la morte cammina con i tacchi alti (luciano ercoli, spanien/italien 1971)

Veröffentlicht: Januar 10, 2012 in Film
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Weil ihr Vater nach einem Juwelenraub ermordet wurde, die Beute aber nach wie vor nicht aufgetaucht ist, verhört die Polizei die Pariser Striptease-Tänzerin Nicole Rochard (Susan Scott), doch die beteuert, nichts vom Verbleib der Steine zu wissen. Wenig später wird sie erst von einem Unbekannten per Telefon belästigt, dann schließlich von einem Maskenmann zu Hause bedroht. Weil sie ihren Freund, den arbeitslosen Michel (Simon Andreu), verdächtigt, überantwortet sie sich ihrem Verehrer, dem Chrirurgen Dr. Robert Matthews (Frank Wolff), der sie mit in sein Landhaus nach England nimmt. Doch wenig später verschwindet Nicole spurlos und Robert wird in seiner Praxis angeschossen …

Wow! Giuliano Ercolis LA MORTE CAMMINA CON I TACCHI ALTI ist genau der Giallo, den ich jetzt gebraucht habe, nachdem mich Lenzi zuletzt bitter enttäuscht hat. Ercoli bleibt den Regeln des Genres einigermaßen treu – es gibt den maskierten Killer, ein paar sadistische (und blutige!) Mordszenen und schöne Frauen -, ist ihnen aber auch nicht sklavisch ergeben. So entwickelt sich sein Film in der zweiten Hälfte zu einem sehr raffinierten Krimi, der sich dadurch hervortut, dass seine Wendungen und Twists allesamt nachvollziehbar und glaubwürdig bleiben. Auch wenn es sicherlich übertrieben wäre, zu behaupten, der Zuschauer könne mitraten, wer der Mörder ist – dafür ist der Plot dann doch etwas zu verschlungen -, so kommt der Film diesem Ideal doch sehr nahe, weil er konsequent darauf verzichtet, im letzten Akt ein bis dahin verborgen gehaltenes As aus dem Ärmel zu zaubern oder sonstige Tricks zur Irreführung zu bemühen. Er hält damit tatsächlich das, was unser amtierender Bundespräsident immer nur verspricht: Transparenz. Der Kreis der Verdächtigen bleibt übersichtlich, lässt aber dennoch Raum für die so lieb gewonnene Figur des Sonderlings (hier mal wieder Luciano Rossi, der in seiner ersten Szene ganz blofeldesk eine Katze mit seiner behandschuhten Prothesenhand streicheln darf), und vom Wesentlichen ablenkende Nebenkriegsschauplätze sind auch nicht nötig, weil der Hauptplot verschlungen genug ist und die volle Aufmerksamkeit fordert.

Das Drehbuch von Ernesto Gastaldi (der etliche der von mir zuletzt gesehenen Giallos gescriptet hat, mit allerdings ganz unterschiedlichem Ertrag) kann also gar nicht genug gelobt werden: Als Zuschauer meint man, sich immer auf Augenhöhe zum Geschehen zu befinden, nur um dann verdutzt eine völlig unerwartete Entwicklung registrieren zu müssen. Andere Drehbuchautoren hätten ihre Geschichte ab der Ankunft von Nicole und Robert in seinem Landhaus nur noch abgewickelt, sich mit dem Stalk’n’Slash zufrieden gegeben – und damit ja durchaus auch Erfolg haben können. Nicht so Gastaldi, dessen Räuberpistole dort erst richtig beginnt und sich in eine Richtung bewegt, die man nicht abgesehen hat, nur um am Ende doch wieder am längst vergessenen Ausgangspunkt anzuknüpfen. Das ist große Giallo-Kunst und vorzügliche Unterhaltung, zumal es mit Susan Scott (bzw. richtig: Nieves Navarro) einen schönen Augenschmaus für die männlichen Zuschauer gibt, mit Frank Wolff einen exzellenten, sympathisch und natürlich rüberkommenden Hauptdarsteller (der leider ein Jahr später mit einem geglückten Selbstmordversuch den einzigen Ausweg aus seinen Depressionen nahm) und die Musikuntermalung von Stelvio Cipriani gewohnt hochklassig ist. Fast die gesamte Belegschaft des Films gab sich nur ein Jahr später in Ercolis nächstem Giallo LA MORTE ACCAREZZA A MEZZANOTTE wieder die Ehre. Never change a winning team! Die ersten Minuten von diesem Film habe ich schon gesehen und darf für meinen nächsten Eintrag eine weitere Giallo-Sternstunde prognostizieren. (Ercolis Debüt, LE FOTO PROIBITE DI UNA SIGNORA PER BENE, folgt ebenfalls in Bälde.)

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