la coda dello scorpione (sergio martino, italien/spanien 1971)

Veröffentlicht: Januar 14, 2012 in Film
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Weil ihr Ehemann bei einem Flugzeugunglück ums Leben kommt, erhält seine jüngere Ehefrau Lisa (Ida Galli) von der Versicherung eine Million, die sie in Athen in Empfang nimmt. Lara Florakis (Janine Reynaud), die Geliebte von Lisas Gatten, hat etwas dagegen und hetzt der jungen Frau einen Typen namens Sharif (Luis Barboo) auf den Hals. Ihr zur Hilfe kommt Peter Lynch (George Hilton), doch auch der kann ihren gewaltsamen Tod letztlich nicht verhindern. Gemeinsam mit der Reporterin Cléo Dupont (Anita Strindberg) versucht er, den Mörder zu stellen – auch weil er selbst als einer der Verdächtigen gilt …

LA CODA DELLO SCORPIONE ist zwar nur ein mittelmäßiger Giallo, aber er ist ganz hilfreich, um die Querverbindung zu Hitchcocks PSYCHO als wichtigem Einfluss für das italienische Thrillergenre zu ziehen. Als Hitchcocks Film damals erschien, setzte er neue Maßstäbe hinsichtlich der Inszenierung von Gewalt, er führte die Psychologie als offenliegenden Bezugsrahmen in den Thriller ein und unterzog das Genre einer Sexualisierung: Aspekte, die im Giallo auf die Spitze getrieben wurden. Martino übernimmt von PSYCHO außerem noch den dramaturgischen Clou, die vermeintliche Hauptfigur nach einem Drittel aus dem Film zu nehmen. Lisa agiert bis zu ihrem Tod in jeder Szene und ihr Tod wird mit heftigen Splattereffekten dann auch als besonders einschneidend inszeniert. Doch so richtig überraschend kommt ihr Tod nicht: Erstens muss in einem Giallo nunmal irgendwann jemand ins Gras beißen und zweitens tragen die Credits, die die bis zu Lisas Tod noch überhaupt nicht aufgetretene Anita Strindberg als Hauptdarstellerin listen, auch nicht gerade dazu bei, dass man als Zuschauer bereit ist, sein Herz bedingungslos an die etwas fade Lisa zu hängen. LA CODA DELLO SCORPIONE ist Giallo auf Autopilot: von Martino gewohnt versiert, aber auch etwas uninspiriert inszeniert, mit seiner absurden Zahl aus den unmöglichsten Perspektiven gefilmter Szenen zwar immer schön anzusehen und dank Bruno Nicolais Score auch anzuhören, aber von den Mordszenen, in denen ordentlich auf die Tube gedrückt wird – es gibt eine tolle Zeitlupensequenz und ein paar sehr happige Schlitzereien –, und jenen sparsam aber effektiv verteilten Momenten, in denen die wunderschöne Strindberg blank zieht, einmal abgesehen, auch ziemlich langweilig. Ein typischer Mittelklase-Giallo halt, den ich vielleicht besser gefunden hätte, wenn ich nicht zuvor so viele so viel bessere Genrevertreter geschaut hätte; bezeihungsweise solche, die neben ihrer avancierten Bildgestaltung eben auch sonst spannend sind. Und um diesen natürlichen Abnutzungserscheinungen etwas vorzubeugen, unterbreche ich meine Gialloreihe jetzt mal kurz und schaue was ganz anderes.

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