliche Sprache.

Vielleicht sehe ich das auch zu eng: RAPPIN‘ ist im Grunde genommen ein Kinderfilm, in dem die Guten und die Bösen schon von Weitem klar erkennbar sind und Grauschattierung außen vor bleiben. Und als Zeitzeugnis, das den ersten Schritt einer vormals im Underground angesiedelten Ausdrucksform hin zum (totalen) Kommerz illustriert, ist er durchaus nicht ganz uninteressant. Kurze Auftritte von einem unglaublich spargeligen Ice-T, der mit seinem Track „Killer“ (und umgehängter Maschinenpistole) schon den später kommenden Gangsterrap antizipiert, und den Force M.D.’s sorgen für einen Hauch Authentizität, das herrlich marode, ja beinahe ruinöse Stadtviertel, in dem der Film spielt, für eine visuelle Linie und der zum Abschluss statt gewöhnlicher Credits von fast allen Cast-Mitgliedern vorgetragene Rap für ein versöhnliches Schmunzeln.

 

Ein Mörder geht um! Seine Opfer sind Ehefrauen hoher Tiere der römischen Gesellschaft, die sich nebenbei mit anderen Männern verlustieren. Der Killer bestraft diesen moralischen Verfall und garniert die Tatorte mit Fotos, die die Damen im Liebsspiel mit ihren Liebhabern zeigen, wobei die Gesichter der Männer unkenntlich gemacht worden sind. Inspektor Capuana (Farley Granger) steht vor einem Rätsel. Bis ihm dämmert, dass auch seine Gattin Barbara (Sylva Koscina) auf der Liste des Mörders steht …

Zu Giallos zu schreiben fällt mir meist schwer. Das Genre ist so kompakt und homogen, dass das, was ich jetzt zu RIVELAZIONI DI UN MANIACO SESSUALE AL CAPO DELLA SQUADRA MOBILE sagen kann, eigentlich fürchterlich trivial ist: Wieder einmal gibt es einen derangierten Killer mit Maske, Handschuhen und äußerst strengem Moralbegriff, der gut aussehende, leicht bekleidete und mit losen Sitten ausgestattete Frauen – der deutsche Titel SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL bringt es also auf den Punkt – zerschlitzt. Roberto Bianchi Monteros Film schlägt vielleicht etwas mehr als andere Gialli in Richtung Polizeifilm aus – das ist vor allem durch den Protagonisten bedingt, der, von seinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt, das altbekannte Lied von den laschen Gesetzen singt, die ihm viel zu wenig Spielraum lassen – vertritt sein Genre aber sonst idealtypisch. Das muss nichts Schlechtes sein, schon gar nicht, wenn das Ergebnis so stilvoll daherkommt wie RIVELAZIONI. Vor allem der traumhafte Giorgio Gaslini trägt dazu bei, dass dieser inhaltlich doch eher stromlinienförmige Filme einen Hauch besser und größer wirkt, als er eigentlich ist, ebenso wie die durchweg schöne Fotografie, die das Glück hat einige der schönsten Frauen des italienischen Kinos jener Zeit ablichten zu dürfen. Das Ende hebt den Film dann noch einmal ein Stück vom Gros des Genres ab, verkneift sich die sonst übliche von Freud geborgte Analyse der Tätermotivation, und beschert dem Protagonisten stattdessen ein tragisches und ziemlich tolles ambivalentes Ende, dass ihn nämlich als genauso „schlecht“ oder „unmoralisch“ ausweist, wie jene, für die er zuvor nur leise Verachtung übrig hatte. Eine runde Sache, über die ich jetzt nicht viel mehr sagen muss. Außer dass die deutsche DVD von Camera Obscura einen Pflichtkauf für Freunde des Italokinos darstellt. Aber auch das dürfte keine Neuigkeit sein.