the silent partner (daryl duke, kanada 1978)

Veröffentlicht: Februar 12, 2012 in Film
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Der Bankangestellte Miles Cullen (Elliott Gould) verrichtet seinen Job auf dem schmalen Grad zwischen Routine und Langeweile. Das ändert sich, als er herausfindet, dass der Weihnachtsmann, der vor seiner Filiale für Nächstenliebe wirbt, einen Überfall plant. Cullen wittert seine Chance: Am Stichtag schafft er das eingezahlte Geld zur Seite und fertigt den Bankräuber mit dem verbliebenen Handgeld aus der Kasse ab, bevor er den Alarm auslöst und ihn in die Flucht schlägt. Doch der, ein gemeingefährlicher Psychopath namens Reikle (Christopher Plummer), ahnt, dass er von dem unscheinbaren Schalterbeamten hereingelegt worden ist und die eigentlich ihm zustehende Beute sich nun in dessen Händen befindet …

Filme wie dieser machen einem immer wieder klar, dass man sich gar nicht unbedingt in die Untiefen des Indiefilms oder in exotische Länder begeben muss, um Entdeckungen zu machen und vergessene Perlen zu heben. THE SILENT PARTNER ist ein solcher Glücksfall und führt dem Zuschauer deutlich vor Augen, dass das Gros der zeitgenössischen Thriller mit ihren Last-Minute-Plottwists und sonstigen Gimmicks den Großleistungen des Genres, die nicht mit Augenwischereien glänzten, sondern mit intelligent erzählten, raffinierten Geschichten, niemals das Wasser reichen kann. Drehbuchautor Curtis Hanson, der sich rund 20 Jahre später als Regisseur von L.A. CONFIDENTIAL verewigen sollte, baut auf der cleveren Ausgangssituation des Films auf und denkt sie konsequent zu Ende: THE SILENT PARTNER ist einer dieser Filme, deren Dramaturgie sich am besten mit dem schönen Begriff „Eskalationslogik“ erklären lässt – alles kommt immer noch ein bisschen schlimmer als man gedacht hat. Der Film verliert dabei aber nie seinen ruhigen, bedachten, aber ungemein sicheren Rhythmus, er entfaltet sich mit sachlicher Kühle und einer eisigen Disziplin, die mehr wert ist als spektakuläre Set Pieces. Zwei kurze Gewaltausbrüche braucht der Film: den ersten, um klar zu machen, was hier auf dem Spiel steht, mit wem sich Cullen da angelegt hat, den zweiten, heftigeren, um den Zuschauer gemeinsam mit dem Protagonisten an den Abgrund zu führen.

Regisseur Daryl Duke ist weitestgehend unbekannt geblieben, sein nominell vielleicht bekanntester Film ist der Historienflop TAI-PAN von 1986, der seine kurze Kinofilm-Karriere nach nur vier Filmen dann auch wieder beendete. In erster Linie war er fürs Fernsehen tätig und das sieht man THE SILENT PARTNER auch an. Aber diese stilistische Zurückhaltung tut dem Film sehr gut: Duke überlässt es seinen beiden Hauptdarstellern, für die Glanzlichter zu sorgen. Gould überzeugt in einer willkommenen bürgerlichen Variation der Außenseiter- und Slacker-Rollen, mit denen er in den Siebzigerjahren kurzzeitig zu einem der größten Hollywood-Stars wurde, Plummer ist als metrosexueller Gewaltverbrecher absolut furchteinflößend und seiner Zeit außerdem einige Jahre voraus. In seiner Darstellung sieht man sowohl bereits Film-Serienmörder wie SILENCE OF THE LAMBS‘ Buffalo Bill heraufdämmern als auch Gentleman-Psychopathen wie Bret Easton Ellis‘ Patrick Bateman. Die bewusst schmucklosen Settings des Films verleihen dem Stoff darüber hinaus genau jenen Realismus, der seine Durchschlagskraft noch einmal potenziert. Vielleicht wäre der Film ohne seinen romantischen Subplot und das Happy End noch stringenter geworden, aber selbst diese klischierten Handlungsabläufe bringt Duke mit wohltuendem Understatement über die Rampe, sodass sie sich nahtlos einfügen. Ein bärenstarker Film, den wiederzuentdecken sich lohnt. Und ein Wiedersehen mit einem jungen John Candy gibt es als Bonus obendrauf.

Kommentare
  1. Jarg sagt:

    Danke für den Tipp! Hoffentlich kommt der mal als DVD raus … die Besprechung und das versprochene Wiedersehen mit dem jungen John Candy machen richtig neugierig.

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