sette orchidee macchiate di rosso (umberto lenzi, italien/deutschland 1972)

Veröffentlicht: Januar 3, 2012 in Film
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Zwei Frauen fallen einem Killer zum Opfer, der als Markenzeichen ein Halbmond-Amulett zurücklässt. Giulia (Uschi Glas), die hübsche Gattin des Modedesigners Mario (Antonio Sabato), kommt kurz darauf knapp mit dem Leben davon – was auf Anraten der Polizei aber verschwiegen wird, um sie vor wiederholten Attacken des Mörders zu schützen. Gemeinsam mit ihrem Mann beginnt sie Nachforschungen zur Ermittlung der Identität des Killers anzustellen und kommt darauf, dass er und die ermordeten Damen vor ein paar Jahren Gast in ihrem Hotel gewesen waren. Und noch vier weitere Frauen kommen als potenzielle Opfer in Frage …

Von Umberto Lenzi gewohnt routiniert und handwerklich sauber gefertigt, kommt SETTE ORCHIDEE MACCHIATE DI ROSSO leider nicht über leicht gehobenen Durchschnitt hinaus – vom Niveau eines SPASMO ist er weit entfernt. Die Story ist giallotypisch schön überkonstruiert, die Auflösung angemessen weit hergeholt und bis es soweit ist, gibt es einige Morde an schönen Frauen, den anscheinend unvermeidlichen unsympathischen Schwulen und die ebenfalls typischen konservativen Spitzen gegen Hippies mit ihrem unkonventionellen (= unmoralischen) Lebensstil zu bewundern.

Das alles ist durchaus unterhaltsam, wenngleich der schmale Grat zwischen Routine und Leblosigkeit von Lenzi doch leicht in Richtung letzterer übertreten wird. Der generischen Mörderhatz fehlen einfach ein paar spezifische Details und herausstechende Einfälle, um sie nachhaltig im Gedächtnis zu verankern. SETTE ORCHIDEE MACCHIATE DI ROSSO wirkt irgendwie leer, unbelebt und gestellt. Das mag auch an den Darstellern liegen: Die Freude, die man als Freund des Italokinos beim Schauen dieser Filme empfindet, rührt ja nicht zuletzt daher, dass man – wie Christian Kessler mal sehr richtig schrieb – das Gefühl hat, Mitglied einer Familie zu sein: Der Kreis der Darsteller ist recht übersichtlich und so sieht man bestimmte Schauspieler immer wieder, mal in größeren, mal in kleineren Rollen, und hat den Eindruck, sie kennenzulernen. SETTE ORCHIDEE hat den nicht so richtig sympathischen Antonio Sabato aufzubieten und mit Uschi Glas eine Hauptdarstellerin, die leider jene nervös-hysterische Überspanntheit vermissen lässt, die Italofilm-Ikonen wie Edwige Fenech, Rosalba Neri oder Suzy Kendall so perfekt für dieses Genre machte. „Unsere Uschi“ agiert unterkühlt, emotionslos und puppenhaft – wahrscheinlich passte es nicht zu ihrem Selbstbild, das hilflose, sexuell willfährige Opfer zu geben. Auch die Nebenrollen sind nicht so prall besetzt: Raf Vallone, Marisa Mell und Renato Romano (der mir kürzlich schon in CASA D’APPUNTAMENTO und L’UCCELLO DALLE PIUME DI CRISTALLO über den Weg gelaufen ist) bekommen nicht viel Zeit und Petra Schürmann ist zwar als Kuriosität ganz hübsch, aber eben auch keine Barbara Bouchet. So bleibt ein angemessen blutiger Bohrmaschinenmord als einziges echtes Highlight. Immerhin.

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